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Proteste in Rostock : Bauern lechzen nach Unterstützung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Milchkrise treibt Landwirte in MV in den Ruin: Am Rande der Agrarministerkonferenz der Länder in Rostock machen sie ihrem Ärger Luft.

von
erstellt am 08.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern reichts endgültig: Die anhaltende Milchkrise treibe die Erzeuger in den finanziellen Ruin. Der Bauernverband spricht von Verlusten in Milliardenhöhe. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, sagt Verbandspräsident Detlef Kurreck – und das nicht nur wortwörtlich, sondern auch symbolisch. Landwirte aus ganz Deutschland protestierten gestern am Rande der Agrarministerkonferenz in Rostock–Warnemünde mit einem Sprung in die Ostsee für eine Politik, die sich „für Bauern einsetzt und deren Stellung im Markt verbessert.“ Derzeit liege der Preis pro Liter Milch bei 25 Cent. „Mit unserer Milchproduktion sind wir schon das ganze Jahr nicht mehr rentabel“, erklärt Karl-Heinz Meissner von der Poseriner Landprodukte Genossenschaft die Konsequenz des Milchpreis-Dumpings. „Diese Preise dienen nur dem Wohlstand der Gesellschaft. Billig wird gekauft“, bedauert er.

In der aktuellen Krise hätten die deutschen Milchbauern zirka vier Milliarden Euro verloren, erklärt Romuald Schaber, Verbandschef des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM). „Der geringste Teil davon kommt in Form von billigen Lebensmitteln bei den Verbrauchern an.“ Die Milliarden würden stattdessen von der Industrie abgeschöpft. Ein gesellschaftlicher Skandal findet Schaber. „Wenn den Bauern das Geld fehlt, fehlt es auch dem gesamten ländlichen Raum.“ Schaber betont: „Die Produktionsmengen müssen runter und die Preise wieder rauf – und zwar europaweit.“ Die Landwirte und Molkereien alleine könnten schon aus unterschiedlichen ökonomischen Interessen zu keiner Einigung kommen. Die Politik sei in der Pflicht, Regeln für Verträge zwischen Milcherzeugern und -produzenten zu definieren. MVs Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) regierte auf die Hilferufe der Bauern mit einem Besuch am Strand. Zwar proklamierte er „Ich bin einer von euch“, baden ging er jedoch nicht. „Ich weiß ganz genau was in der Landwirtschaft los ist. Wenn es so weitergeht, wird es die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland bald nicht mehr geben“, so Backhaus. Er hoffe darauf, dass die Bundesregierung tätig werde. „Die Landwirtschaft muss raus aus ihrer Identitätskrise. Wir müssen an die Gesetze ran und wir brauchen einen neuen Deal mit der Lebensmittelwirtschaft“, erklärt der Minister.

Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben 60 Milchbauern in Mecklenburg-Vorpommern ihren Betrieb geschlossen, weil sie ihre Kosten nicht mehr decken konnten. „Wir halten es nicht mehr aus. Die Konten stehen überall auf rot“, sagt Milchbauer Hans Foldenauer. „Es wird viel von Soforthilfen geredet, aber von sofort haben wir noch nichts gemerkt.“

Eine schnelle finanzielle Hilfe für die Milchbauern wird es vorerst auch nicht geben. Zwar haben Bund und EU 116 Millionen Euro Krisenhilfen zugesagt, doch sei für die Vergabe ein Gesetzgebungsverfahren nötig, erläutert Detlef Kurreck. Mit dem Geld könnten die Bauern in diesem Jahr nicht mehr rechnen.

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