Bauern gegen Preisdiktat

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14. September 2012, 07:57 Uhr

Mühlengeez | Die Preise für Milch, Fleisch und Eier decken heute vielfach nicht die Produktionskosten. Auf dem Landesbauerntag in Mühlengeez haben Erzeuger gestern mit Vertretern von Molkereien und dem Handel über die Preise diskutiert. Die Bauern wollen sie sich nicht länger vom Handel diktieren lassen.

Bauernpräsident Rainer Tietböhl erinnerte die Vermarkter und Genossenschafter an ihre Verantwortung für ihre Mitglieder. "Wir fordern Sie auf, sich nicht gegenseitig zu unterbieten, sondern gemeinsam den höchstmöglichen Preis beim Handel durchzusetzen", sagte Tietböhl vor Hunderten Bauern auf der Agrarmesse MeLa.

Vor allem der Milchpreis erregt die Gemüter: Die Milchbauern in Mecklenburg-Vorpommern erhalten etwa 28 Cent je Liter, sagte Tietböhl. Nötig wären etwa 40 Cent. Hinzu kämen die steigenden Kosten für Energie, Kraftstoff, Düngemittel und Pachten. In diesem Jahr erhöhten sich auch noch die Futterpreise. Während sich die Ackerbauern über hohe Erlöse für Getreide und Raps freuen, erzielen Tierhalter keine kostendeckenden Preise mehr.

Etwa 70 Prozent der Milch in Deutschland wird in genossenschaftlichen Molkereien verarbeitet. Dennoch sei für ihre Mitglieder, die Milchbauern, die Milchpreisbildung unklar. "Wir kriegen, was übrig bleibt", sagte Tietböhl. Dabei müsste es umgekehrt sein, meinte er: Die Bauern müssten sagen, was sie brauchen und so den Preis bestimmen.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) rief die Bauern auf, sich zusammenzuschließen und ihre Erzeugnisse dem Handel gegenüber zu bündeln. "Lebensmittel haben ihren Wert und der muss bezahlt werden", sagte Backhaus während der Podiumsdiskussion auf dem Bauerntag.

Der Geschäftsführer für Landwirtschaft des Deutschen Milchkontors (DMK), Sönke Voss, sieht den Milchpreis wieder steigen. Die Milchmärkte würden sich stabilisieren. Vor Jahren habe das Unternehmen den Bauern 43 Cent je Liter gezahlt, vor drei Jahren nur noch die Hälfte. Ausschlaggebend seien Angebot und Nachfrage: "Das Marktregulativ funktioniert", sagte er. Der Vertreter der handelskette Edeka, Stefan Giese, verwies darauf, dass letztendlich der Verbraucher über den Markt bestimmt.

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