Temperaturrekord im Norden : Bauernpräsident klagt über Trockenheit

Strandbesucher genießen das sommerliche Wetter an der Ostsee.
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Strandbesucher genießen das sommerliche Wetter an der Ostsee.

Abendliches Grillen oder Sport im Freien: Vielen macht das warme Oktoberwetter Freude. Doch die Natur brauche dringend Regen, klagt der Präsident des Bauernverbands.

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14. Oktober 2018, 13:42 Uhr

Des einen Freud, des anderen Leid: Während die Land- und Forstwirtschaft über die Trockenheit klagt, erfreuten sich meisten Menschen vor allem am Samstag der sommerlichen Temperaturen. Es wurden sogar Rekorde gebrochen. Es war der wärmste 13. Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Anfang des letzten Jahrhunderts, wie der Meteorologe Stefan Kreibohm vom Wetterstudio auf Hiddensee berichtete.

In Schwerin wurden am Samstagnachmittag 26,8 Grad gemessen. Der bisherige Höchstwert für diesen Tag war der des Jahres 1907, als 22,0 Grad erreicht wurden. Die 26,8 Grad waren auch ein Oktober-Rekord. Bislang hielt den der 1. Oktober 2011 mit 26,5 Grad. Am Sonntag war es dann ein wenig kühler.

Gut belegt sind die Strandkörbe an der Ostsee bei sommerlichen Temperaturen Mitte Oktober.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Gut belegt sind die Strandkörbe an der Ostsee bei sommerlichen Temperaturen Mitte Oktober.
 

Dabei war Schwerin nicht einmal der wärmste Ort. In Parchim wurden sogar 28,0 Grad gemessen, nur reichen dort die Temperaturaufzeichnungen nicht soweit zurück wie in der Landeshauptstadt. Auch in Greifswald, Warnemünde und Boltenhagen wurden die bisherigen Rekorde gebrochen, wie Kreibohm sagte. Aber die Periode mit hohen Temperaturen sei nun vorbei, sagte der Meteorologe.

Keine Hoffnung auf baldigen Regen

Das lang anhaltende schöne Wetter hat für die Land- und Forstwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern möglicherweise gravierende Folgen. «Wir brauchen dringend ausgiebigen Regen», sagte der Präsident des Bauernverbands Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Kurreck, der Deutschen Presse-Agentur. Nach den wenigen Niederschlägen seien die Neuaussaaten zwar aufgegangen. «Das täuscht aber darüber hinweg, dass der gesamte Unterboden knochentrocken ist.» Der teils starke und warme Wind koste den Boden die verbliebene Feuchtigkeit. «Die Pflanzen stehen unter Stress.» Dazu kämen die Schädlinge, die bei den warmen Temperaturen weiter aktiv seien.

In der Rostocker Heide verursacht aktuell der Borkenkäfer Probleme bei den Fichten, wie der Leiter des Stadtforstamts, Jörg Harmuth, erklärte. Es fehle das Wasser, um das Harz für die Käferabwehr zu produzieren. Bei den Laubbäumen sei noch nicht absehbar, wie stark sie unter der langen Trockenheit leiden. Dafür müsse das Frühjahr abgewartet werden.

Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde. Nach dem heißen und trockenen Sommer hat sich der Borkenkäfer in den Wäldern explosionsartig ausgebreitet.
Roland Weihrauch/dpa

Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde. Nach dem heißen und trockenen Sommer hat sich der Borkenkäfer in den Wäldern explosionsartig ausgebreitet.

 

Hoffnungen auf baldigen Regen kann Kreibohm den Land- und Forstwirten nicht machen. Bis Mitte der Woche sei nichts in Sicht. Damit setze sich die Entwicklung des vergangenen halben Jahres fort. «Jetzt wird es schon dramatisch», sagte er beispielsweise mit Blick auf den niedrigen Wasserstand der Seen in der Mecklenburgischen Seenplatte. Die lange Trockenheit sei als ein Indiz für den Klimawandel zu betrachten, sagte Kreibohm.

Gleichzeitig sorgt das schöne Oktoberwetter in der Tourismusbranche zum Saisonausklang noch einmal für gute Stimmung. «Wir erwarten im Oktober 2,5 Millionen Übernachtungen», sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Bernd Fischer. Das sei eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Oktober mit den Herbstferien sei die klassische Familienreisezeit. Mit den Herbstangeboten sollen auch ältere Paare angesprochen worden, sagte Fischer.

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