Lokführer : Bahnstreik: Pendler stecken im Stau

Ansturm auf Mietwagen und Fernbusse – Straßen Richtung Hamburg dicht

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05. November 2014, 20:50 Uhr

Chaos im Berufsverkehr: Der viertägige Bahnstreik hat Pendler aus MV zum Umstieg auf Autos und Busse gezwungen. In Mietwagen-Stationen, Mitfahrzentralen, bei Fernbusunternehmen – überall hat es gestern einen Ansturm auf die Fahrangebote gegeben. „Alle Wagen sind weg“, erklärte Ralf-Peter Brüsch, Regionalleiter des Avis-Mietwagenverleih in Schwerin. Die Anfragen hätten sich gestern verdoppelt. Andrang auch bei Europcar: Die Fahrzeuge seien ausgebucht, sagte Stationsmanagerin Andrea Luedtke in Schwerin: „Die Vermieter kommen nicht hinterher.“ Andrang auch in der Pendlerzentrale Westmecklenburg: Die Neuanmeldungen seien extrem gestiegen, sagte ein Sprecher – im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent. Inzwischen werden auf Fernbuslinien die Sitzplätze knapp: Fünfmal so viele Zugriffe wie sonst meldet Marktführer Mein Fernbus. „Der Ansturm ist enorm“, meint eine Sprecherin. Auch der ADAC Postbus erwartet 50 Prozent mehr Umsatz. „Wir erwarten einen Rekordumsatz an diesem Streikwochenende“, sagte ADAC-Sprecher Christian Hieff gestern in Hamburg. Für Bahnumsteiger wird es teuer: Die Busunternehmer haben die Preise während der Zeit des Bahnstreiks angezogen.

Der Streik trifft in MV Zehntausende: Allein in Westmecklenburg pendeln 43 000 Menschen in andere Bundesländer, vor allem nach Schleswig-Holstein und Hamburg. Betroffen ist auch der Schülerverkehr: Sollte es keine andere Möglichkeit geben, als mit der Bahn zur Schule zu gelangen, sollten Eltern mit der Schule Kontakt aufnehmen und klären, ob das Kind zu Hause lernen kann, sagte Ministeriumssprecher Henning Lipski. Das Fehlen gelte dann als entschuldigt.

Bei Pendlern wächst der Frust: Der Versuch der Bahn, den Streik in letzter Minute abzuwenden, scheiterte gestern. Die Lokführergewerkschaft GDL lehnte ein Schlichtungsangebot der Bahn ab. Damit werde in MV nur jeder fünfte bis dritte Zug im Regionalverkehr fahren, teilte Bahnsprecher Burkhard Ahlert mit. Züge zwischen Wismar und Tessin sowie Bad Doberan – Graal Müritz seien nicht betroffen. Auf den Hauptstrecken, z. B. Richtung Hamburg, müsse mit Ausfällen gerechnet werden. Aber auch wer sich mit dem Auto auf den Weg macht, muss sich auf Behinderungen auf den Straßen einstellen. Vor allem auf dem Weg nach Hamburg wird es eng, schätzt ADAC-Sprecher Hieff: „Wir rechnen mit einer verschärften Stausituation.“

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