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Bartsch lehnt SPD-Angebot ab und bleibt Linken treu

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erstellt am 18.Jan.2010 | 06:40 Uhr

Rostock/Schwerin | Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, will sich ungeachtet seines Rückzugs vom Amt intensiv in die Programm-Debatte der Linken einmischen. Das kündigte er am Samstag auf der Landesvorstandssitzung der Linken in Rostock an. Bartsch sitzt für den Wahlkreis Schwerin-Ludwigslust im Bundestag. Zum Angebot der SPD an Bartsch, ihm politisches Asyl zu gewähren, stellte er klar, dass er seine politische Heimat in der Linken sehe. Das Angebot sei völlig indiskutabel.

Der Landeschef der Linken in MV, Steffen Bockhahn, sagte, der Landesvorstand fordere den geschäftsführenden Vorstand der Bundespartei auf, sich wieder inhaltlichen Dingen zuzuwenden und wie versprochen bis Februar/März einen neuen Programmentwurf vorzulegen. Die Partei brauche jetzt eine Programm- und Strategiedebatte. "Auf dem Weg zu einer einheitlichen Linken haben wir noch ein Stück vor uns", gab Bockhahn zu. So müsse sich die Linke darüber klar werden, ob sie eine reine Oppositionspartei sein wolle oder ob sie eine Regierungsbeteiligung nicht ausschließe. Bockhahn sprach sich für eine Linke als "pragmatische Volkspartei" aus.

Bockhahn hatte dem linken Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi illoyales Verhalten vorgeworfen. Er verstehe das Verhalten Gysis gegenüber Bundesgeschäftsführer Bartsch nicht. Bartsch hatte am Freitag angekündigt, beim Bundesparteitag im Mai in Rostock nicht wieder anzutreten. Bockhahn sagte, Bartsch habe Gysi lange Zeit den Rücken freigehalten. "Ich kann keine Illoyalität von Dietmar Bartsch gegenüber der Linken erkennen."

Gysi hatte seinen langjährigen politischen Weggefährten Bartsch am vergangenen Montag auf einer Klausurtagung der Linke-Bundestagsfraktion scharf attackiert. Bartsch habe sich gegenüber dem erkrankten Parteichef Oskar Lafontaine nicht loyal verhalten und das Vertrauen beschädigt. Bockhahn äußerte sein Unverständnis zu der Äußerung Gysis. Er habe der stellvertretenden Parteivorsitzenden Halina Wawzyniak wenig hinzuzufügen, die das Verhalten des Fraktionschefs als "nicht die klügste politische Leistung von Gysi" bezeichnet hatte. Gysi selbst habe sich damit keinen großen Gefallen getan, was seinen Rückhalt im Osten angehe, meinte Bockhahn. Wichtig wäre, dass man sich gegenseitig bis aufs Letzte vertraut. "Das ist enorm wichtig für eine gesamtdeutsche Partei", sagte er. Bockhahn lobte Bartsch, er habe seine Aufgaben als Bundesgeschäftsführer "ganz großartig" gelöst. "Insofern halte ich seinen Rückzug erst mal für einen großen Verlust." Nun müsse sich die Partei Gedanken machen, wer ein geeigneter Kandidat für das Amt des Bundesgeschäftsführers ist. "Und wie gesagt, ich würde einfach gern wissen, ob wir auch einen neuen Vorsitzenden brauchen oder nicht", sagte Bockhahn. "Ich wünsche mir nach wie vor, dass Oskar Lafontaine in dieser Position weitermacht." Allerdings sei es "mit 67" absehbar, "dass es nicht mehr sehr lange Oskar Lafontaine sein würde, wenn er denn weitermacht."

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