Verbandstag in Linstow : Bauern ackern für sichere Zukunft

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bietet den Landwirten einen Dialog an.
Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bietet den Landwirten einen Dialog an.

Bezahlbarer Boden und verlässliche Regeln: Beim Verbandstag in Linstow stellten die Landwirte klare Forderungen an die Politik

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05. April 2018, 21:00 Uhr

Die Liste der Sorgen der Landwirte ist lang. Sie wird in den kommenden Monaten wohl wachsen. Schlechtes Wetter. Steigende Bodenpreise. Ferkel-Kastrationsvorschriften. Sinkende Milch- und Getreidepreise. Das waren einige der Schlagwörter, die gestern beim Bauerntag des Landesbauernverbandes in Linstow für Zündstoff sorgten. Hinzu kam eine Debatte über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020. Dafür hatte sich der Verband Werner Schwarz, den Vize-Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes und Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, eingeladen. Auch Landesbauernpräsident Detlef Kurreck und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hatten reichlich Ideen und Vorschläge für die mehr als 150 anwesenden Bauern im Gepäck, um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen. Ein sicheres Einkommen für die Bauern, deren Familien und alle in der Landwirtschaft Beschäftigten solle oberste Priorität haben. Grundlage für alle Diskussionen sei der Bodenpreis. Steige dieser weiter, so Detlef Kurreck, würden immer mehr überlegen, ob sie aufgeben.

Aber nicht nur sinkende Preise für Getreide, Milch und Fleisch treiben den Bauern die Sorgen auf die Stirn: „Alle, die sich für die Landwirtschaft entschieden haben, die wollen auf den Acker und nicht auf Bürostühlen vergammeln“, so der Landesbauernpräsident.

Doch auch für Selbstkritik blieb Platz. So rief Kurreck die Landwirte auf, noch mehr mit dem Verbraucher zu kommunizieren: „Wir müssen lernen zuzuhören. Und bereits Erklärtes zur Not noch einmal erläutern.“ Auch der Verband selbst habe investiert, ein Info-Mobil angeschafft, eine neu gestaltete Homepage, Plakat-Kampagnen ins Leben gerufen und will künftig noch mehr Mitstreiter für den Tag des offenen Hofes finden.

Die Entwicklung, dass immer mehr Betriebe nicht mehr von Einheimischen bewirtschaftet werden, macht Detlef Kurreck Sorgen. Nach einer Studie des Thünen-Instituts sind im Nordosten 41 Prozent der Betriebe und 34 Prozent der Fläche bereits in Großinvestoren-Hand. 20 Prozent seien sogar in nicht-landwirtschaftlich geprägte Hände übergegangen. Ganz klar sprach der Präsident sich gegen eine zu starke Einmischung der Politik aus: „Für postkommunistische Entmachtungsfantasien lässt das Grundgesetz keinen Platz“, wandte er sich an den Landwirtschaftsminister und nahm einer entsprechenden Reaktion von Backhaus bereits verbal den Wind aus den Segeln: „Es interessiert die deutsche Eiche nicht, wer sich an ihr schubbert“.

Und beim Thema Agrarstruktursicherungsgesetz fand er ebenso klare Worte: „Der Bauernverband will nichts blockieren, doch seit einem Jahr gibt es keinen neuen Stand“, so Kurreck. Etwas optimistisch blickte er aber auf den Koalitionsvertrag: Dort sei die Rede von Neujustierung. „Das bedeutet, der erste Schuss ging in die Wicken. Also wir sind für Neujustierung zu haben“, erklärte er. Nach langen Diskussionen zur Gemeinsamen Agrarpolitik war nur eines klar: Es gibt noch reichlich Redebedarf.

Überlegungen von Großbetrieben, die geplante Förderrichtlinie und Zuschläge für Umweltmaßnahmen nicht zu nutzen und sich lediglich an die gesetzlichen Grundlagen zu halten, sorgten bei Backhaus für großen Unmut: „Dann werden wir darüber nachdenken, ob das Ordnungsrecht nachjustiert werden muss“, kündigte der Agrarminister Daumenschrauben an.

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