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Rollentausch zum Frauentag : Bartsch versucht sich als "Erzieherin"

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Entspannt lehnt sich die Erzieherin zurück, lauscht mit ihren Vorschulkindern zwischen Decken und Kissen der Stimme von Dietmar Bartsch. Der Bundestagsabgeordnete übernimmt für einen Vormittag ihre Aufgaben.

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erstellt am 09.Mär.2012 | 10:51 Uhr

Hagenow | Rollentausch zum Frauentag: Entspannt lehnt sich Erzieherin Christel Klemke zurück, kuschelt sich mit ihren Vorschulkindern zwischen die Decken und Kissen und lauscht genauso der Stimme von Dietmar Bartsch wie ihre Schützlinge. Der Bundestagsabgeordnete (Die Linke) übernimmt für einen Vormittag ihre Aufgaben. Mit Jacket, Hemd und blauer Jeans sitzt er vor den Kindern, liest aus der Frühlingsgeschichte "Der Star im Apfelbaum" vor. Seine tiefe Stimme beruhigt, lässt die Mädchen und Jungen kurz vor dem Mittagessen in eine Märchenwelt versinken. "Ihr hört ja besser zu, als es die Leute sonst tun", sagt der Politiker überrascht. Wenn das mal so im Bundestag sein würde, scherzt er weiter. "Dann nehmen Sie doch das Buch einfach mit", schlägt Kita-Leiterin Karin Lockau vor. Alle lachen.

Abstecher in typische Frauenberufe

Der Abstecher in typische Frauenberufe ist nicht sein erster. Er gesteht, "es ist kein leichter Job. Trubel, es gibt auch mal Konflikte, die man händeln muss." Bartsch ist selbst Vater von zwei Kindern, und bald auch Großvater. Und auch, wenn er Respekt vor dem Erzieherberuf hat, finde er sich in die Rolle. "Mit den Älteren kann man ja schon gut erzählen."

Ein Mann zwischen 37 Erzieherinnen und acht technischen Mitarbeiterinnen - das sei in jedem Fall eine Bereicherung für das Team, so Leiterin Karin Lockau, die damit nicht vorrangig den Aushilfserzieher Bartsch meint. Ihr Wunsch: Das Team soll bald von Sven Klünder verstärkt werden. Der angehende Erzieher absolviert gerade ein Praktikum in ihrem Haus und gehe sehr einfühlsam mit den Kindern um. "Vor allem den Jungs bietet er einen ganz anderen Zugang", erklärt die Pädagogin. Und das sei zunehmend wichtig in der von Frauen dominierten Branche. Weil es mittlerweile viele alleinstehende Mütter gebe, wo der Vater als Bezugsperson fehle.

Während die Erwachsenen sich ins Gespräch vertiefen, gehen die Kinder in ihren Raum zurück, um sich aufs Essen vorzubereiten. Sie kennen ihren Rhythmus. "Aber erst aufräumen, dann Händewaschen", sagt Erzieherin Christel Klemke, die in ihrer Rolle bleibt. "Wer fertig ist, setzt sich hin."

Bartsch ist immer noch im Leseraum, und hat seine Schützlinge dabei nicht im Blick. Als er sich wieder seiner Testaufgabe widmen möchte, spielen immer-noch einige Jungs in der Ecke. "Setzt euch bitte hin", ermahnt stattdessen Christel Lemke. Dietmar Bartsch füllt derweil die Kartoffeln in die Schüsseln. "So bitte", sagt er und reicht sie zu Paulina. Ein prüfender Blick der Erzieherin, "das ist nicht genug", so Christel Klemke.

Zehn Jungs und sieben Mädchen mit Essen zu versorgen, sei für die Pädagogin kein Problem. "Sie sind ja schon sehr selbstständig." Der Abgeordnete Bartsch füllt weiter Kartoffeln und Mischgemüse auf. Christel Klemke kümmert sich um die Bratwürste. Ob Bartsch das auch alleine gekonnt hätte? "Klar. Ich darf ja aber nicht", sagt er und lacht. Die Frage, ob er den Job länger tauschen würde, beantwortet er nicht ganz eindeutig. "Für den Moment gesehen, ist dieser Beruf sicher schöner als meiner." Dass damit allerdings mehr verbunden ist, als nur vorlesen oder malen, sei ihm natürlich bewusst.

Erzieherin würde nicht dauerhaft tauschen

Während Christel Klemke ihre Kinder im Blick behält, tippt Bartsch auf seinem Handy rum. Die Pädagogin möchte ihren Posten auf keinen Fall dauerhaft hergeben. "Ich bin einfach gerne Erzieherin." Und weil auch ihre Chefin Karin Lockau weiß, dass ihre Mitarbeiterinnen "einen guten Job machen", ist ihr der Frauentag auch immer noch so wichtig. "Es ist ein Tag, um die Frauen zu ehren, und mir ist wichtig, dass meine Kollegen die Anerkennung bekommen." Als Dank soll es deshalb nicht nur beim gestrigen Schlemmerbuffet bleiben. Der Frauentag vom Matroschka-Team wird nochmal am 23. März richtig groß gefeiert.


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