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Schlossfestspiele 2012 : „Bajazzo“ in Schwerin

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Der Zirkus Roncalli will die Oper „Bajazzo“ für die Schlossfestspiele 2012 in Schwerin inszenieren. Es wird das erste Mal sein, dass die Oper, dessen Hauptfiguren Zirkusleute sind, auch in einem Zirkuszelt gespielt wird.

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erstellt am 08.Nov.2011 | 07:10 Uhr

Schwerin | Ob es um die Vorstellung der Schlossfestspiele 2012 geht mit ihrer spektakulären Kombination von Oper und Zirkus Roncalli bei der Inszenierung von "Der Bajazzo" oder irgend eine "ganz normale" Premiere: Keine Inszenierung des Staatstheaters Schwerin kommt derzeit ohne einen unangenehmen Gaststar aus - das Insolvenzgespenst.

Seit im Etat des Fünf-Sparten-Hauses ein Millionenloch klafft, war in den vergangenen Wochen immer wieder die Rede davon gewesen, Generalintendant und Geschäftsführer Joachim Kümmritz müsse womöglich schon bald den Gang zum Insolvenzgericht antreten, wenn Stadt und/oder Land kein frisches Geld herausrücken - es wäre die erste Pleite eines Staatstheaters in der Geschichte der Bundesrepublik.

Am Tag vor der gestrigen ersten Präsentation des Schlossfestspiele-Programms 2012 hatte die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt, Angelika Gramkow (Die Linke), noch einen Termin im Kultusministerium zum Thema Staatstheater, heute tagt der Aufsichtsrat des Staatstheaters. Nach Informationen unserer Zeitung wird Gramkow das Gremium auch über den Vorschlag des Landes informieren: Eine halbe Million Euro Sonderzuschuss an die Stadt, dazu die Erlaubnis des Innenministeriums, eine weitere halbe Million als Kredit aufzunehmen - und im Gegenzug die Verpflichtung, mit den Landkreisen eine Theater-Beteiligung oder mit Rostock eine Orchesterfusion zustande zu bringen. Gramkow selbst wollte allerdings vor der Schlossfestspiele-Präsentation weder Informationen durchblicken lassen noch bestätigen: "Wir haben Stillschweigen bis nach der Aufsichtsratssitzung vereinbart. Daran halte ich mich." Umso engagierter warb Gramkow, die auch Kulturdezernentin der Landeshauptstadt ist, für die Schlossfestspiele 2012: "Der Bajazzo wird im nächsten Jahr eine sehr erfolgreiche Spielzeit beenden."

Ruggero Leoncavallos Oper in einer Inszenierung von Peter Lotschak hat am 15. Juni auf dem Alten Garten Premiere und läuft bis 22. Juli, darunter auch zwei Nachmittagsvorstellungen. Größte Neuerung: Die Oper, die im Zirkusmilieu spielt, findet nicht auf einer Open-Air-Bühne statt - sondern im Zirkuszelt. Das Staatstheater hat für die Schlossfestspiele den Circus Roncalli mit ins Boot geholt. Bernhard Paul, Gründer und Chef des Circus, wird das größte seiner fünf Zelte in Schwerin aufstellen und den "Bajazzo" gemeinsam mit Peter Lotschak auf die Bühne bringen. "Das ist eine für mich wunderbare Aufgabe", schwärmte Lotschak: "Auch alle Künstler, die wir angesprochen haben, sind fasziniert." Die musikalische Leitung liegt bei Generalmusikdirektor Matthias Foremny.

Die Handlung der Oper: Im Mittelpunkt der Handlung steht das Schicksal des Clowns Canio, der den Treuebruch seiner jungen Frau Nedda nicht verkraftet. Als er während einer Vorstellung die Rolle des betrogenen Ehemannes spielen muss, vermischen sich für Canio die Ebenen von Imagination und Wirklichkeit und es kommt zu einem tragischen Eifersuchtsdrama.

Es wird das erste Mal sein, dass der "Bajazzo", dessen Hauptfiguren Zirkusleute sind, auch in einem Zirkuszelt gespielt wird. Artisten, die regelmäßig in den Roncalli-Shows zu sehen sind, werden als Teil der Opernhandlung auftreten. Auch die Besetzung der Gesangssolisten beim "Bajazzo" ist hochkarätig. Eduardo Aladren, der die Titelpartie singen wird, gab gestern schon die berühmte Arie "Lache, Bajazzo", zum Besten und außerdem hat das Staatstheater die bekannte österreichische Sopranistin Eva Lind gewonnen, die an ausgewählten Terminen mit der Partie der Nedda zu hören sein wird. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt der Zirkus-Nummer 2012: Unter dem Zeltdach sind die Schlossfestspiele vor Wetterkapriolen geschützt. In diesem Jahr mussten die Zuschauer beim "Freischütz" auf der Freilichtbühne im Schlossgarten reichlich Regen über sich ergehen lassen.

Die Kooperation mit Roncalli ist für das Staatstheater Neuland - künstlerisch hoch reizvoll, aber organisatorisch eine Mammutaufgabe. "Hier geht es um völlig andere Dimensionen", erklärte Generalintendant Joachim Kümmritz. Ein Beispiel: Die großen Verankerungsnägel für das Zirkuszelt kann man nicht einafch so in den Alten Garten rammen. "Da verlaufen schließlich eine Menge Rohrleitungen."

Das 38-Meter-Zelt passe aber genau auf den Alten Garten, versicherte Bernhard Paul. Wirkliche Details konnte und wollte er gestern noch nicht verraten, schließlich stehe die Inszenierung noch am Anfang: Wir verraten noch nichts - weil wir es selber noch nicht wissen." Nicht nur in der Geschichte, sondern auch ganz unmittelbar im Zelt würden sich während der Vorführungen Realität und Fiktion vermischen, sagte Lotschak. Zu Beginn der Aufführungen zeigten Artisten Jonglage- und Trapez-Nummern oder spielten mit Seifenblasen, dann trete die Staatskapelle des Theaters auf, erst nach der Pause folge die 60-minütige Oper. In einer Hinsicht aber legte sich der Roncalli-Chef schon mal ausdrücklich fest: "Wir werden das so machen, dass Sie zufrieden sind." Denn wie die Diskussion um die Theaterfinanzierung auch ausgeht - am 15. Juni 2012 ist Premiere für die Schlossfestspiele.

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