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Bauern fordern Ausgleich für Polder-Überflutungen

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erstellt am 25.Jun.2013 | 10:11 Uhr

Rathenow/Potsdam | "Man hat uns geopfert, damit Wittenberge nicht absäuft." Thomas Hilgert klingt am Telefon verbittert. Der Landwirt aus Groß Derschau bei Rathenow gehört zu jenen Brandenburger Bauern, deren Flächen in den Havelpoldern liegen. Diese künstlich angelegten Überschwemmungsflächen waren während des Elbhochwassers geflutet worden, um elbabwärts den Druck von den Deichen zu nehmen. Doch wie die anderen Flutopfer auch, soll Thomas Hilgert nun nur 50 Prozent seiner Schäden erstattet bekommen. "Ich habe 130 Hektar Acker und 113 Hektar Grünland, die betroffen sind", so Hilgert. "Der Schaden beträgt gut 250 000 Euro."

Doch im Potsdamer Landwirtschaftsministerium weist Sprecher Jens-Uwe Schade die Vorwürfe zurück. "Es gab bislang nie 100 Prozent Entschädigung für Hochwasserschäden", sagt Schade. "Das war 1997 nicht so, und das ist auch 2002 nicht so gewesen." Ähnlich hatte schon am Wochenende Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger argumentiert.

Auf Kritik stoßen diese Äußerungen beim Bauernbund, dem vorwiegend mittelständische Betriebe angehören. Die Ankündigung des Landwirtschaftsministers sei eine "bodenlose Frechheit", so Bauernbund-Vorstandsmitglied Lutz Wercham. "Die gezielt herbeigeführte Überflutung landwirtschaftlicher Nutzflächen ist keine Naturkatastrophe, sondern eindeutig eine Maßnahme des Katastrophenschutzes." Der Bauernbund wolle die Nowendigkeit der Flutung nicht in Frage stellen. Doch die Kosten dürften nicht einzelnen Landwirten aufgebürdet werden: "Das wäre so, als wenn das Land im Baumarkt Sandsäcke besorgt und an der Kasse erklärt, dass es später vielleicht mal die Hälfte bezahlt."

"Die Landwirte der Havelregion haben mit der Flutung ihrer Flächen Schlimmeres für andere Elbanlieger verhindert", sagt dagegen der Fraktionsvorsitzende der oppositionellen CDU, Dieter Dombrowski. "Es kann nicht sein, dass sie jetzt dafür bestraft werden." Die Landesregierung habe nach dem Hochwasser schnelle Hilfe angekündigt. Daran muss sie sich messen lassen. Der betroffene Landwirt Thomas Hilgert indes rechnet nach der Flutwelle mit einer Klagewelle gegen das Land. Denn das Gesetz über die Flutung der Havelpolder spreche durchaus von einem Ausgleich der Schäden, so Hilgert. "Wenn Deiche absichtlich geöffnet werden, müssen die daraus entstandenen Schäden zu 100 Prozent erstattet werden."

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