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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 20:29 Uhr

Bald ohne Wartezeit zur Psychotherapie?

vom

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erstellt am 01.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Schwerin | Wartezeiten auf einen Termin beim Psychotherapeuten sollen in Mecklenburg-Vorpommern schon bald spürbar verkürzt werden. "Änderungen in der ärztlichen Bedarfsplanung machen es möglich, im Land noch in diesem Jahr 68 Psychotherapeutinnen und -therapeuten neu zuzulassen", so Oliver Kahl, Hauptabteilungsleiter Sicherstellung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV). Vor allem im ländlichen Bereich soll damit die Patientenversorgung spürbar verbessert werden. So sind allein im ehemaligen Landkreis Ludwigslust zehn Stellen zu besetzen, in der Kreisregion Greifswald/Ostvorpommern sind es ebenfalls zehn Stellen, im Raum Nordvorpommern/Stralsund sogar elf. In der Landeshauptstadt, die mit dem Landkreis Nordwestmecklenburg eine Planungseinheit bildet, gibt es dagegen gar keine Niederlassungsmöglichkeit für Psychotherapeuten, in Rostock ist nur eine anteilige Stelle zu haben.

Bis zum 16. August waren alle Stellen ausgeschrieben - mit sehr guter Resonanz. "In der sechswöchigen Bewerbungsfrist sind bis zu fünf Bewerbungen pro Tag eingegangen", so Kahl. "Wir gehen deshalb davon aus, dass wir auch alle Stellen besetzen können."

Das letzte Wort hat der Zulassungsausschuss für Psychotherapeuten, der im Oktober bei seiner Entscheidung neben der persönlichen und beruflichen Eignung der Bewerber auch mit heranzieht, für welchen Vertragsarztsitz dieser sich entschieden hat, so Kahl. "Da die Tätigkeit spätestens innerhalb von drei Monaten nach dem Zulassungsdatum aufgenommen werden muss, ist damit zu rechnen, dass sich ab Anfang 2014 die Versorgungssituation entscheidend verbessert."

Das ist auch dringend erforderlich. Die Wartezeiten auf einen Psychotherapeuten-Termin variieren im Land derzeit zwischen drei Monaten und einem Jahr. "Die meisten Kolleginnen und Kollegen haben zwischen vier bis sechs Monate Wartezeit", so die Landesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung, Karen Franz. Die in Grevesmühlen praktizierende Psychologin kritisiert allerdings, dass bei der Bedarfsplanung von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ursprünglich 129 neue Psychotherapeuten-Sitz in MV ausgerechnet worden waren. Dass jetzt nur 68 ausgeschrieben sind, habe wohl damit zu tun, dass 20 Prozent der Stellen durch den Gesetzgeber ausschließlich für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie reserviert sind, so Franz. Sogar 25 Prozent seien für ärztliche Psychotherapeuten vorgesehen - "eine Quote, die nicht ausgefüllt werden kann, da es davon kaum welche gibt".

Die Kassen würden zwar zunehmende psychische Erkrankungen und hohe Arbeitsunfähigkeits-Kosten beklagen, sich aber vor einer angemessenen ambulanten Versorgung mit ausreichenden Behandlerzahlen und angemessener Vergütung erfolgreich drücken, kritisiert die Landesvorsitzende. Seit Jahren habe sich vor dem Komma nichts getan. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes erzielen Ärzte weiterhin ein zwei- bis dreimal höheres Einkommen als Psychotherapeuten.

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