zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

24. Oktober 2017 | 06:05 Uhr

Prerow : Baywatch-Feeling am Ostseestrand

vom
Aus der Onlineredaktion

220 Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland haben sich am Wochenende in acht sportlichen Disziplinen gemessen

von
erstellt am 07.Aug.2017 | 11:40 Uhr

Athletische Körper gleiten mühelos durch die brausenden Wellen. Wasserperlen sammeln sich auf sonnengebräunter Haut, als die jungen Frauen und Männer den Strand erreichen. Abgesehen von der fehlenden Zeitlupe und der heißen Sonne Miamis könnte man meinen, in einem Baywatch Film gelandet zu sein. Das Potenzial hätten die 220 Rettungsschwimmer jedenfalls, die sich am Sonnabend in Prerow mit einander maßen.

Normalerweise sind sie an den wenigen Sommertagen dieses Jahres als Lebensretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an Stränden und Badeseen im ganzen Bundesgebiet präsent, um für die Sicherheit der Badegäste zu sorgen. Am Wochenende ging es jedoch um sportlichen Wettkampf auf Höchstniveau. Es ist der zweite Wettkampf der dreiteiligen Serie um die DLRG Trophy 2017. Das Finale wird am 26. August in Bayern am kleinen Brombachsee stattfinden.

Anne Hentschel ist eine der vielen Teilnehmerinnen. Die 19-Jährige gehört zu den Rettungsschwimmern der Ortsgruppe Prerow. Zur Schule geht sie jedoch im baden-württembergischen Göppingen. „Ich bin Mitglied in beiden Ortsgruppen“, erklärt die Schülerin. Für den Wettkampf – an dem sie dieses Jahr das erste Mal teilnahm – hat sie extra elf Stunden Fahrt auf sich genommen. Wie auch für ihre Einsätze am Prerower Strand. Die Ostsee habe es ihr angetan. „Ich bleibe immer eine bis zwei Wochen vor Ort. Das ist für mich jedes Mal eine Mischung aus Arbeit und Urlaub“, schwärmt sie.

Schon seit ihrem zwölften Lebensjahr betreibt Anne den Rettungssport – „das ist die Wettkampfvariante des Rettungsschwimmens“, erklärt sie. Dabei komme es neben Schnelligkeit beim Schwimmen und Laufen auch darauf an, die Geräte zur Wasserrettung – wie den Gurtretter oder den Rettungsski – bestmöglich zu nutzen. Das Ziel ist aber nach wie vor, Menschen zu retten beziehungsweise sich darauf vorzubereiten.

Wie wichtig das ist, zeigt ein Vorfall vom Freitag: Bei ablandigem Wind waren zwei Kinder mit einem Schlauchboot ins Meer hinausgetrieben. Mit einem Boot rasten die Helfer hinterher und brachten die erschöpften, aber unversehrten Kinder zurück an Land. Ohne das viele Training und die geschulten Augen der Helfer wäre es wohl nicht so glimpflich ausgegangen.

Anne Hentschel, die neben der Teilnahme am Wettkampf auch Wachdienst auf dem Hauptturm der DLRG direkt an der Prerower Seebrücke hat, erklärt wie anstrengend diese Aufgabe ist. „Es ist kompliziert, so viele Menschen immer im Blick zu behalten – vor allem, da sie sich ständig bewegen.“ Zwar zählt die 19-Jährige oft die Personen ab, aber zu einem Unfall kann es trotzdem kommen. „Noch musste ich meine Fähigkeiten aber nicht einsetzen“, berichtet sie.

Die häufigsten Vorfälle vor Ort seien verloren gegangene Kinder. Doch auch dafür gibt es bei den Rettern schon einen Lösungsansatz. „Die Kinder können vor dem Strandgang von uns bunte Bändchen bekommen. So können sie identifiziert werden und die Nummer der Eltern ist hinterlegt.“ Leider, klagt sie, würden manche Eltern sich so sehr auf die Rettungsschwimmer vor Ort verlassen, dass sie ihre Kinder allein ins Wasser gehen lassen oder aus den Augen verlieren. Das sei besonders schlimm, weil immer weniger von ihnen schwimmen können. „Nur, weil das Kind ein Seepferdchen gemacht hat, heißt das noch lange nicht, dass es wirklich gut schwimmen kann“, erklärt die 19-Jährige. Es sei wichtig, dass die Kinder auch danach immer mal wieder im Wasser sind, um Übung zu bekommen.

Und nicht nur für Kinder kann es im Wasser gefährlich werden. Auch Erwachsene würden ihre Fähigkeiten oft überschätzen. Allein im Nordosten sind in dieser Saison laut Wasserschutzpolizei schon zehn Menschen ums Leben gekommen. 2016 starben bundesweit bei Bade- und Wassersportunfällen 537 Menschen.

Auf Situationen wie diese, in denen es darauf ankommt, bereiten auch die Wettkämpfe vor. Neben den Schwimm-Disziplinen und Kombinationen mit Laufen und Paddeln gibt es darum auch Rettungsübungen, in denen ein Teamkamerad aus dem Wasser geborgen werden muss. Das ist im Meer deutlich schwerer als im Freibad oder See, weiß Anne Hentschel.

Da das Schwimmen ihre Paradedisziplin ist, trat sie auch beim DLRG Trophy Wettkampf nur im Brandungsschwimmen – dem so genannten Surf Race – an. Dabei starten die Teilnehmer vom Strand und absolvieren einen 400 Meter langen Rundkurs. Von den 30 Teilnehmern kamen 15 in die nächste Runde. Anne hat es leider nicht geschafft. Dafür hatte sie danach aber Zeit, das Team vor Ort weiter zu unterstützen. Denn ein wachsames Auge hat die 19-Jährige inzwischen immer auf andere Schwimmer um sie herum – auch wenn sie ihre Freizeit mit Freunden und Familie genießt.

Die Gastgeber aus Prerow galten bei diesem Wettkampf von vorn herein nicht als Favoriten. Zu stark war die Konkurrenz aus dem Halle-Saale-Kreis und Harsewinkel, die gespickt mit Spitzensportlern waren. Letztere konnten auch schon den ersten Teil des Wettbewerbes im Juni in Haltern am See für sich entscheiden. Die Westfalenerin Kerstin Lange holte zudem beispielsweise gerade erst bei den World Games in Polen eine Goldmedaille. Sie war es auch, die den Sieg im Surf Race davontrug. Die Königsdisziplin der Wettkämpfe ist jedoch Oceanman/ Oceanwoman. Bei diesem Rettungstriathlon absolvieren die Sportler hintereinander das Brandungsschwimmen, das Rettungsbrett- und das Rettungsski-Rennen. Zum Schluss erwartet sie dann noch ein Sprint über den Sand. Mancher Zuschauer war da schon vom Zusehen erschöpft. Die Sportler dagegen konnten ihre Anstrengungen kurz vor dem Ziel einfach weglächeln.

Insofern scheint das Bild der athletischen, hilfsbereiten und immer lächelnden Baywatch-Stars gar nicht so verkehrt zu sein. Anne Hentschel jedenfalls fühlt sich davon geehrt. Und freut sich, dass Rettungsschwimmer auf diese Weise etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wer die stillen Helden einmal live erleben möchte, dem sei gesagt, dass noch bis Mitte September etwa 2800 von ihnen in 43 Küstenorten und an knapp 60 Badeseen in MV aktiv sind.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen