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VR-Bank schliesst Filialen : Banker auf Hausbesuch

vom
Aus der Onlineredaktion

VR-Bank Mecklenburg schließt Standorte. Stattdessen neuartige Beratungsmöglichkeiten

von
erstellt am 27.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die VR-Bank Mecklenburg, eine der großen unter den neun Genossenschaftsbanken in MV, zieht die Konsequenzen aus der Marktentwicklung und schließt zum 2. Mai sieben kleine Geschäftsstellen. Betroffen sind Klütz, Lützow, Neuburg, Neukloster, Schlagsdorf sowie Kröpelin und Satow. Weitere zehn kleine Standorte werden in Selbstbedienungsstellen umgewandelt. Insgesamt reduziert die VR-Bank ihr Netz so auf 13 mit Personal besetzte Geschäftsstellen und 18 Selbstbedienungs-Filialen, sagte Vorstandsvorsitzender Jan-Arne Hoffmann unserer Redaktion. Von 280 Mitarbeiterstellen fallen 28 weg, räumt der auch für Personal zuständige Vorstand ein. Dabei handele es sich um „reine Service-Mitarbeiter“. Dieses Arbeitsprofil werde es künftig nicht mehr geben, diese Leistung biete künftig ausschließlich das hausinterne telefonische Kundenser-vicecenter an. Der Stellenabbau soll „möglichst sozialverträglich“ erfolgen.

Verändertes Kundenverhalten, Digitalisierung, immer mehr Regulierung und die anhaltende Niedrigszinspolitik setzten das genossenschaftliche Bankmodell unter Kosten- und Erneuerungsdruck, so Hoffmann. Er beteuert, die Strukturentscheidung nicht leichtfertig gefällt zu haben: „Eine Projektgruppe hatte den Schritt sorgsam vorbereitet. Dazu gehörte eine Frequenzmessung: Nur noch zwei bis drei Kunden pro Stunde nutzten die Öffnungszeiten der kleineren Geschäftsstellen. Und im Schnitt wählt jedes unserer 25 000 Genossenschaftsmitglieder nur einmal pro Jahr den Weg in eine Geschäftsstelle, um sich beraten zu lassen.“ Dagegen gingen täglich über 800 Anrufe im Servicecenter ein, 60 000 Transaktionen pro Monat werden über die Internetseite abgewickelt. Das neue Filialnetz ist so gestrickt, dass laut Vorstand jeder Kunde binnen einer Auto-Viertelstunde eine Geschäftsstelle erreicht.

Für ältere Kunden, die nicht so mobil sind und ungeübt in der Nutzung digitaler Angebote, hält der forsche Manager aus seiner Sicht angemessene Alternativen bereit: So wird das hauseigene Servicecenter verstärkt, das schon seit sieben Jahren telefonische Dienstleistungen anbietet. „Neun Berater erledigen routiniert Überweisungen, Änderungen von Daueraufträgen und Ähnliches – das ist längst eine etablierte Form des Bankgeschäfts “, beteuert Hoffmann. Wer dem Telefon partout nicht vertraut, sich aber schlecht von zuhause wegzubewegen vermag, dem bietet die Bank den Hausbesuch an. „Auch das machen wir schon lange, doch es wurde eher verhalten genutzt“, sagt Co-Vorstand Dieter Heidenreich. Ab 2018 soll es sogar einen Video-Berater geben - etwa für pfiffige Kunden, die auf einem Verbraucherportal eine Bankleistung recherchieren, nun aber doch fachliche Beratung eines Bankers wünschen. Um vor allem berufstätigen Kunden entgegenzukommen, verlängert die Bank ihre Öffnungszeiten in die Randzeiten des Tages: Von acht bis 20 Uhr - zumindest an den „langen Tagen“ der Woche. Auf Gebührenerhöhungen verzichtet die Bank bis auf Weiteres. Für 2017 schließt Vorstandschef Hoffmann sie definitiv aus.

Die Veränderungen wurden den Kunden in individualisierten Anschreiben mitgeteilt, betonen die Vorstände. Zugleich seien die Mitarbeiter informiert worden. Die Manager hoffen auf weitgehende Akzeptanz des vom Aufsichtsrat der Genossenschaft beschlossenen Konzeptes. „Der Zusammenschluss von Bürgern zu einer Bank vor 160 Jahren in Grevesmühlen hat die Zeiten überstanden“, erinnert der Chef an die lange Tradition und das anstehende 160-jährige Jubiläum. „Die Bank hat es immer geschafft, sich den jeweiligen Erfordernissen anzupassen.“

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