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Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 07:26 Uhr

Baustart an der Problembrücke

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staus, Stress, Ärger: Die marode Petersdorfer Brücke der Autobahn Berlin-Rostock sorgt seit Jahren für Schlagzeilen / Seit gestern wird sie abgerissen und neu gebaut

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2017 | 17:15 Uhr

Es ist die größte Straßenbaustelle in Mecklenburg-Vorpommern: Nach jahrelanger Vorbereitung ist gestern die Erneuerung der maroden Petersdorfer Brücke im Verlauf der Urlauber-Autobahn A 19 nahe Malchow in Gang gekommen. Seit gestern zischen die Schneidbrenner: Bei dichtem Schneefall trennten Arbeiter die ersten Segmente aus der westlichen Stahlbrücke, die ein Kran am Haken sicherte und abtransportierte. Die Überführung soll in den kommenden Monaten mit Millionenaufwand erneuert werden. „Diese Autobahn ist die Hauptverkehrsschlagader Mecklenburg-Vorpommerns und hier muss ein sehr besonderes Bauverfahren angewendet werden“, erklärte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD), der sich die Bauarbeiten gestern anschaute. Der Abriss der ersten, rund 1600 Tonnen schweren Teilbrücke soll rund einen Monat dauern.

Stress für Urlauber, Pendler und Lkw-Fahrer: Sie müssen sich auch in den kommenden Monaten auf Staus einstellen. Die A 19 ist als Hauptzufahrt von Süden zur Ostseeküste für Touristen, den Güterverkehr von und zur Ostsee sowie die vielen Kreuzfahrer wichtig, die in Rostock ankommen und von dort Ausflüge unternehmen. Der Verkehr wird bis Frühjahr 2018 über nur je eine Fahrspur pro Richtung über die östliche Petersdorfer Teilbrücke geleitet. Auf der maroden Ost-Brücke ist wegen der Enge die Geschwindigkeit zudem auf 40 Stundenkilometer gesenkt. Das führt in der Hauptsaison und an Wochenenden oft zu Unfällen und regelmäßig zu kilometerlangen Staus. Auf der A19 fahren bis zu 36 000 Fahrzeuge täglich.

Die zwei Stahlbrücken führen über die Müritz-Elde-Wasserstraße, stammen aus dem Jahr 1978. Nach nur etwa 40 Jahren ist die mit dem Autobahnbau in den 70er-Jahren errichtete Stahlträgerbrücke Schrott. Der Abriss der etwa 300 Meter langen West-Brücke über den zugefrorenen See gilt als wichtige Etappe bei der Erneuerung der maroden Autobahnbrücken. Für die gesamte Erneuerung der A 19-Anschlussstelle Waren, die mit den Brücken verbunden ist, werden rund 40 Millionen Euro veranschlagt, die der Bund aufbringt. Etwa 30 Millionen Euro entfallen davon auf die Brückenneubauten.

Die Brücke ist seit Jahren in den Schlagzeilen: Zunächst hatten Fledermäuse die Sanierung verschoben. Im Widerlager der Brücke hatten sich hunderte Zwerg-, aber auch Wasser- und Rauhautfledermäuse angesiedelt – eine der größten Kolonien weit und breit. Umzug für die Säuger: Für 500 000 Euro hatten die Straßenbauer den Tieren eine neue Fledermaus-WG gebaut – ein Betonbau, zehn mal zehn Meter groß, direkt an der Autobahn 19, zwei Stockwerke, mit Vordach und den Blick auf den idyllischen Petersdorfer See.

Nachdem die Straßenbauer später bei Vorbereitungsarbeiten für den ursprünglich ab 2015 geplanten Baubeginn weitere Schäden entdeckt hatten, war auf der wichtigen Nord-Süd-Trasse und der eingerichteten Umleitungsstrecke das Chaos ausgebrochen. Drei Millimeter tiefe Risse hatten die Brückenbauer beim Anschweißen zusätzlicher Stahlplatten an den 14 Millimeter dicken Trägerwänden der Petersdorfer Brücke entdeckt. Vollsperrung für Lastkraftwagen, für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und breiter als 2,10 Meter eine Woche später – kein Durchkommen für Wohnmobile und -wagen. Schwerlaster hatten sich an der Brücke festgefahren, nachdem sie zuvor Verbotszeichen ignoriert hatten. Selbst Pkw durften nur noch mit 30 km/h über die Brücke schleichen. Die Lkw mussten eine 22 Kilometer lange Umleitung in Kauf nehmen , über die Bundesstraßen 198, 103 und 192, durch Tourismusorte wie Plau am See und Alt-Schwerin, an Campingplätzen, Kliniken vorbei. Erst im Herbst 2015 konnte die Brücke für den Lkw-Verkehr wieder freigegeben werden.

Der Neubau hat sich wegen komplizierter Fundamentgründungen bereits um rund ein Jahr verzögert. Die neuen Fundamente mussten bis zu 50 Meter tief in den Petersdorfer See hineingebohrt werden, was zu monatelangen Verzögerungen führte. Zuletzt musste auch der Abriss um eine Woche verschoben werden, weil ein Sturm die Bauarbeiten gefährdete. Der Abriss der westlichen Petersdorfer Teilbrücke soll rund einen Monat dauern.

 
 

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