Rostock : Bank erpresst: Anwalt vor Gericht

Die millionenschwere Erpressung der Liechtensteiner Landesbank zieht einen weiteren Prozess nach sich: Nach dem 2009 verurteilten Haupttäter stehen nun dessen Mutter sowie sein damaliger Anwalt vor Gericht.

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22. November 2012, 08:09 Uhr

Rostock | Die millionenschwere Erpressung der Liechtensteiner Landesbank (LLB) mit gestohlenen Kundendaten zieht einen weiteren Prozess nach sich. Nach dem 2009 verurteilten Haupttäter Michael F., der mittlerweile schon wieder auf seine Entlassung wartet, stehen nun dessen Mutter Elisabeth F. (74) sowie sein damaliger Anwalt Thomas L. (50) vor Gericht, wie das Landgericht gestern mitteilte. Das Strafverfahren gegen die beiden mutmaßlichen Komplizen wegen banden- und gewerbsmäßiger Erpressung beginnt am kommenden Dienstag in Rostock. Geplant sind zunächst acht Verhandlungstage.

Der Rechtsanwalt sowie die Mutter sollen dabei geholfen haben, die entwendeten 2.300 Bankdaten gewinnbringend zu veräußern und den Erlös zu sichern. Der Jurist hatte im Zuge der Ermittlungen 2008 bereits einige Tage lang in Untersuchungshaft gesessen. Im neun Monate langen Prozess gegen den Hauptbeschuldigten hatte er die Aussage verweigert. Nun soll im Prozess gegen den Anwalt und die Frau auch der bereits verurteilte Michael F. aussagen. Der werde seine Strafe von fünf Jahren und drei Monaten am 22. Dezember abgesessen haben, sagte der Sprecher des Landgerichts. Deshalb sei seine Vorladung für den 7. Dezember vorgesehen.

Großteil der Beute bleibt verschwunden

Der Drahtzieher der Erpressung war 2005 in den Besitz der Kontendaten gekommen und hatte sie zunächst dem Finanzamt Bremen zum Kauf angeboten. Nach dessen Ablehnung hatte er begonnen, Kunden der Liechtensteiner Landesbank zu erpressen, die wiederum ihr Geldinstitut informierten. Die Bank ließ sich auf einen Rückkauf der Datensätze für umgerechnet 13 Millionen Euro ein. Neun Millionen Euro waren bereits geflossen, als der Fall beim Versuch der Geldwäsche aufflog. Ein großer Teil des Geldes ist bis heute verschwunden.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Rostocker Anwalt dem unter anderem wegen Bankraubs und Entführung vorbestraften Erpresser bei der Geldwäsche geholfen haben. Die Mutter soll 1,3 Millionen Euro aus der Beute bar in einer Rostocker Bankfiliale eingezahlt haben. Deren Mitarbeiter informierten die Behörden. Der Erpresser wurde mit 452 000 Euro in der Reisetasche auf dem Hamburger Flughafen festgenommen. Durch Telefonüberwachungen stießen die Ermittler auf den Anwalt, bei ihm wurde laut Staatsanwaltschaft auch eine Auszahlungsbestätigung mit dem Vermerk "Geheimes Geschäft Liechtenstein" gefunden.

Die Erpressung der Landesbank und die aufgetauchten Kontendaten mutmaßlicher Steuerflüchtlinge beschäftigt die Justiz seit Jahren. So war ein Teil der LLB-Papiere an das Gericht gegeben worden. Daraufhin wurden bundesweit knapp 1000 Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Steuerhinterzieher eingeleitet.

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