Filmpremiere im Medienhaus : Begegnung von Fremden

<p>Bei der Filmvorführung im Verlagshaus: Hintere Reihe (v.l.) Torsten Mönnich, Pressesprecher der Sparkasse, Jochen Schmidt von der Landeszentrale für politische Bildung, Michael Seidel, Dieter Schumann, vordere Reihe: Ulrike Seemann-Katz vom Flüchtlingsrat, Alla Winkler von der Interkultur- und Diversity Akademie MV, Michael Kockot, Moha und Frank Ahlers.  </p>
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Bei der Filmvorführung im Verlagshaus: Hintere Reihe (v.l.) Torsten Mönnich, Pressesprecher der Sparkasse, Jochen Schmidt von der Landeszentrale für politische Bildung, Michael Seidel, Dieter Schumann, vordere Reihe: Ulrike Seemann-Katz vom Flüchtlingsrat, Alla Winkler von der Interkultur- und Diversity Akademie MV, Michael Kockot, Moha und Frank Ahlers. 

Filmvorführung über die Notunterkunft in Zahrensdorf sorgte gestern im Verlagshaus der SVZ für reichlich Gesprächsstoff und Emotionen

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23. März 2016, 11:45 Uhr

Frank Ahlers kann sich noch sehr genau daran erinnern, wie er und die ehrenamtlichen Helfer in der kleinen Gemeinde Zahrensdorf bei Boizenburg auf die Ankunft der ersten Flüchtlinge warteten. Wie sie die letzten Pritschen vorbereiteten und Kaffee kochten. 56 Menschen sollten von heute auf morgen in der Turnhalle des Ortes untergebracht werden. Erst war es nur ein Gerücht. Dann plötzlich wurde es Realität.

„Wir sitzen vor dem Fernseher, mit einer Tüte Chips und einem Bierchen in der Hand und plötzlich sind wir mittendrin“, beschreibt Ahlers das Gefühl. Männer, Frauen und kleine Kinder wurden mitten in der Nacht mit dem Bus nach Zahrensdorf gebracht. „Ich habe ihre Gesichter gesehen. Und dann bin ich ’rausgelaufen“, erzählt Ahlers. Er muss sich kurz sammeln. Dann spricht er weiter. „Ich habe geweint. Ich habe den Menschen in die Augen gesehen und ich habe gesehen, was sie alles erlebt haben. Dann ist etwas in mir passiert. Sie glauben gar nicht, wie schön es ist, wenn man helfen kann.“ Es folgt langer Applaus.

Es waren Worte wie diese, die gestern im Verlagshaus unserer Zeitung in Schwerin zum Nachdenken und vor allem Umdenken anregten. 150 Gäste hatten sich angemeldet, um den Film „Notstation – Wenn Fremde näher kommen“ von Dieter Schumann und Michael Kockot zu sehen. Die beiden Filmemacher dokumentierten drei Wochen lang, die Begegnung zwischen der Dorfgemeinschaft und den Flüchtlingen. Eine Zeit, die alle Beteiligten verändert hat, wie in der anschließenden Podiumsdiskussion deutlich wurde.

„Noch bevor die Flüchtlinge da waren, habe ich im Freundeskreis Sachen gesagt, die nicht in Ordnung waren“, gesteht Ahlers. Es seien Sachen gewesen, „die mich in die rechte Ecke gestellt hätten.“ Heute denkt er anders. „Wenn ich einen syrischen Nachbarn hätte, ich würde mich freuen. Ich habe die Menschen kennen gelernt.“

Wenn Fremde näher kommen. Man könnte auch sagen: Wenn Fremde Freunde werden. Denn die Notsituation in Zahrensdorf hat Menschen näher gebracht. Das wollen Schumann und Kockot mit ihrem Film zeigen. „Ich wollte schon immer nach Deutschland, aber als Besucher“, erzählt der syrische Flüchtling Moha, über den unsere Zeitung regelmäßig berichtet, im Film. „Es ist so seltsam, jetzt mit nichts hier zu sein.“ Doch Zahrensdorf sei durch die tollen Helfer für ihn nach Syrien eine zweite Heimat geworden, erklärt er am Rande der Veranstaltung. Seit fünf Monaten ist er in Deutschland. Nicht immer ist es einfach. Oft seien ihm Menschen mit Vorurteilen begegnet, doch noch öfter hätten sie ihm geholfen. „Ich will den Menschen die Angst vor Syrern nehmen“, erzählt er.

Zusammen mit den Filmemachern und der Hilfe der Landeszentrale für politische Bildung will Moha daher durch das Land reisen und in den Gemeinden den Film, der von der Sparkasse finanziert wurde, zeigen, um Hemmschwellen und Ängste abzubauen. „Vor allem auf dem Land haben viele Bewohner bisher nur sehr wenig Kontakt zu den Flüchtlingen. Dadurch sind viele Ängste entstanden und viele Vorurteile.“ Das sei vor allem jetzt, wo Anschläge wie in Brüssel die Menschen erschüttern wichtig, betonte Chefredakteur Michael Seidel, der durch den Abend moderierte.

Frank Ahlers brachte es auf den Punkt: „Am Ende sind wir alles Menschen. Und mir geht es nicht schlechter, weil jetzt Flüchtlinge da sind. Im Gegenteil."

Weitere Termine zum Film

Mittwoch, 23. März 2016, 18.30 bis 20.30 Uhr
Luna Filmtheater, Kanalstraße 13, 19288 Ludwigslust

Dienstag, 5. April 2016, 19.00 bis 21.00 Uhr
Gymnasium „Am Sonnenberg“ Crivitz, Am Sonnenberg 1, 19089 Crivitz

Mittwoch, 6. April 2016, 20.00 bis 22.00 Uhr
Regionale Schule „Walter Husemann“ Goldberg,
John-Brinckman-Straße 39, 19399 Goldberg

Donnerstag, 14. April 2016, 18.00 bis 20.00 Uhr
Kino „Movie Star“ Parchim, Gneisenaustraße 2, 19370 Parchim

Dienstag, 10. Mai 2016, 19.00 bis 21.00 Uhr
Rathaus Wittenburg, Am Markt 1, 19243 Wittenburg 

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