Beamte können sich freuen: Massage im Ministerium

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01. März 2013, 07:40 Uhr

Schwerin | Lust auf eine Ganzkörpermassage während der Arbeit? Im Wirtschaftsministerium kann das bald gelebte Realität werden. Auch Rücken-Nacken-Massagen oder Fußreflexzonenmassagen werden als Bedarf der Beamten und Angestellten in einer offiziellen Ausschreibung angemeldet, die an 14 niedergelassene Physiotherapeuten bzw. Praxen in der Landeshauptstadt ging. "Den Mitarbeitern des Ministeriums für Wirtschaft, Bau und Tourismus soll ermöglicht werden, im Dienstgebäude in der Johannes-Stelling-Straße 14 in Schwerin... physiotherapeutische Leistungen in Anspruch zu nehmen", heißt es in der Ausschreibung. Von den 240 Beschäftigten im Haus - nicht nur Beamte, hätten 15 Prozent Interesse an "regelmäßigen Massagen" bekundet.

Dem Vernehmen nach, ist es ein Anliegen des Betriebsrates gewesen, auch während der Arbeitszeit eine Auszeit zu ermöglichen. "Natürlich müssen sich die Mitarbeiter während der Inanspruchnahme von physiotherapeutischen Leistungen aus dem Zeiterfassungssystem ausloggen", versichert Ministeriumssprecher Gunnar Bauer. In der Ausschreibung heißt es dazu: "Die Leistungen können von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 Uhr bis 15.30 Uhr erbracht werden." Danach ist die Kernarbeitszeit ohnehin zu Ende. "Mindestens einmal pro Woche" sollte der Physiotherapeut "bei Bedarf zur Verfügung stehen". Und: "Das Ministerium stellt kostenfrei einen Raum zur Verfügung. Die Ausstattung mit notwendigen Hilfsmitteln bzw. Mobiliar obliegt dem Leistungserbringer."

Also die Liege kauft Minister Harry Glawe (CDU) nicht auch noch aus seinem schmalen Etat, obwohl der Ressortchef als diplomierter Krankenpfleger mit jahrzehntelanger Berufserfahrung offenbar ein offenes Ohr für die Wehwehchen seiner Mitarbeiter hat. Bezahlen müssen diese die Massagen selbst: "Die Abrechnung erfolgt unmittelbar zwischen dem Leistungserbringer und dem Patienten." Ein Fall für die Krankenkasse? "Die Krankenkasse zahlt das, wenn eine physiotherapeutische Leistung ärztlich verordnet ist", sagt Johannes Lack, ehemaliger Vize-Chef der AOK. Ansonsten muss natürlich der Angestellte oder Beamte die Massage selbst zahlen, wie es auch jeder andere tue. Nichtsdestotrotz findet der Krankenkassenspezialist den Massagesalon eine gute Idee: "Nichts gegen fitte Beamte." Am 25. März geht es los.

Aus dem Ministerium hört sich das natürlich formeller an. Gunnar Bauer: "Die Gesundheitsprävention hat in der Landesregierung einen hohen Stellenwert. Das Erbringen präventiver Leistungen entspricht dem Leitfaden für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Landesverwaltung, entwickelt durch das Gesundheitsministerium." Im Gesundheitsministerium selbst hat man das Massageprogramm allerdings noch nicht initiiert. Dafür aber im Finanzministerium von Ministerin Heike Polzin (SPD). "Immer mittwochs kommt jemand ins Haus, da kann man Termine buchen. Die Mitarbeiter zahlen das selbst", so eine Sprecherin.

Im Wirtschaftsministerium wartet man jetzt auf Preis-Angebote der Therapeuten für Ganzkörper, Fuß oder Rücken. Auf der Gegenseite ist man allerdings verwundert: "Es gibt festgeschriebene Vergütungsvereinbarungen für jede Leistung", erregt sich ein Therapeut. "Sollen wir jetzt uns jetzt gegenseitig mit Billigmassagen unterbieten?"

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