zur Navigation springen

Rainer Tietböhl bleibt Bauernpräsident : Bauern gegen Mindestlohn

vom

Die Landwirte in MV stellen sich gegen die von der Landesregierung an die Zahlung von Mindestlöhnen geplante Wirtschaftsförderung. Wer gute Leute haben wolle, müsse gute Löhne zahlen, so Bauernpräsident Rainer Tietböhl.

svz.de von
erstellt am 22.Mär.2012 | 08:53 Uhr

Krakow | Lohnzurückhaltung auf dem Bauernhof: Die Landwirte in MV stellen sich gegen die von der Landesregierung an die Zahlung von Mindestlöhnen geplante Wirtschaftsförderung. Wer gute Leute haben wolle, müsse gute Löhne zahlen, lehnte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gestern am Rande des Wahlbauerntages in Linstow bei Krakow die Einmischung des Staates ab. Der 59-Jährige wurde gestern von den 129 Delegierten mit 89,9 Prozent der Stimmen nach zwei Amtsperioden für die nächsten vier Jahre erneut an die Spitze des Verbandes gewählt. Auch die bisherigen Vorstandsmitglieder Marco Gem balla aus Zinsow (Vorpommern-Greifswald) und Detlef Kurreck aus Körchow (Landkreis Rostock) wurden wiedergewählt. Neu an die Verbandsspitze rückte Gerd Göldnitz (60) aus Lübesse (Ludwigslust-Parchim). Die Löhne hätten die Tarifpartner, nicht aber die Politik zu verteilen, kündigte auch Vorstand Gem balla Widerstand gegen die Mindestlohnregelung an.

Ohnehin haben die Bauern mit dem neuen Förderkurs des Landes ein Problem: Die von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) zu Wochenbeginn reduzierten Investitionsbeihilfen führten zu Wettbewerbsverzerrungen, lehnte Tietböhl erneut Kürzungen ab. Jahrelang habe das Land die Bauern ermutigt in die Veredlungswirtschaft zu investieren, nun aber würden "mitten im Rennen" neue Anlagen für einzelne Tierarten nicht mehr gefördert. "Das ist keine verlässliche Politik", sagte Tietböhl. Backhaus hatte nach der Debatte um den überhöhten Medikamenteneinsatz in Geflügelbeständen die Investitionsförderung gestrafft, konventionelle Geflügel- und Schweinehaltung von der Finanzhilfe ausgeschlossen und Beihilfen u. a. an tierartgerechtere Haltungsbedingungen gekoppelt. Wenn die Bauern "die Tiere wie Haustiere halten würden, gibt es morgen nichts mehr zu essen", verwies Tietböhl auf in den vergangenen Jahren mit Millionenaufwand verbesserte Haltungsbedingungen in den Ställen in MV. "Hühner und Schweine lassen sich nicht halten wie Kanarienvögel." Der neue Fördererlaß werde jedenfalls nicht dazu führen, dass die Tiere gesünder würden, meinte der Bauernpräsident. Er gehe davon aus, dass die Förderrichtlinie noch nachgebessert werde.

Danach sieht es bislang nicht aus: Backhaus verteidigte gestern seinen neuen Förderkurs. In der Landwirtschaft müsse sich "Qualität gegen Quantität durchsetzen", meinte er. Es müsse Schluss sein mit "einer Förderung, die wie in den letzten Jahrzehnten nahezu blind einer Wachstumsphilosophie hinterherläuft". Die Bauern wären gut beraten, selbst aktiv zu werden. Die Landwirtschaft müsse sich "selbst verändern". Wenn sie dazu nicht bereit sei, verliere sie den Anschluss, meinte Backhaus: "Eine Vogel-Strauß-Politik hilft nicht weiter", sagte er mit Blick auf die Kritik aus den Reihen des Bauernverbandes. Die neuen Förderkriterien führten keineswegs zu Wettbewerbsverzerrungen. Vielmehr soll die Investitionsförderung von den bislang 96 Millionen um 30 Millionen Euro bis 2013 aufgestockt werden, kündigte er an und machte den Bauern wie zur Versöhnung auf dem Wahlbauerntag noch ein weiteres Geschenk: Ab sofort könnten Landwirte, die nach dem verregneten Sommer 2011 durch Nässeschäden mehr als 30 Prozent Ertragsausfall hatten, Finanzhilfe beantragen: 250 Euro je Hektar für die Neuansaat von Grünland.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen