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Bis Mai 2011 musste Windpark mit Notstrom versorgt werden : "Baltic 1" ein halbes Jahr mit Diesel betrieben

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So lange sich die 21 Rotoren nicht drehten, weil noch kein Strom an Land transportiert werden konnte, wurde auch auf der Ostsee Diesel "verheizt", um Lebensfunktionen teurer Öko-Strom-Anlagen aufrecht zu erhalten.

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erstellt am 14.Aug.2013 | 07:06 Uhr

Barhöft/Stralsund | So lange sich die 21 Rotoren nicht drehten, weil noch kein Strom durch die "50 Hertz"-Leitungen an Land transportiert werden konnte, wurde auch auf der Ostsee Diesel "verheizt", um Lebensfunktionen teurer Öko-Strom-Anlagen aufrecht zu erhalten. "In solchen Ausnahmesituationen ist Notstrom-Diesel nichts Besonders", erklärt der EnBW-Vorstand Werner Götz.

Beim Offshore-Bau von Windparks in Deutschland scheint es oft zuzugehen wie im Märchen von Hase und Igel. Meistens ruft der Erbauer und Betreiber "Ick bün all dor!" Der Netzbetreiber - im Fall von "Baltic 1" die Firma 50Hertz - hetzt sich aber noch damit ab, den Stromtransport an Land zu sichern. Keine Leitung, kein Strom. Die technischen Anlagen seien aber sofort dem rauen Seeklima ausgesetzt, erläutert Werner Götz. Er ist Mitglied des Vorstandes Erneuerbare und Konventionelle Erzeugung beim Stuttgarter Energiekonzern EnBW. Seine Firma betreibt mit "Baltic 1" den kommerziellen Windpark Deutschlands auf der Ostsee, der als Erster am Netz war. "Wir brauchen in unseren Anlagen eine Klimatisierung und Luftentsalzung. Zudem haben wir Verkehrssicherungspflichten." In gebührendem Abstand und doch in Sichtweite, führt an "Baltic 1" die viel befahrene Kadetrinne vorbei. "Die Frachter und Fähren sind darauf angewiesen, dass die Anlagen im Meer ordentlich gekennzeichnet sind. Nicht zuletzt darum musste der Betreiber auf seinen 21 Anlagen im Offshore-Wind-Park vom Herbst 2010 bis zur Inbetriebnahme im Frühjahr 2011 aus der Not heraus mobile Dieselaggregate installieren.

Die Schwaben engagieren sich in insgesamt vier Windparks auf Nord- und Ostsee. Weit draußen, 32 Kilometer nördlich vor Rügen, werden in "Baltic 2" seit diesem Jahr 80 weitere Windräder zur Öko-Strom-Erzeugung installiert. Die noch größere Anlage soll planmäßig 2015 am Stromnetz sein. Und eine so große technische Anlage verbraucht selbst Energie. "Wir hatten beim Bau von ,Baltic 1 den Fall, dass der Netzanschluss noch nicht anlag, obwohl wir betriebsbereit waren."

So drückten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) am 2. Mai 2011 erst nach mehrmonatigem "Dieselbetrieb" den berühmten roten Knopf. Seither liefert der Windpark seine Strommenge für etwa 50 000 Haushalte im Jahr via Mecklenburg-Vorpommern ins bundesweite Stromnetz.

Für "Balitc 2" investiert der baden-württembergische Energiekonzern derzeit weitere 1,2 Milliarden Euro draußen auf der Ostsee. Und hofft, dass der Wind immer ordentlich bläst. Bis zu 4000 Stunden im Jahr können die Offshore-Windräder dort draußen Strom aus Wind erzeugen. Die 80 Turbinen von "Baltic 2" werden eines Tages 288 Megawatt Energie liefern können ("Baltic 1": 48,3 MW).

Die Wartungsmannschaft bleibt in dem größeren und weiter vom Land entfernten Windpark tagelang im Schichtdienst auf See, um die Windräder auf einer Fläche von 27 Quadratkilometern für die Stromerzeugung stetig in Gang zu halten. Der zweite Kommerzielle Windpark vor Rügen kann den Elektroenergie-Bedarf von 340 000 Haushalten decken. Aber nur, wenn das 32 Kilometer lange Seekabel nach "Baltic 1" und von dort der Netzanschluss ans Festland termingerecht anliegen.

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