Bebe und Gorgo ziehen ins Darwineum

<strong>Haben jetzt ein neues Zuhause</strong>: Gorilla-Weibchen Bebe und Silberrücken Gorgo sind in Rostock angekommen. <foto>Zoo Leipzig</foto>
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Haben jetzt ein neues Zuhause: Gorilla-Weibchen Bebe und Silberrücken Gorgo sind in Rostock angekommen. Zoo Leipzig

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24. Juli 2012, 08:55 Uhr

Rostock | Es ist wohl bisher einer der wichtigsten Momente im Darwineum des Rostocker Zoos: Gegen 12.45 Uhr trifft gestern ein Transporter aus Leipzig ein. Im Laderaum befinden sich sieben Tiere: fünf Meerkatzen und zwei Menschenaffen - Gorillaweibchen Bebe und Silberrücken Gorgo. Damit sind die ersten Primaten im Affenhaus eingezogen - 47 Tage vor der Eröffnung des Darwineums.

Die Anspannung steht Antje Zimmermann ins Gesicht geschrieben. "Ich konnte kaum schlafen", sagt die Kuratorin des Rostocker Zoos. Halb drei war die Nacht für sie zu Ende. Seit den frühen Morgenstunden steht sie in ständigem Kontakt mit den Kollegen in Leipzig. Punkt 6 Uhr beginnen Reinald Hermann und Helmut Schneider im Leipziger Zoo die Tiere in den Lkw zu laden. Dann machen sie sich auf den Weg in die Hansestadt. Immer wieder machen sie Pause, um zu schauen, ob es den Tieren im gekühlten Laderaum gut geht. Denn diese werden bei vollem Bewusstsein transportiert, unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Kurz vor Rostock müssen die beiden Männer noch einmal ausharren und mehrere Minuten im Stau verbringen.

Währenddessen wird es auf der Baustelle im Darwineum immer ruhiger. Vor Anspannung und auch, weil alles so still wie möglich bei der Ankunft der Tiere sein muss. Kein Bohren und kein Sägen soll die Tiere in ihrem neuen Zuhause empfangen. Als dann endlich der Transporter aus Leipzig - fast zwei Stunden später als erwartet - das Gelände erreicht, atmen alle Mitarbeiter auf, vor allem die beiden Affenpflegerinnen Kerstin Genilke und Daniela Rogge. Sie werden für die Gorillas und Orang-Utans zuständig sein.

Als die Türen des Transporters aufgingen, hielten viele Arbeiter kurz den Atem an. Mit viel Geschick begann Lothar Gehlhaar, die Kisten, in denen die Affen transportiert wurden, abzuladen. "Ich fahr’ seit sieben Jahren den Radlader. Hab schon Löwen damit transportiert", sagt er. Immer wieder muss er vor und zurück, bis er sich durch das Darwineum bis zu den Schlafboxen gekämpft hat. Immer begleitet von Kuratorin Zimmermann, den Tierpflegern und Amtstierärztin Heike Schlößer. Am Ende darf kaum Platz zwischen Kiste und dem Eingang zur Box sein, damit die Affen problemlos in ihr neues Zuhause wechseln können. Um die sieben Tage werden Bebe und Gorgo in den Boxen bleiben und sich an ihre neue Umgebung gewöhnen. Erst dann können sie raus in die Anlage unterm Tropendach. "Dieser ganze Umzug bedeutet einfach extremen Stress für die Tiere", sagt Pflegerin Genilke. Die Affen müssten erst einmal runterkommen.Um zu kontrollieren, dass es ihnen gut geht, werden Kot- und Blutproben entnommen.

Tierpflegerin Rogge kennt Bebe und Gorgo noch aus Leipzig und hat dort bis vor einem Jahr die Betreuung der beiden Tiere übernommen. Nun ist sie im Darwineum zuständig und nahm ihre alten Bekannten gestern persönlich in Em pfang. Die 34-jährige Bebe wurde in freier Wildbahn geboren, kam 2001, nach 16 Jahren im Zoo Arnhem, nach Leipzig. Hier lebte sie mit Silberrücken Gorgo im Pongoland zusammen, der bis heute größten Menschenaffenanlage der Welt. Doch hier gab es Probleme mit einem anderen Weibchen. "Bebe wurde etwas gemobbt", sagt Rogge. Gorgo wurde 1981 im Zoo Krefeld geboren. "Für die beiden ist das Darwineum ein idealer Alterswohnsitz", sagt Rogge. Die beiden Gorillas kommen sehr gut miteinander aus, könnten eventuell sogar für Nachwuchs sorgen. Leben werden die beiden auf der kleineren Anlage in der Tropenhalle. In der größeren lebt dann der Rostocker Gorilla Assumbo. Er bekommt Gesellschaft von den beiden Weibchen Yene, zwölf Jahre alt, aus dem Port Lympne Wild Animal Park in England und Eyenga, acht Jahre alt, aus dem Züricher Zoo. Die nächsten Tiere werden in den kommenden Tagen erwartet.

Die neuen Menschenaffen

Mit Gorilla-Weibchen Bebe und Silberrücken Gorgo sind die ersten Menschenaffen eingezogen. In den kommenden Tagen folgen die Weibchen Yene aus Port Lympne und Eyenga aus Zürich. Doch auch die Orang-Utan-Gruppe wird sich vermehren. Das Weibchen Hsiao-ning kommt aus dem Ape Rescue Centre in Wareham. Sie wurde am 31. August 2003 geboren und wird ihren neunten Geburtstag bereits in Rostock feiern. Die jüngste neue Mitbewohnerin wird die siebenjährige Miri aus Twycross. Zusammen mit dem achtjährigen Sabas aus Rostock sollen sie eine eigene neue Zuchtgruppe bilden. Eine weitere Gruppe bilden die Eltern von Saba – Sunda, 35 Jahre, und Edje, 32 Jahre sowie seine Halbschwester Shiwa, 22 Jahre. Sie alle leben bereits im Rostocker Zoo.

Das Halten von Menschenaffen unterliegt strengsten Richtlinien des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes. Durch dessen Empfehlung und Auflagen erfolgt die Vermittlung von Menschenaffen. Neben den Bereichen in der Tropenhalle wird es auch eine Außenanlage geben. Das Freigehege für die Gorillas wird 5000 Quadratmeter groß sein, die Orang-Utans bekommen 4000 Quadratmeter. Diese wurden den natürlichen Lebensverhältnissen der Tiere nachempfunden und dementsprechend bepflanzt.

In den verbleibenden Wochen bis zur Eröffnung des Darwineums am 8. September dieses Jahres werden weitere rund 40 Tierarten aus dem Rostocker Zoo und anderen Einrichtungen Europas einziehen. Darunter sind unter anderem Galapagosschildkröten, Zwergseidenäffchen, Mehrkatzen, Antilopenziesel, Faultiere, Kattas, Nashornleguane, Quallen und diverse Insekten.

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