Verband reagiert auf Kritik an Massentierhaltung : Bauern investieren in "Tierwohl"

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In der Diskussion um die Nutztierhaltung in MV hat der Landesbauernverband auf die umfangreichen Investitionen in tiergerechtere Ställe hingewiesen. Diese stoßen allerdings an Grenzen.

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10. Januar 2013, 10:07 Uhr

Rostock | In der Diskussion um die Nutztierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern hat der Landesbauernverband auf die umfangreichen Investitionen in tiergerechtere Ställe hingewiesen. "Unser ureigenes Anliegen als Landwirte ist es, dass wir alles dafür tun, dass es den Tieren gut geht, denn das spare letztendlich Geld", sagte Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl gestern in Benitz bei Rostock mit Blick auf die zunehmende Kritik an der Massentierhaltung.

Allerdings weist er auch darauf hin, dass Weiterentwicklungen bestimmter Standards, wie das im Dezember verabschiedete neue Tierschutzgesetz, auch an Grenzen stoßen. "Wir geben zu bedenken, dass sich ein Mehr an Tierwohl nicht mit der bisherigen Strategie von Billigstpreisen des Lebensmitteleinzelhandels verträgt", sagt der Bauernverbands-Präsident. Er machte zugleich darauf aufmerksam, dass sich die Bundesregierung für gleiche Tierschutz-Standards auf europäischer Ebene einsetzen sollte, so dass Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden .

Darüber hinaus fordert der Bauernverband von Netzbetreibern eine höhere beziehungsweise dauerhafte Entschädigung für den Ausbau der Stromnetze unter der Erdoberfläche. "Bisher sind alle Gespräche mit den Netzbetreibern gescheitert", sagt Rainer Tietböhl.

Der Verband moniert, dass der Netzausbau in Zeiten der Energiewende auch durch Flächen von hiesigen Landwirten verläuft. Bisher gibt es dafür nur eine einmalige, so genannte Dienstbarkeitsentschädigung. "Die liegt bei 10 bis 20 Prozent des Verkehrswertes der Fläche", sagt Rainer Tietböhl. Diese Regelung könne man sich aber angesichts einer Maximalrendite von neun Prozent für die Netzbetreiberunternehmen nicht gefallen lassen.

"Es gibt die Möglichkeit einer einmaligen Entschädigung oder einer jährlichen Entschädigung", sagt der Bauernverbandspräsident. Von Vorteil wäre eine jährliche Entschädigung, also eine wiederkehrende Nutzungsvergütung, da die Flächen auch jährlich genutzt werden. Zu konkreten Zahlen wollte sich Tietböhl noch nicht äußern. Nur so viel: Bei einer Beispielrechnung wurde ein errechneter Verkehrswert von 8000 Euro für einen Hektar Land angesetzt. Davon könnten dann 20 Prozent als Nutzungsvergütung für die Landwirte entfallen.

Kritik von Seiten der Bundesregierung sowie der Netzbetreiber, dass dauerhafte Zahlungen für die Verbraucher nicht tragbar seien, lässt er nicht gelten.

Ein Expertengutachten habe ergeben, dass eine dauerhafte Nutzungsvergütung den Verbraucher nur mit 28 Cent im Jahr belasten würde. "Eine Zigarette ist mit durchschnittlich 25 Cent fast genauso teuer", nennt Tietböhl einen Vergleich. Er bemängelt zudem, dass das von Bundesumweltminister Peter Altmaier eingebrachte Modell einer Bürgerbeteiligung weder bei den privaten Netzbetreiberunternehmen noch beim Bundeswirtschaftsministerium auf Resonanz stößt. Erschwerend komme hinzu, dass sich die Politik aus der Verantwortung zurückziehe. Er erwarte, dass sie bei den Verhandlungen mit den Netzbetreibern moderierend mithilft, zu einer Entscheidung zu kommen, so Tietböhl.

Dennoch bleibt der Bauernverband - auch mit Blick auf die bevorstehenden Verhandlungen über Rahmenvereinbarungen von Netzbetreiberunternehmen und Grundeigentümern - bei seinen Forderungen. "Der Netzausbau kann nur gelingen, wenn man die agrarstrukturellen Belange beim Trassenbau besser berücksichtigt, eine wiederkehrende Nutzungsvergütung einführt und bei Ausgleichspflanzungen keine land- oder forstwirtschaftlichen Flächen in Anspruch nimmt", sagt Rainer Tietböhl.

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