zur Navigation springen

5. Milchbauerntag in Karow : Bauern protestieren gegen niedrige Milchpreise

vom

Während die Spritpreise um Ostern herum auf dem Weg Richtung Gipfel waren, sind die Milchpreise derzeit wieder unterwegs nach ganz woanders: nach unten. Tief unten, um genau zu sein.

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2012 | 07:39 Uhr

Karow | Während die Spritpreise um Ostern herum auf dem Weg Richtung Gipfel waren, sind die Milchpreise derzeit wieder unterwegs nach ganz woanders: nach unten. Tief unten, um genau zu sein.

Bauer Reinhard Stieglitz aus Metelsdorf ärgert sich darüber. Es ist kein Ärger um des Ärgers Willen, sondern eine Wut, in die sich reichlich Zukunftsangst mischt. "Wir Milchbauern sind 365 Tage im Jahr im Einsatz, das muss doch irgendwie auch honoriert werden", sagt Stieglitz. Was der Bauer damit meint: Die Arbeit der Landwirte muss sich endlich wieder lohnen. Doch die Realität sieht anders aus. Aktuell droht der Abnahmepreis pro Liter unter die 30-Cent-Marke zu fallen. "Eine Katastrophe", findet Stieglitz. Aus seiner Erfahrung weiß er, dass ein Abnahmepreis in Höhe von zwischen 30 und 32 Cent einzig und allein dafür reicht, die Produktionskosten zu decken. "Bei kleineren Betrieben sind die Produktionskosten sogar noch deutlich höher", sagt der Landwirt. Er fordert Preise, die sich zwischen 35 und 36 Cent je Liter bewegen. "Nur so sind auch dringende Investitionen möglich", sagt Stieglitz. Ihn ärgert vor allem, dass die Bauern nicht vorher erfahren, was sie für ihre Milch bekommen, sondern erst, nachdem sie geliefert haben. "Keine andere Branche der Welt würde akzeptieren, den Preis erst nach getaner Arbeit zu verhandeln", sagt der Milchbauer, der außerdem bemängelt, dass die gewaltig steigenden Energie- und Futterkosten sich nicht in steigenden Milchpreisen niederschlagen. "Deshalb gehe ich davon aus, dass immer größere Wettbewerber die kleinen Familienbetriebe verdrängen werden", so der Bauer.

Wie Stieglitz denken so ziemlich alle Milchbauern aus der Region. Viele kamen gestern zum fünften Milchbauerntag des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in die Auktionshalle des Karower Vermarktungszentrums. Unter dem Hallendach war die angestaute Frustration der Landwirte förmlich greifbar. In der Milchbranche geht es mit harten Bandagen zur Sache. Immer mehr Bauern drohen dabei auf der Strecke zu bleiben.

Mit Aktionstagen wie dem gestrigen versucht die BDM gegenzusteuern. Christian Karp, BDM-Landesteamleiter MV, sprach davon, dass es dringend nötig sei, etwas gegen die "schlechten Prognosen für den Milchpreis" zu tun. Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass trotz Einladung kein Vertreter der genossenschaftlichen Molkereien, also derjenigen, die den Bauern die Milch abkaufen, bereit war, auf der Veranstaltung Stellung zu beziehen. Als Karp dies vom Podium aus verkündete, ertönten im Saal laute Buh-Rufe. Landeslandwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) versuchte die Bauern zu beruhigen und versprach, er werde für faire Preise eintreten. Wie genau dieses Ziel allerdings erreicht werden soll, das sagte Backhaus nicht. Nicht verwunderlich, dass einige Bauern sich nicht mit Kommentaren wie "alles schwammig" zurückhielten. "Landwirtschaft hatte in der DDR einen hohen Stellenwert, aber Zwangskollektivierung war nun wirklich keine Lösung, die den Menschen gedient hat", unterstrich Backhaus. Der Minister verwies außerdem auf die positiven Punkte auf der Haben-Seite der Bauern.

Während Backhaus sprach, stand vor dem Rednerpult eine schwarz-rot-gelb bemalte Plastik-Kuh mit der Aufschrift "Die faire Milch". Allein: Um den Glauben an die faire Milch, so schien es, war es bei den Besuchern nicht sonderlich gut bestellt.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen