Rügen : Bauern gegen Nord Stream-Pläne

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Auf Rügen sollen Landwirte als Ausgleich für den Bau der Nord Stream 2-Trasse produktives Ackerland in extensives Grünland umwandeln

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08. Mai 2017, 05:00 Uhr

Valerie und Philipp Riedesel bauen auf ihren Äckern im Südosten der Insel Rügen Weizen, Raps, Gerste und Zuckerrüben an. Dass der Pipelinebauer Nord Stream 2 Begehrlichkeiten für 40 Prozent ihrer Flächen hegt, erfuhren die Landwirte Mitte März erst durch eine Information der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern. Nord Stream, Tochterunternehmen des russischen Gaslieferanten Gazprom, will 2018 mit dem Bau der 1200 Kilometer langen Erdgastrasse von Russland nach Deutschland beginnen. Als Kompensation für den Bau der nunmehr schon zweiten Ostsee-Pipeline durch den Greifswalder Bodden ist auf Rügen eine großflächige Renaturierung von 3000 Hektar Land geplant. Darunter sind auch 1200 Hektar wertvoller Ackerboden.

Rund drei Wochen vor Auslegung der Planungsunterlagen wurden Riedesels und ein Dutzend weiterer Bauern darüber informiert. „Das hat uns sehr beunruhigt und unter enormen Zeitdruck gesetzt“, sagt Valerie Riedesel. Bis Ende Mai müssen die Stellungnahmen beim Bergamt Stralsund, der zuständigen Genehmigungsbehörde, eingegangen sein. Fest steht: Die betroffenen Bauern wollen Widerspruch einlegen. „Die Ackerböden auf Rügen sind mit 45 bis 58 Bodenpunkten besonders hochwertig“, sagt Bauer Maik Zielian aus Poseritz. Er und seine Kollegen seien nicht bereit, für 25 Jahre Dienstbarkeiten zur Grünland-Umwandlung eintragen zu lassen.

Unterstützung erhoffen sich die Landwirte vom Kreistag, der heute zusammenkommt. Das vom Bauernverband dominierte Bündnis Vorpommern-Rügen will, dass der Kreis im Genehmigungsverfahren alternative Kompensationsmaßnahmen auf geringerwertigen Böden durchsetzt, für die bereits das Einverständnis oder sogar Ökokonten vorlägen. Das Problem: Diese Flächen liegen nicht in der Nähe des Pipelinebaus.

Nord Stream 2 erklärt, die Alternativprojekte geprüft zu haben. Man sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Maßnahmen weniger wirkungsvoll als die auf Rügen geplanten seien, sagt Nord Stream-Sprecher Steffen Ebert. Mit der Umwandlung intensiv genutzter Agrarflächen in Grünland, Teilwiedervernässungen und der Umwandlung von Flächen in Naturwald auf Rügen könne der schädliche Eintrag von Nährstoffen in den geschützten Greifswalder Bodden minimiert werden.

Die Landwirte auf Rügen fürchten indes um ihre Existenz. „Auf der Insel wird der Druck auf Landwirte immer größer“, sagt Bündnis- Fraktionschef Manfred Möller. Die nun vom Nord Stream 2-Projekt betroffenen Bauern verweisen auf den Paragrafen 15 im Bundesnaturschutzgesetz. Demnach dürfen „für die landwirtschaftliche Nutzung besonders geeignete Böden nur im notwendigen Umfang“ in Anspruch genommen werden. Das Vorgehen von Nord Stream sei ein Novum. „Es ist das erste Mal, dass Ackerflächen in so großem Stile umgewidmet werden sollen“, sagt Bauer Zielian. Auf Geldzahlungen durch den Pipeline-Bauer wollen sich die Landwirte nicht einlassen. „Wir wollen über Generationen auf Rügen Landwirtschaft betreiben“, stellt Zielian klar. Auch Riedesels schließen einen Deal mit Nord Stream aus. „Wir machen Landwirtschaft, um Wertschöpfung zu erzielen und nicht, um von Subventionen zu leben.“

Nord Stream hingegen setzt weiter auf Rügen: „Wir sind zuversichtlich, dass wir zusammen mit den betroffenen Eigentümern und Pächtern in einem sachlichen und konstruktiven Dialog Lösungen finden werden“, so Ebert.

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