zur Navigation springen

Von MV in die Schweiz : Barfuß zum Weltrekord

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von MV in die Schweiz: In 86 Tagen ist Aldo Berti 2120 Kilometer auf nackten Sohlen marschiert

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2017 | 06:25 Uhr

Splitter, Blasen, Schrunden: Nach einem Gewaltmarsch auf nackten Füßen über mehr als 2000 Kilometer ist Barfußläufer Aldo Berti am Sonnabend am Kloster Einsiedeln in der Schweiz eingetroffen. Der 53-Jährige habe öfter gezweifelt, ob er es überhaupt schaffe. Deshalb sei er zwar erschöpft, aber zufrieden: „Ab und zu kommt fast eine Träne.“

Der Psychotherapeut aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald war im Mai in Sassnitz auf Rügen losgegangen, mit dem Ziel, den Weltrekord des Iren Eamon Keavenen im Barfußlaufen zu übertreffen (wir berichteten). Der war 2016 in 104 Tagen 2080 Kilometer gelaufen. Den 2081. Kilometer habe er am Donnerstag in Sirnach rund 50 Kilometer südlich von Konstanz angetreten, berichtet Berti. Seine Gesamtstrecke liege bei mehr als 2110 Kilometern. Er habe seine Wanderung mit GPS-Daten aufgezeichnet.

Schummeln gehe dabei nicht. „Barfußgehen und Barfußlaufen sind die natürlichsten Formen der Fortbewegung des Menschen“, sagt der frühere Leitathlet und Orthopäde Thomas Wessinghage. Ungeübte müssten ihre Füße aber langsam daran gewöhnen, um die Haut wiederstandfähig zu machen.

Barfußlaufen geht ins Genick: Der Blick müsse immer auf den Boden gerichtet sein, erklärt Berti, „man muss ja sehen, wo man hintritt.“ Dennoch habe er sich immer wieder verletzt, und sich an manchen Tagen auf heißem Asphalt Brandblasen zugezogen. Einsiedeln erreichte er mit einigen tief sitzenden Splittern, ein paar Blasen, Wunden und einer dünngewordenen Lederhaut.

Kommende Woche sei zu Hause Ausruhen mit der Familie angesagt. Die Füße werde er aber nicht nur hochlegen: Für Berti sind kleine Spaziergänge mit dem Hund – „nur zehn Kilometer“ – pure Erholung. Vor allem, weil er dann Schuhe trage: „Ich will mal wieder aufschauen.“

Berti hat mit der Tour Spenden für hilfsbedürftige Kinder gesammelt. Er rechne damit, dass mindestens 10 000 Euro zusammengekommen sind. Der Gedanke an die Kinder habe ihn in schweren Stunden getragen, sagt er. „In der Euphorie der Planung macht man sich keine Vorstellung, wie schwer so etwas in Wirklichkeit ist.“ Berti war meist allein unterwegs, mit einem 14 Kilogramm schweren Rucksack. Die Kleidung habe er unterwegs selbst gewaschen. Für die Füße war ein Enzymspray im Gepäck, das den Stoffwechsel anregt, sagt er.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen