Baywatch in Warnemünde

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18. Juli 2010, 05:56 Uhr

Warnemünde | An Land zählt Tobias Lerche nicht zu den besten Sprintern. Doch im Wasser ist der 32-Jährige aus Wismar in seinem Element und kämpft sich ins Finale des DLRG-Cups im sportlichen Rettungsschwimmen. Der Ehrgeiz scheint nicht so recht zu der geradezu tropischen Urlaubsatmosphäre am Strand von Warnemünde zu passen. Schon um neun Uhr zeigt das Thermometer 28 Grad, die Sonne strahlt, das Meer lockt mit einer sanften Brandung, die Strandkörbe füllen sich mit den ersten Badegästen. Doch Tobias und die anderen 360 Rettungsschwimmer aus zehn Ländern haben an diesem Wochenende dafür erst einmal keinen Blick. Sie wollen das größte und wichtigste europäische Einladungsturnier in dieser Sportart gewinnen.

Aus den Lautsprechern tönt die Titelmelodie der US-Fernsehserie "Baywatch", in der in den 1990er Jahren David Hasselhoff und Pamela Anderson Hunderte Menschen vor dem Ertrinken retteten. "Die Serie hat unserem Sport einen unheimlichen Schub gebracht", sagt Henning Bock, bei der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) verantwortlich für den Rettungssport. Tobias hat die Faszination des sportlichen Rettungsschwimmens erst spät für sich entdeckt: "Ich bin vor drei Jahren an die Küste gezogen, da wusste ich noch gar nicht, dass es diesen Sport gibt." Inzwischen leistet auch Tobias ab und zu auf einem Rettungsturm am Strand von Wismar-Wendorf seinen ehrenamtlichen Dienst und ist für die Sicherheit der Badegäste verantwortlich.

"Die Rettungsschwimmer trainieren täglich für ihren Einsatz, da entsteht auch der Wunsch, sich miteinander zu messen", erklärt Bock die Motivation für den Sport. Nicht zuletzt soll mit dem bunten Spektakel auch der Nachwuchs für das Rettungsschwimmen begeistert werden. Dabei werde Rettungsschwimmen immer wichtiger, betont der Experte: "Eine Studie besagt, dass jedes vierte Kind nicht mehr schwimmen kann. Früher kam kaum ein Kind ohne Freischwimmer aus der Grundschule. Heute werden immer mehr Schwimmbäder geschlossen, da haben die Kinder oft gar nicht mehr die Möglichkeit, es zu lernen."

Durch die Auflösung seines Schwimmvereins und die Schließung der Schwimmhalle in Wismar kam auch Tobias Mannschaftskollege Carsten Schmidt zum Rettungsschwimmen. "Damals gingen alle Schwimmer zur DLRG, um weiter schwimmen zu können." Im Becken galt Carsten als hoffnungsvolles Talent, beim Rettungsschwimmen muss er sich noch durchsetzen. "Als guter Schwimmer im Becken ist man hier noch lange nicht vorne dabei", sagt er nach seinem verpassten Finaleinzug etwas enttäuscht.

Schwimmen in der Meeresbrandung erfordert nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Geschick, bestätigt Bock: "Man muss die Strömung nutzen: Beim Rausschwimmen muss man sich von der Unterströmung mitnehmen lassen, um schnell zum Ertrinkenden zu kommen. Beim Zurückschwimmen versucht man dann, auf dem Wellenkamm zu bleiben."

Gewonnen wurde der DLRG-Cup von der deutschen Nationalmannschaft. Das deutsche Team siegte vor den Niederlanden und Belgien. Unter den Vereinsmannschaften erreichte aus MV das Team aus Rostock den dritten Rang, die Stralsunder kamen auf den fünften Platz.

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