Verkehr MV : Bahn-Odyssee ohne Ende

Rollt die Bahn mit ihren neuen Plänen für MV an die Bedürfnisse der Kunden vorbei?
Foto:
Rollt die Bahn mit ihren neuen Plänen für MV an die Bedürfnisse der Kunden vorbei?

Ab April gibt es drei neue Züge auf der Strecke zwischen Schwerin und Hamburg, aber für viele Pendler kaum eine Verbesserung

von
02. März 2016, 05:00 Uhr

Endlich tut sich was in der Strecken-Odyssee der Deutschen Bahn. Vom April bis Dezember sollen drei zusätzliche Züge das Leben der Pendler zwischen Schwerin und Hamburg erleichtern. Doch die Bahn rollt mit ihren Plänen wieder einmal am Bedarf vieler Menschen vorbei.

Eigentlich wollte die Landesregierung mit der Einrichtung der drei neuen Strecken auf die heftige Kritik aus der Bevölkerung zum Fahrplanwechsel vom 13. Dezember reagieren. Der hatte im vergangenen Jahr die Situation von mehr als 1000 Pendlern verschlechtert. Bis zu einer Stunde früher müssten sie nun los, um pünktlich am Dienstort zu sein, hatte der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert.

„Für ein paar Minuten Verkürzung der Fahrzeiten – bei den für die Bahn hochprofitablen ICE-Strecken – werden für hunderte oder gar tausende Berufspendler massiv die Belastungen erhöht“, kritisierte Hans-Christian Heinicke aus Boizenburg im Dezember in einem Leserbrief. Und Dieter Schwarz aus Schwerin schrieb uns: „Die gewählte Regierung von MV setzt sich zwar gegenüber wehrlosen Bürgern durch, lässt sich aber widerstandslos von dem Bahnkonzern so eine Frechheit bieten.“ Ähnlich sehen es viele weitere Bürger. Mehr als 2000 haben seit Dezember im Internet die Petition „Gegen die Verschlechterungen, die der neue Fahrplan des Regional-Express bringt“ unterschrieben.

Fahrplanwechsel: Fluch auch für Schüler

Der Fahrplanwechsel ist nicht nur ein Fluch für die Pendler nach Hamburg. Es sind auch viele Schüler aus dem Umland, die in Schwerin zu Schule gehen, betroffen. „Diese Änderung geht komplett an dem Bedarf der hiesigen Anwohner vorbei“, monierte im Dezember Kerstin Leinhos aus Vellahn (wir berichteten). Ihr Sohn müsste nun bereits um 5 Uhr aufstehen, um nochmals 20 Minuten früher zu Hause aufzubrechen. Mehr als eine Stunde zu früh käme er so an seiner Schule an. „Einen Zug eher nehmen geht auch nicht, da er sonst jeden Tag 15 Minuten zu spät im Unterricht wäre“, erzählte Kerstin Leinhos.

Schließlich reagierte die Landesregierung auf die vielen Kritiker. Der nochmals überarbeitete Fahrplan solle eine Verbesserung bringen, teilte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) vor kurzem mit. Doch macht er das wirklich?

Ab April sollen morgens einer und abends zwei weitere Züge werktags eingesetzt werden. Der morgendliche Zug wird dann um 5.40 Uhr vom Schweriner Hauptbahnhof über Boizenburg bis nach Büchen fahren – Ankunft 6.27 Uhr. „Eigentlich ideal“, meint Leinhos. Würde der Zug nämlich um diese Zeit wieder nach Schwerin zurückfahren, wäre das eine große Erleichterung für die Schüler. Doch „die jeweilige Rück- bzw. Hinleistung für diese drei Züge wurde nicht bestellt, da der größte Kritikpunkt die längere Fahrzeit für Pendler Richtung Hamburg war, die Zuglagen in der Gegenrichtung zeitlich weniger interessant waren und keine erhebliche Nachfrage zu erwarten ist“, erklärt ein Sprecher der Bahn. Ärgerlich, findet Leinhos, bedenke man, dass sich das Land MV mit 590    000 Euro an den Mehrkosten für die drei Züge beteiligt.

Ob die Planänderung für die Pendler nach Hamburg eine Verbesserung oder eine finanzielle Belastung ist, wird sich noch herausstellen. In Büchen müssen sie nämlich in einen IC umsteigen. „Leider haben die eifrigen Dienstwagenfahrer in den Amtsstuben vergessen, dass der ab Büchen von vielen genutzte HVV-Tarif in IC-Zügen auch für die armen Mecklenburger nicht gelten wird“, kritisierte Christel Püßner aus Dersenow bei Boizenburg in einer E-Mail.

Das sei so nicht richtig, sagt der Bahnsprecher: „Derzeit wird mit dem Fernverkehr verhandelt, ob eine generelle Freigabe für Nahverkehrsfahrkarten erteilt werden kann.“ Auch im Gegenfall seien die Tickets nur geringfügig teurer. Der Aufpreis für die Nutzung des IC/EC für eine Einzelfahrt liege für Boizenburg - Hamburg bei 2,90 Euro. Rechnet man das auf den Monat hoch, kommen so jedoch schnell über 100 Euro zusammen.

Kerstin Leinhos’ Sohn kann dieses Chaos egal sein. Er wird nun – wie viele andere Schüler aus dem Umland auch – mit einem Taxi zur Schule gefahren. Ob das die Lösung ist, bleibt fraglich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen