Gärtner züchtet in Vorpommern 200 Tomatensorten : Bärenpfote trifft Ochsenherz

Michael Hager beschneidet Tomatenpflanzen der 'Reisetomate' dapd
1 von 2
Michael Hager beschneidet Tomatenpflanzen der "Reisetomate" dapd

Der Gärtner Michael Hagerzüchtet in Vorpommern 200 Tomatensorten - aus aller Welt und mit kuriosen Bezeichnungen. Rund 1100 Tomatenpflanzen ranken sich in den Folienzelten des Familienunternehmens in die Höhe.

von
17. September 2012, 08:57 Uhr

Bartow | Sie sind nicht nur rot und rund. Die Farbpalette der Tomaten von Michael Hager reicht von Creme, Gelb, Grün, Rosa, Rot und Violett bis Schwarz. Die Früchte, die dieser Tage auf dem Erntetisch seiner Gärtnerei im vorpommerschen Bartow ausliegen, haben Formen von Kugeln, Herzen, Zylindern, Rübchen, Eiern, Flaschen und Birnen. Die kleinsten sind kaum größer als Erbsen, die größten bringen es auf stattliche 1,5 Kilo. "Die Vielfalt ist einfach faszinierend", sagt der Gärtnermeister, der seit über 20 Jahren eine Baumschule mit Gärtnerei betreibt.

Rund 1100 Tomatenpflanzen von 200 verschiedenen Sorten aus aller Welt ranken sich in den Folienzelten des Familienunternehmens in die Höhe. Zum Samensortiment gehören sogar 300 Sorten. Es habe kaum eine Auslandsreise gegeben, von der er nicht mit einer neuen Sorte nach Hause gekommen sei, sagt der 49-Jährige. Viele Variationen brachten Freunde mit. Über das Internet tauschte Hager mit Sammlern weitere Sorten aus.

Inzwischen gedeihen in der Gärtnerei Bartow 1100 Tomatenpflanzen aus etwa 50 Ländern. "Aus Russlands sibirischen Tälern kommen die meisten", sagt Hager, der nichts von den wenigen überzüchteten Hybriden aus dem Supermarkt hält und sich dem Erhalt ursprünglicher, fast vergessener Sorten verschrieben hat.

Zu seinen Favoriten gehöre "Black Russian", eine süßliche, schwarz-rote Stabtomate aus Russland. Uralt sei "Green Zebra" aus den USA, sagt der ambitionierte Züchter. Taiwan sei mit der Obsttomate, einer roten Cherry-Variante, Japan mit der Fleischtomate "Japanische Zwiebel" und Australien mit der gelben "Banana Legs" vertreten. Eine traubenförmige "Reisetomate" erwarb er aus Guatemala, und den "Weißen Pfirsich" von einem deutschen Züchter. "Horn der Anden" heißt eine Tomate aus Peru, dem Ursprungsland der Liebes- oder Paradiesäpfel, wie die Früchte auch manchmal genannt werden.

Als Urtomate gelte übrigens die "Lycopersicon americanum", die heute nur noch auf den Galapagos-Insel in Wildform vorkomme, sagt Hager. "Natürlich haben wir auch diese winzigen und aromatischen Früchte im Repertoire." Die "Johannisbeer-Tomate" aus den Anden, ein Urahn der beliebten Kirschtomaten, hat die kleinsten Früchte mit nur wenigen Millimetern Durchmesser. Dagegen ist die "Geante de Hutte", eine bis zwei Kilo schwere Fleischtomate aus Belgien, ein Riese, der bis zur Reife abgestützt werden muss.

"Mit ihren Kreationen haben sich die Züchter bei der Namensgebung mitunter einiges einfallen lassen", sagt Hagers Frau Margit. Die Liste der kuriosesten Bezeichnungen reiche von "Russischer Bärenpfote" und "Schlesischer Himbeere" über "Französisches Ochsenherz" und "Kleine Thai" bis zu "Opas Liebling" und "Schmatzefein".

Mindestens zwei Pflanzen ziehen die Hagers jährlich von jeder Sorte auf. Die Früchte werden bis Ende September zum Großteil an Laufkundschaft und Sterneköche verkauft. Aus dem Rest gewinnen sie das Saatgut, das im Winter über Internet bezogen werden kann. Außerdem werden auf Bestellung jeweils bis Ende Mai etwa 10.000 Tomatenpflanzen für den Verkauf aufgezogen.

"Logisch, dass bei uns Tomaten auf den Tisch kommen"; sagt Gärtnermeister Hager, der sich jeden Morgen eine besonders aromatische Obsttomate aus Taiwan gönnt. Die englische "Cox Orange", die innen hohl sei, werde oft mit Käse gefüllt und überbacken. "Und außerdem lieben wir Salat, Saft, Sauce, Suppe und Ketchup, selbst gemacht aus Tomaten aus aller Welt!"

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen