Luxus-Camping : Badewanne statt Freiluft-Klo

Ein Luxuszelt mit Badewanne und Himmelbett: So sieht Luxuscamping aus.  Fotos: Jan-Philipp-Strobel
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Ein Luxuszelt mit Badewanne und Himmelbett: So sieht Luxuscamping aus. Fotos: Jan-Philipp-Strobel

Zelt und Schlafsack? Himmelbett und Küche! Platzbetreiber rüsten auf, denn das Geschäft mit den Luxuscampern liegt im Trend

svz.de von
08. Juni 2016, 12:00 Uhr

Statt auf dem Boden liegen die Camper in Himmelbetten, haben eigene Toiletten und Küchen im Zelt, selbst das Frühstücksbrötchen bekommen sie geliefert. Was früher als Billigurlaub für Spontanreisende galt, ist heute eine hart umkämpfte Branche. „Glamping“ – glamouröses Camping– ist in Europa seit einigen Jahren im Trend. Nur die Deutschen finden erst allmählich Gefallen daran. „Camping ist immer noch mit vielen Klischees verbunden: Mücken, versiffte Duschen und jede Menge Bier“, sagt Jeroen Callewaert von der Plattform Vacansoleil. Europaweit bietet das Portal rund 450 „Glampingplätze“ an, in Deutschland sind es jedoch lediglich 13.

Nur zögerlich investieren die Betreiber der Campingplätze in Golfplätze, 24-Stunden-Service oder Pool-Anlagen. „Viele Campingplätze haben noch keine ,Glamping‘-Standards. Ein Pool ist zum Beispiel in unserem Angebot Pflicht. ,Glamping‘ ist in Deutschland immer noch ein Nischenprodukt“, berichtet Callewaert.

Normale Campingplätze erreichen beinahe jedes Jahr neue Bestwerte. Insgesamt verzeichneten die Betreiber nach Angaben des Bundesverbandes der Campingwirtschaft 2015 mehr als 29 Millionen Übernachtungen – das waren 4,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Acht Prozent aller Deutschen geben laut dem Statistischen Bundesamt an, im Sommer das Zelt dem Hotel-Pool zu bevorzugen – am liebsten in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Luxus und Hotelservice sind dennoch nur an wenigen Plätzen in Deutschland Standard. Die Campingbetreiber hätten besonders in den vergangenen fünf Jahren an der Qualität ihrer Plätze gearbeitet, sagt Viktoria Groß vom Deutschen Camping Club (DCC), der rund 110 000 Campingtouristen zu seinen Mitgliedern zählt. Nur an ausgewählten Campingplätzen gibt es Wlan, Flachbildschirme oder Gourmetköche, die am Lagerfeuer Mehr-Gänge-Menüs zubereiten. Gründe für das Umdenken seien lange Schlechtwetter-Perioden in Südeuropa oder Terrorgefahr an beliebten Reisezielen, sagt Groß. Viele wollten deshalb nicht mehr lange im Voraus buchen, sondern lieber von heute auf morgen etwa mit ihren Wohnmobilen losziehen.

Trotzdem wollen etliche Camping-Urlauber nicht auf Komfort verzichten. Darauf setzen auch die Betreiber und Outdoor-Hersteller mit immer ausgefalleneren Angeboten: Fest installierte Holzhäuser in Fassform oder riesige Luxus-Wohnmobile mit eingebautem Whirlpool am Dach sind gefragt. „Campen und nebenan der eigene Golfplatz oder auch ein eigener Spa-Bereich – dabei hätte man vor ein paar Jahren noch den Kopf geschüttelt“, sagt Groß. Dafür seien die Deutschen auch bereit, einiges auszugeben. Ließ ein Urlauber laut einer Studie noch vor zehn Jahren im Schnitt knapp 27 Euro am Tag auf dem Campingplatz, waren es 2010 schon knapp 46 Euro. Heute sind es bis zu 70 Euro, schätzt Groß. Und eine „Glamping“-Familie gibt im Schnitt 1500 Euro für eine Woche in einem 80 Quadratmeter großen Safarizelt aus.

Zur wichtigsten Zielgruppe zählen die Familien – doch auch Skeptiker würden immer mehr Gefallen am „Glamping“ finden. „Langfristig aber sind die Deutschen noch weit entfernt, ,Glamper‘ zu sein. Dafür sind sie zu naturverbunden.“

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