Landwirtschaft : Bauern stoßen Aussaatpläne um

Carsten Bast als Leiter der Saatgutproduktion Ceravis in Güstrow (l.) und Sebastian Piwko bei der Qualitätskontrolle eingehender Ware. In diesem Jahr muss der Saatguthändler Ware zukaufen.
Carsten Bast als Leiter der Saatgutproduktion Ceravis in Güstrow (l.) und Sebastian Piwko bei der Qualitätskontrolle eingehender Ware. In diesem Jahr muss der Saatguthändler Ware zukaufen.

Nach verschleppter Herbstbestellung kommen in MV in diesem Jahr doppelt so viele Sommersaaten in den Boden

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07. März 2018, 12:00 Uhr

Der Dauerregen auf Mecklenburg-Vorpommerns Feldern hat Folgen: Die Bauern im Land müssen in diesem Frühjahr auf mehreren zehntausend Hektar ihre Aussaatpläne umstellen. Weil etliche Ackerflächen im Herbst nicht bestellt werden konnten, bringen betroffene Landwirte in diesem Jahr deutlich mehr Sommersaaten in den Boden. Jetzt wird das Saatgut knapp. Die Bauern orderten etwa doppelt soviel Saaten wie in normalen Jahren. Nur etwa die Hälfte könne aber aus heimischer Produktion gedeckt werden, erklärte Andreas Prelwitz, Chef des Saatguthändler Nordkorn in Güstrow. Der andere Teil müsse importiert werden – aus Dänemark und Frankreich. Nordkorn-Saaten gehören seit 2016 zur Ceravis AG – einem der größten Agrarhändler. Das Unternehmen bereite jährlich etwa 65 000 Tonnen Rohware von 140 Vertragsanbauern im Norden auf und verarbeitet sie zu 42 000 Tonnen Saatgut – Getreide, Ölsaaten, Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen, Gras.

Verkehrte Welt am Feldrand: In Jahren mit normalem Witterungsverlauf bringen die Bauern in MV vor allem ertragreiche Wintersaaten in den Boden. Bislang keimten auf etwa zehn Prozent Sommergetreide, sagte Prelwitz. In diesem Jahr aber werde sich der Anteil auf 20 Prozent verdoppeln. Im nassen Herbst 2017 hätten etwa 50 000 Hektar nicht mehr mit Wintergetreide bestellt werden können, erklärte Dieter Ewald, Chef des Saatgutverbandes MV. Auf weiteren 25 000 Hektar sei der Winterraps nicht mehr in den Boden gekommen. Das vergangene Jahr war eines der niederschlagsreichsten seit 1881, geht aus Messdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervor – insgesamt 801 Liter je Quadratmeter. Nur 2007 fiel mit 815 Litern noch mehr Niederschlag in MV zu Boden.

Für die Bauern könnte es noch dicker kommen: Durch den starken Frost der vergangenen Wochen müsse auch mit weiteren Auswinterungsschäden gerechnet werden, meinte Ewald – vor allem in Regionen mit nur geringer Schneedecke wie u. a. im Raum Schwerin. Die Bauern müssten in diesem Jahr die Bestände besser denn je führen, forderte Ewald: „Ein schwieriges Ackerbaujahr.“ Das kostet: Allein die Importe der Sommer-saaten verteuerten die Frühjahrsbestellung deutlich. So koste beispielsweise allein der Transport für eine Tonne Saatgut von Güstrow aus 25 Euro, für die Anfuhr aus Frankreich aber 125 Euro, rechnete Prelwitz vor.

Nässe im Herbst, Fröste zum Winterende – verhaltene Ertragsaussichten in diesem Jahr. Für die Bauern zeichnen sich bereits Ertragseinbußen in diesem Erntejahr ab. Top-Erträge haben viele Bauern bereits abgeschrieben. Saatguthändler Prelwitz hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben Die Versorgung mit Saatgut sei gesichert: „Es ist noch nicht alles verloren, selbst bei einer späteren Aussaat.“ 2013, als noch bis Anfang April Schnee die Felder bedeckt und sich die Frühjahrsaussat um Wochen verspätete, fuhren die Bauern am Ende doch noch Sommergetreide mit überdurchschnittlichen Erträgen ein.

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