Auskunftspflicht am Bahnsteig : Bahn rüstet nach

<strong>Millioneninvestitionen: </strong>Bundesweit sollen 1900 Bahnhöfe mit Informationssystemen nachgerüstet werden. <foto>dpa</foto>
Millioneninvestitionen: Bundesweit sollen 1900 Bahnhöfe mit Informationssystemen nachgerüstet werden. dpa

Die Deutsche Bahn muss in MV und Brandenburg hunderte Bahnhöfe mit elektronischen Hinweisschildern oder Lautsprecheranlagen nachrüsten, um Fahrgäste schnell über Zugausfälle und Verspätungen informieren zu können.

svz.de von
05. März 2013, 08:17 Uhr

Schwerin/Berlin | Auskunftspflicht am Bahnsteig: Die Deutsche Bahn muss in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hunderte Bahnhöfe mit elektronischen Hinweisschildern oder Lautsprecheranlagen nachrüsten, um Fahrgäste schnell über Zugausfälle und Verspätungen informieren zu können. Dazu hat das Kölner Verwaltungsgericht den Staatskonzern jetzt verpflichtet.

Mit der Entscheidung rügen die Richter die bisherige Praxis vor allem auf kleinen Bahnhöfen in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. So bleibt der Logistikriese oft ausreichende Informationen bislang schuldig. Stattdessen werden Kunden lediglich mit einem Plakat mit einer Telefonnummer abgespeist, unter denen Reisende sich bei Ausbleiben eines Zuges informieren können. Das sei gängige Praxis, genüge aber nicht, urteilten die Richter jetzt. Betroffen seien beispielsweise eine Reihe von Bahnhöfen auf der Strecke Stralsund-Grimmen-Neustrelitz, meinte Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn: "Da hat man keine Lust auszusteigen."

Nach dem Richterspruch müssen bundesweit nun aber etwa 1900 der 5500 Bahnhöfe und Haltepunkte nachgerüstet werden. Das Eisenbahn-Bundesamt in Bonn hatte den Staatskonzern per Bescheid verpflichtet, für eine bessere Fahrgastinformation auch an kleinen Haltestellen zu sorgen. Stichpunktartige Prüfungen der Behörde hatten zuvor deutliche Mängel aufgedeckt. Die Bahn lehnte eine Nachrüstung allerdings ab und legte Widerspruch ein. Dem Kölner Urteil will das Unternehmen einem Sprecher zufolge nun zwar weitgehend folgen. Bis Ende 2015 sollen sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch in Brandenburg 96 Prozent aller Stationen eine Fahrgastinformation eingebaut worden sein sein, kündigte ein Unternehmenssprecher gestern in Berlin an. Schätzungen zufolge sollen dazu in den beiden Nordost-Ländern etwa 1,5 Millionen Euro investiert werden. In MV seien bislang 78 der 187 Bahnhöfe, in der Mark 225 von 312 Stationen mit so genannten dynamischen Schriftanzeigern oder einer anderen Fahrgastinformationsanlage ausgerüstet. Das Unternehmen habe in der Vergangenheit bundesweit mehr als 3000 mit 4500 dynamischen Schriftanzeigern ausgestattet - überwiegend kleine und kleinste Haltepunkte, die bisher über keine elektronische Fahrgastinformation oder Lautsprecheranlagen verfügten, so ein Sprecher.

Fahrgäste an einigen kleinen Haltestellen werden aber weiter auf schnelle Reiseinformationen warten müssen. Die Bahn will die Forderung, auch Stationen mit weniger als 100 Ein- und Aussteigern am Tag mit Informationstechnik auszustatten, nicht akzeptieren und dagegen juristisch in die nächste Instanz gehen.

Zum Unverständnis für Verbraucherschützer und den Fahrgastverband Pro Bahn: Statt Prozesse zu führen sollte die Bahn lieber von der öffentlichen Hand Finanzhilfe einfordern und auch kleine Haltestellen ausrüsten, forderte Pro Bahn-Ehrenvorsitzende Naumann: "Die Fahrgäste haben einen Anspruch darauf, über Verspätungen informiert zu werden." Wer Dienstleistungen anbiete und einen Fahrplan aufstelle, müsse Veränderungen auch mitteilen, forderte Bernd Fischer, Chef der Verbraucherzentrale im Nordosten: "Die Bahn hat eine Informationspflicht." Insgesamt zählt die Bahn in Mecklenburg-Vorpommern an 85 und in Brandenburg an 120 Stationen weniger als 100 Ein- und Aussteiger.

Die meisten Haltepunkte würden aber trotzdem mit der modernen Informationstechnik ausgerüstet, sagte Bahnsprecher Gisbert Gahler gestern. Allerdings: An etwa 20 Stationen im Nordosten lässt der Konzern Fahrgäste weiter bei Verspätungen im Ungewissen. Dort hat der Logistikriese vorerst keine Investitionen geplant. Die Bahn wolle zunächst in zweiter Instanz gerichtlich klären lassen, ob die Verpflichtung, auch Bahnhöfe mit nur sehr wenigen Zughalten oder sehr wenigen Fahrgästen mit Fahrgastinformation auszustatten, angemessen sei, sagte ein Sprecher.

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