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Cocktailmeisterschaft in Göhren-Lebbin : Barkeeper als Psychologen

vom
Aus der Onlineredaktion

33. Cocktailmeisterschaft endete am Dienstag in Mecklenburg-Vorpommern

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Wie mixt man einen Cocktail der Liebe? Die Antwort gab heute Katja Schirmer bei der Deutschen Cocktailmeisterschaft im Schlosshotel Fleesensee bei Waren an der Müritz: Man nehme einen siebenjährigen Havanna-Club-Rum, etwas Basilikum und Mandarine und dazu asiatisches Yuzo-Püree und mixe alles zusammen mit einem Riesling. Das ganze verziere man mit Orchideenblüten. Fertig.

Katja Schirmer aus Leipzig will sich mit einem Cocktail der Liebe an die Spitze schütteln.
Katja Schirmer aus Leipzig Foto: Lisa Kleinpeter

„Die Liebe ist die Antwort auf alles“ heißt der Cocktail von Katja Schirmer, um genau zu sein. Mit ihm kämpfte die Leipzigerin bis spät in die Nacht gegen 24 Kontrahenten um den Titel des besten Barkeepers. Zum 33. Mal versammelte die Deutsche Barkeeper Union für den Wettkampf die Größen aus der Barszene.

Am Ende reichte es nur für den dritten Platz. Deutschlands bester Barkeeper des Jahres heißt Paul Thompson und kommt aus Köln.

<p>Paul Thompson aus Köln im Finale</p>

Paul Thompson aus Köln im Finale

Foto: Veranstalter
 

Er habe die Jury mit seiner Drinkkreation «Don’t call it Buttermilk» («Nenn' es nicht Buttermilch») und seiner Bühnenpräsenz überzeugt. Zweiter wurde Martin Kramer aus Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Alle Impressionen der Deutschen Cocktail Meisterschaft in Göhren-Lebbin finden Sie in unserer Bildergalerie.

Sekt gegen kreative Blockaden

Kurz bevor sie dran ist, ist Schirmer noch ganz ruhig. Seit 17 Jahren steht die 37-Jährige bereits hinter dem Tresen. An Wettbewerben hätte sie schon oft teilgenommen. Noch einmal geht sie die genaue Rezeptur und den Ablauf durch. „Es ist nicht nur der Drink, den ich präsentiere, sondern auch das Gefühl, die Leidenschaft. Die möchte ich gerne weitergeben“, sagt sie.

Wenn Schirmer in ihrer „Kreativen Cocktail-Werkstatt“ in Leipzig einen Drink kreiert, so sei der immer einzigartig und auf jeden Kunden angepasst. Dazu unterhält sie sich im Vorfeld mit der Person, analysiert deren Chakren, also die Energiezentren und stimmt daraufhin ihre Rezeptur ab. Wer zum Beispiel die Bodenhaftung im Leben verloren hätte, dem empfiehlt sie einen Brandy, wer sich mehr Kreativität wünscht, einen Sekt. „Wenn du die richtige Zusammensetzung trinkst, passiert etwas in dir. Bis hin zum Lösen von Blockaden oder Verstärken der Liebe“, meint sie. Ihre Arbeit vergleicht sie selbst mit der eines Psychologen.

Mixgetränke haben sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Massenphänomen entwickelt. Ständig werden neue Cocktails entwickelt. Die Rezepte werden immer ausgefallener. Ob Knoblauch, Kaffee oder Chili – alles hat es schon einmal gegeben. Wer gegenwärtig in der Barszene nicht nur überzeugen, sondern auch hervorstechen will, braucht mehr als nur einen hervorragenden Drink, meint auch Mohammad Nazzal von der Deutschen Barkeeper Union. „Der Drink macht am Ende nur 5 Prozent aus. Die restlichen 95 Prozent sind das Drumherum, das ich schaffe“, sagt Nazzal.

Bei dem Wettkampf stehe daher seit vier Jahren nicht mehr der „Meistercocktail“ im Vordergrund. Gekürt wird, wer als Allround-Talent mit 360-Grad-Orientierung überzeugen kann. „Ein guter Barkeeper muss ein guter Gastgeber sein“, meint Nazzal. „Er verkauft Emotionen und die helfen, den Geschmack anders wahrzunehmen. Er muss es schaffen, den Kunden in eine andere Welt zu entführen.“

Mojito in 30 Sekunden

Der Trend gehe weg von ausgefallenen Rezepten und Präsentation hin zu Hintergrund-, Produkt- und Gastgeberwissen. Doch auch die Technik, die Sauberkeit und natürlich der Geschmack des Getränks werden von der vierköpfigen Jury bewertet. In der Nebendisziplin „Speed and tast“ geht es dann um Schnelligkeit. In zweieinhalb Minuten müssen die Teilnehmer vier vorgegebene Cocktails mixen sowie ein Hefeweizen zapfen. Für einen klassischen Mojito bräuchte ein Profi nicht mehr als 30 Sekunden.

Neu bei den Meisterschaften ist in diesem Jahr eine Auswahl an Workshops, bei denen bekannte Barkeeper ihr Wissen weitergeben. So können die Teilnehmer zum Beispiel lernen, wie man seine Kunden mit dem Jonglieren von Flaschen beeindruckt oder wie man eine Bar ökonomisch sinnvoll einrichtet.

Katja Schirmer hat für die Workshops gerade kein Ohr. In wenigen Minuten muss sie vor die Jury treten. Ihr Liebes-Cocktail würde alle Chakren ansprechen, sagt sie. Wie wird die Jury ihrer Meinung nach auf das Getränk reagieren? „Das kann ich nicht einschätzen“, meint sie. „Auf jeden wirkt ein Cocktail anders.“

 
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