Einsatz einer Spezialfirma in Heidhof : Baumwipfel von Gifthaaren befreit

Mühsam und kostspielig ist das Absaugen und -sammeln der Raupengespinste, in denen sich  die gesundheitsgefährdenden Härchen zu Millionen befinden. Die Eichen entlang der L04 sind prall mit Nestern besetzt, die jetzt entsorgt werden. Foto: Harald Schulz
Mühsam und kostspielig ist das Absaugen und -sammeln der Raupengespinste, in denen sich die gesundheitsgefährdenden Härchen zu Millionen befinden. Die Eichen entlang der L04 sind prall mit Nestern besetzt, die jetzt entsorgt werden. Foto: Harald Schulz

Der Vollschutzanzug und Atemschutz ist unabdingbar für die Männer, die bei Heidhof entlang der Landesstraße 04 die Gespinste von Nestern der Eichenprozessionsspinnerraupen aus den Wipfeln der Eichenallee lösen.

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18. Juli 2012, 12:04 Uhr

Heidhof | Der Vollschutzanzug und Atemschutz ist unabdingbar für die Männer, die im Auftrag des Landes gestern bei Heidhof und in den kommenden Tagen weiter entlang der Landesstraße 04 die Gespinste von Nestern der Eichenprozessionsspinnerraupen aus den Wipfeln der Eichenallee lösen. In den Bäumen kleben diese grauen und wie schmutzige Wollknäuel aussehenden Büschel wie volle Staubsaugerbeutel. Und die Baumkronen sind prall gefüllt mit diesen giftigen Gespinsten, die täglich zig Säcke füllen, die abends in der Müllverbrennungsanlage enden.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern und der Landkreis Ludwigslust-Parchim arbeiten bei der Bekämpfung des gefährlichen Schädlings eng miteinander zusammen. Auch gezwungener Maßen, denn den Raupen ist es egal, welche Eiche an welcher Straße sie befallen. Doch teuer wird es für Land und Kreis allemal. Genaue Zahlen sollen jedoch erst im kommenden Jahr vorgelegt werden können, heißt es aus der Kreisverwaltung. Eine zusätzliche unbekannte Größe ist der Befall von privaten Baumbeständen durch den Schädling. Zukünftig soll versucht werden, diese Betroffenen in die Gesamtsituation mit einzubeziehen. Erste gute Ergebnisse habe es bereits gegeben, so ein Sprecher der Kreisverwaltung.

Gefährliche Falterart hat sich bis zur Ostsee ausgebreitet

Abstand halten und niemals ohne Vollschutz berühren! Das ist der beste Schutz gegen mögliche gesundheitsgefährdende Reaktionen der Haut, Atemproblemen und allergischen Reaktionen des Herz-Kreislaufsystems, warnt Dirk Prieß, der mit seinen Mitarbeitern diesen nicht ungefährlichen Job entlang der L 04 fachmännisch erledigt. Das in Grabow ansässige Unternehmen "GLB - Gartenbau-Landschaftsarbeiten und Baumpflege GmbH" befasst sich seit dem dramatischen Anstieg mit dieser Fal-terart, die ihren Ursprung auf der Iberischen Halbinsel hat und sich mittlerweile bis zur Ostsee ausbreiten konnte. Natürliche Feinde hat die Motte wenige. Einer von ihnen ist der Kuckuck. "Es gibt viele in der Öffentlichkeit zu hörende ,todsichere Mittel gegen die Raupen dieser Motte. Das Abflammen eines Netzes ist beispielsweise brandgefährlich. Die Hitze lässt die Luft explosionsartig zirkulieren und löst so einen Schwall voller unkontrollierbarer Gifthaare, bevor die Flammen den Rest versengen", warnt Prieß.

Lediglich zwei Methoden helfen tatsächlich: Die Wirtsbäume im April/Mai mit einem Bakterium besprühen, das in der Lage ist, die Raupen abzutöten, für Säugetiere jedoch ungefährlich ist. Die Raupen verlassen in dieser Zeit das Nest und nähren sich von den Blättern. Ein Kilogramm der Sprühsubstanz kostet im Fachhandel um die 175 Euro. Hinzu kommt der logistische Aufwand, weiß Prieß. Neben diesem, nach Ansicht des Grabower Unternehmers effektivsten Mittel, bleibe dann nur das manuelle Entfernen der Gespinste aus den Eichen. Eine umfangreiche und zeitfordernde Aufgabe, die in der Zeitspanne Juli/August erfolgen müsse. Diese Dienstleistung für die Bekämpfung treibe die Kosten allerdings exorbitant in die Höhe.

Die gesundheitlichen Folgen, die durch den Kontakt mit den reizenden Härchen der Raupe entstehen, können deutliche Krankheitssymptome auslösen, die meist mit einem Brennen auf der Haut, ähnlich dem Berühren mit Brennnesseln, beginnen. Auf keinen Fall sollten sich die Augen gerieben oder mögliche belastete Umgebungsluft eingeatmet werden. Kam trotzdem ein Kontakt mit Gespinsten zustande, so der Rat von Experten, muss auch die Kleidung gewechselt werden.

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