Bauarbeiten verhindern Erdrutsch

Spezialarbeiten: Tiefbauarbeiter  Heiko Wienholz (l.) und Dirk Steffenhagen (r.) leiten  Hüllrohre und Stahlträger in den Boden, Freiräume werden mit Zementsand aufgefüllt. Bauleiter Fabian Voll verfolgt die Arbeiten.
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Spezialarbeiten: Tiefbauarbeiter Heiko Wienholz (l.) und Dirk Steffenhagen (r.) leiten Hüllrohre und Stahlträger in den Boden, Freiräume werden mit Zementsand aufgefüllt. Bauleiter Fabian Voll verfolgt die Arbeiten.

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22. Mai 2012, 09:26 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Inmitten der Stadt, von den Wallanlagen bis zum Grünen Tor, verläuft unterirdisch in 13 Metern Tiefe ein jahrhundertealter Graben, der einzusacken droht, wenn nichts unternommen wird. Das Umweltamt der Hansestadt sowie der Wasser- und Bodenverband haben hochkomplexe Baumaßnahmen eingeleitet, um den Bereich zu stabilisieren und ein Nachsacken der Erde gerade auch im Bereich unter den Straßenbahnschienen zu verhindern. "Es besteht höchste Sicherheitsstufe für die gesamte Maßnahme", sagt Bauleiter Fabian Voll von der Firma BDC. Zusammen mit dem Umweltamt und dem Bodenverband hat er die Statik geprüft und die Arbeiten genauestens geplant.

Statik kann jederzeit versagen

In mehreren Monaten ersetzen Arbeiter von zehn Firmen ein mehr als 100 Jahre altes Entwässerungsrohr aus Beton, das in dem Graben liegt. Es zieht sich über eine Distanz von 460 Metern von den Wallanlagen bis zum Grünen Tor, hat einen Durchmesser von 1,5 Metern und eine Wandstärke von sieben bis acht Zentimetern. Teilweise mit Begehungen in großer Tiefe und mit hochentwickelter Technologie haben sich die Männer einen Eindruck vom alten Rohrsystem gemacht. "Vom Zustand her, der durch eine Kamera erkannt wurde, war klar: Keiner kann sagen, wann die Statik versagen wird", sagt Dr. Andreas Neupert, Leiter der Abteilung Wasser und Boden beim Umweltamt. Das einst runde Rohr war schon völlig unförmig eingedrückt. Es bestand die Überlegung, die gesamten 460 Meter Grabenlänge freizulegen und so am Rohrsystem zu arbeiten.

Aber die Einschränkungen für den Verkehr in der Rostocker Innenstadt wären enorm geworden. Jetzt werden über die Strecke vier fünf Meter breite Baugruben geschaffen. Spezialtiefbauarbeiter schaffen tiefe Löcher, lassen 20 Meter lange Stahlträger in die Erde ein, festigen sie mit Sandzement. Mit zusätzlichen Holzbohlen, die zwischen den Stahlträgern in Handarbeit angebracht werden, und dem Einsatz von Hydraulikbaggern entstehen die Baugruben. "Wir versuchen dann 800er-Rohre einzusetzen", sagt Heike Just, Geschäftsführerin vom Wasser- und Bodenverband. Bei allen Arbeiten am Graben ist der Munitionsbergungsdienst vor Ort. "Die stehen wirklich jeden Tag neben dem Bagger", sagt Voll. Sie prüfen Gegenstände aus Metall, auf die die Baggerführer stoßen.

Geralf Gössler, Bauleiter der Firma Groth, und seine Männer setzen das Projekt um, wechseln ein neues langes Rohr mit 80 Zentimetern Durchmesser ein. Aus den Gruben entstehen Schächte aus Glasfaserkunststoff, mit denen das System auch später zugänglich ist. "Das ist eine echte Reserve", sagt Neupert. Das neue Rohr könnte über einen Stichkanal mit anderen Rohrsystemen etwa aus der Südstadt oder vom Glatten Aal verbunden werden, wenn Niederschläge sich dort zu stauen drohen. "Gerade fließt nur ein Rinnsal durch das alte Rohr", sagt Voll. Je nach Niederschlägen wird es auch stärker gefüllt sein. "Durch die Ereignisse der Überschwemmungen im letzten Jahr ist klar geworden, dass man in den Entwässerungsausbau investieren muss", sagt Neupert. Das Land, genauer das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg, fördert die Bauarbeiten zu 70 Prozent. Maximal zwei Millionen Euro will es übernehmen. Die übrigen 30 Prozent kommen als Eigenanteil von der Stadt. "Wir hoffen, dass wir nicht teurer werden", sagt Heike Just. Bis voraussichtlich Ende des Jahres sollen die Arbeiten fertig sein.

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