Wohnungsbau MV : Baureifes Land fehlt

Im vergangenen Jahr wurde auf dem Bau in MV 4,2 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet als 2014.
Im vergangenen Jahr wurde auf dem Bau in MV 4,2 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet als 2014.

Rückgänge im Wohnungsbau und bei öffentlichen Aufträgen machen der Baubranche im Land zu schaffen

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22. März 2016, 05:00 Uhr

Niedrige Zinsen, billige Kredite, boomende Baubranche: So einfach ist es in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Für das vergangene Jahr verzeichnete der Bauverband des Landes im Wohnungsbau einen Umsatzrückgang um 7,6 Prozent. Ende 2015 sei die Hälfte des Bauvolumens im Wohnungsbau mit Aufträgen hinterlegt gewesen, so der Präsident des Bauverbandes, Prof. Carl Thümecke gestern in Schwerin. Das sei ein „normaler Auftragsbestand“, den sicherlich das milde Winterwetter beflügelt hätte und der den Unternehmen Arbeit für drei bis vier Monate sichere.

Allerdings kristallisiert sich ein Hemmnis immer stärker heraus: „Es fehlt an baureifem und baurechtlich gesichertem Land“, so Thümecke. Bauland sei mittlerweile zum Spekulationsobjekt geworden. Politik und Verwaltung müssten dafür sorgen, dass wieder mehr Bauland zu „sinnhaften Preisen“ an den Markt kommt und dass dadurch auch wieder Anreize für private Investitionen geschaffen werden, fordert der Bauverbands-Präsident.

Mit Skepsis betrachtet er dagegen, wenn die SPD in ihrem Wahlprogramm verspricht, ein 20-Millionen-Euro-Paket für altersgerechten Wohnungsbau aufzulegen. Die „konkurrierende Regierungspartei“ hätte für die laufende Legislatur sogar 500 Millionen Euro Investitionen im Baubereich versprochen – „die suchen wir noch heute“, betont Thümecke nicht ohne Sarkasmus.

Ohnehin ist der Bauverband auf die öffentliche Hand nicht gut zu sprechen. 2015 waren öffentliche Bauaufträge um 81 Millionen Euro bzw. drei Prozent zurückgegangen, für 2016 zeichne sich sogar ein Minus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr ab, so Bauverbands-Geschäftsführer Jörg Schnell. Straßen und Gebäude verfielen trotz sprudelnder Steuereinnahmen, das verstehe, wer wolle.

Der Bau sei die wichtigste Branche des Landes – „weil sich gleich fünf Minister aus dem Kabinett um uns kümmern“, so Thümecke. Es fühle sich aber niemand dazu in der Lage zusammenzurechnen, wie viel an Landes-, Bundes- und Europamitteln insgesamt für Investitionen in MV zur Verfügung steht. Das sei ebenso symptomatisch wie das Fehlen progressiver Ansätze. „Wenn Prognosen bis 2030 einen Bevölkerungsrückgang auf 1,3 Millionen voraussagen – warum tut dann niemand etwas, um diese Entwicklung zu stoppen?“, fragt Thümecke. „Wir müssen Anreize schaffen, damit es Bewegung gibt in diesem Land.“

Solche Anreize würden auch die Stimmung in der Baubranche verbessern. Die sei derzeit anders als im Bundesvergleich nicht zuletzt wegen der schlechten Zahlungsmoral der öffentlichen Hand und der immer weiter wegbrechenden Fachkompetenz . „Statt qualifizierter Bauingenieure treffen wir in der öffentlichen Auftragsverwaltung zunehmend auf Verwaltungsfachleute oder Juristen“, so Thümecke ein wenig bedrückt.

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