MV macht den Bund reich : Bauern mit Milliardenausgaben für Bodenkauf

Zum Nachteil für die Bauern: Die Milliardenausgaben für den Bodenkauf blockieren Investitionen in neue Technik und Ställe. dpa
Zum Nachteil für die Bauern: Die Milliardenausgaben für den Bodenkauf blockieren Investitionen in neue Technik und Ställe. dpa

MVs Bauern machen den Bund reich: Die Verpachtung und der Verkauf des ehemals volkseigenen Bodens und Waldes im Land brachte dem Bund in den letzten 12 Jahren 1,8 Milliarden Euro in die Kasse.

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13. März 2013, 07:26 Uhr

Schwerin | Mecklenburg-Vorpommerns Bauern machen den Bund reich: Die Verpachtung und der Verkauf des ehemals volkseigenen Bodens und Waldes in MV brachte dem Bund allein seit dem Jahr 2000 mehr als 1,8 Milliarden Euro in die Kasse - die höchsten Einnahmen aller neuen Ländern. Damit steuerten die Landwirte zwischen Boizenburg und Pasewalk 40 Prozent der Gesamteinnahmen im vergangenen Jahrzehnt von bislang 4,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf und der Verpachtung des Staatsackers in den neuen Ländern bei, erklärte Johann Jacob Nagel, Niederlassungschef der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG). In MV seien die größten und hochwertigsten Flächen privatisiert worden - der Grund für den hohen Erlösanteil. Insgesamt nahm die BVVG seit 1992 mehr als 5,2 Milliarden Euro aus dem Privatisierungsgeschäft ein.

Zum Nachteil für die Bauern: Die Milliardenausgaben für den Bodenkauf blockierten Investitionen in neue Technik und Ställe, kritisierte Bauernpräsident Rainer Tietböhl den Bodenverkauf nach Höchstgebot. Zwar habe der Bodenerwerb den Betrieben auch Sicherheit gebracht, ihre Finanzlage aber eher verschlechtert. Mit durchschnittlich 16 116 Euro je Hektar hätten die Preise einen Niveau erreicht, der aus den Ergebnissen der Landbewirtschaftung nicht mehr refinanzierbar sei, erklärte Prof. Fritz Tack, Agrarsprecher der Linken-Landtagsfraktion und kritisierte die "Preistreiberei des Bundes und der BVVG".

Den Landwirten reicht es: Der Bund hätte gut daran getan, das Tafelsilber nicht zu verkaufen und stattdessen auf langfristige Pachteinnahmen zu setzen, erklärte Tietböhl und forderte eine Korrektur der Privatisierungsstrategie des Bundes. Für die noch zum Verkauf verbliebenen 60 000 Hektar zum Verkehrswert müsse ein Verkaufsstopp verhängt werden, sagte Tietböhl. Die Flächen sollten langfristig verpachtet werden oder der Verkauf zumindest zu ortsüblichen Preisen nach Gutachten erfolgen. "Die Privatisierung zu Höchstgeboten ist der falsche Weg", meinte Tack. Er forderte den Bund auf, die restlichen Flächen in Landeshoheit zu übergeben und langfristig an Landwirte zu verpachten. So könnte der Preisanstieg gebremst werden. "Das bringt der öffentlichen Hand am Ende mehr ein als der kurzfristige Verkaufserfolg", so Tack.

Der Bund kann mit weiteren Milliardeneinnahmen rechnen: Groben Schätzungen zufolge bringt der Verkauf der restlichen 267 500 Hektar Acker und 48 700 Hektar Wald in Ostdeutschland noch einmal weit mehr als zwei Milliarden Euro ein.

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