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Prozess um Schlägerei im Rocker-Milieu : Baseballschläger und Schirm

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zeugen erkennen nicht alle mutmaßlichen Täter, Angeklagte schweigen

Im Prozess wegen gemeinschaflicher gefährlicher Körperverletzung am Landgericht Neubrandenburg schweigen die Angeklagten. Die 24 bis 28 Jahre alten Angeklagten sollen für einen Überfall auf eine Feier mit 60 bis 70 Menschen im August 2011 in Krukow bei Penzlin verantwortlich sein. Mehrere Zeugen berichteten gestern zum Prozessauftakt vor Gericht nur von zwei kleineren Zusammenstößen, deren Anlass sei aber unklar geblieben. Der Veranstalter der Feier erkannte nur den 28-jährigen ältesten Angeklagten wieder, der ihm als „gewaltbereit“ angekündigt worden sei, den er aber nicht direkt bei Taten gesehen habe.

Wie Staatsanwalt Frank Schlößner erklärte, war der 28-Jährige aus der Gruppe, die dem Rocker-Milieu der Mecklenburgischen Seenplatte zugerechnet wurde, auf der Feier mit Gästen in Streit geraten. Per Telefon rief er fünf Bekannte, von denen die beiden 24 und 25 Jahre alten Hauptangeklagten mit Baseballschläger und einem Regenschirm angerückt seien und auf zwei Geschädigte mehrfach eingeschlagen und getreten haben sollen.

Die anderen aus der Gruppe hätten das Duo abgeschirmt, sagte Schlößner. Die Opfer erlitten Platzwunden und Prellungen, einer der Männer war zeitweise bewusstlos. Beide wurden medizinisch versorgt, haben nach eigenen Angaben aber keine Folgeschäden. „Ich bekam einen Schlag mit einem Baseballschläger, dann weiß ich nicht mehr viel“, sagte ein 27-jähriger Geschädigter.

Der Verteidiger des 25-jährigen Hauptangeklagten zweifelte zu Beginn zudem die Zuständigkeit des Landgerichtes an. Das Verfahren hätte auch vor einem Amtsgericht stattfinden können, sagte Anwalt Peter Schmidt. Nun werde den Angeklagten eine Beschwerdeinstanz genommen.

Die Kammer wies den Antrag zurück. Schmidt nannte die Anklage auch „unschlüssig“. Wären die Angriffe wirklich so massiv gewesen, wie in der Anklage geschildert, hätten die Opfer an den Folgen sterben müssen, behauptete der Jurist.  Einige der Angeklagten wurden damals den Mongols MC zugerechnet, den es inzwischen in Neubrandenburg nicht mehr geben soll. Die Mongols sollen sich 2012/2013 mit Drogenhandel befasst, mehrfach Rauschgift aus Bremen geholt und in der Region weiterverkauft haben. Sie waren aufgeflogen. Die Urteile des damaligen Prozesses, darunter eine Haftstrafe für einen der jetzt ebenfalls Angeklagten, fielen im April 2015. Auch dabei schwiegen die Verurteilten beharrlich, erhielten aber trotzdem Haft- und Bewährungsstrafen. Sie sind aber noch nicht rechtskräftig.

Der Prozess wird am 5. November fortgesetzt. So sollen noch weitere Gäste der Feier als Zeugen und Polizisten gehört werden. Ein Urteil wird frühestens für den 12. November erwartet.

 

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