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Altersdurchschnitt liegt bei etwa 55 Jahren : Badeärzte im Land suchen Nachfolger

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Christian Schütt kennt sich aus mit dem gesundheitsfördernden Reizklima an der Ostseeküste. Der 70-Jährige leitete viele Jahre die Rehaklinik in Heiligendamm. Die Ostseeluft ist Balsam für viele Patienten.

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erstellt am 17.Apr.2011 | 08:34 Uhr

Graal-Müritz/Zinnowitz | Der Mediziner Christian Schütt kennt sich aus mit dem gesundheitsfördernden Reizklima an der Ostseeküste. Der 70-Jährige leitete viele Jahre die Rehaklinik in Heiligendamm. Die Ostseeluft sei Balsam für viele Patienten, sagt Schütt, der sich auf dem Gebiet der physikalischen Therapie und Balneologie weitergebildet und geforscht hat. Schütt ist Badearzt. Diese dürften in MV so gefragt wie in kaum einem anderen Bundesland sein. Dennoch gibt es Sorgen um den Nachwuchs.

Im Nordosten praktizieren 32 Badeärzte, ihr Altersdurchschnitt liegt bei etwa 55 Jahren. "In zehn Jahren sind die Praxen geschlossen, wenn sie keinen Nachfolger finden", sagt die Geschäftsführerin des Bäderverbands Mecklenburg-Vorpommern, Marianne Düsterhöft. An Patienten mangele es nicht, aber viele junge Mediziner scheuten die Zusatzausbildung. Bislang muss der Arzt nicht nur eine Reihe von Kursen absolvieren, sondern auch eine einjährige Tätigkeit in einer Rehaeinrichtung nachweisen. "Für dieses Pflichtjahr schließt kein ambulanter Arzt seine Praxis", sagt die Verbandssprecherin. Es sollte möglich sein, den Nachweis zur Kur- und Badearzttätigkeit berufsbegleitend zu erwerben. Über diese Neuordnung der Weiterbildung werde zwar bundesweit im Heilbäderverband diskutiert, durchgesetzt sei sie noch nicht.

"Etwas Besseres als eine dreiwöchige Kur an der Ostsee können Sie ihrem Körper gar nicht antun", sagt Schütt. Mitunter werden stationäre Kurpatienten von Partnern begleitet, die ambulant kuren. Bei ambulanten Kurpatienten habe er aber - wie von den Kassen vorgeschrieben - nur ein limitiertes Behandlungsprogramm, bedauert Schütt. Er sehe die Patienten nur wenige Male, ein Rehaeffekt lasse sich so kaum messen. Auch in der Abrechnung lohne die Tätigkeit als Badearzt nicht, sagt er.

Dabei spreche selbst aus Sicht der Krankenkassen viel für eine ambulante Kur, da sie sich die Kosten für den stationären Aufenthalt sparen und auf denselben Effekt hofften. Auch die Nachfrage von Kurbedürftigen steigt. "Mittlerweile kann selbst ein Hotel ein Angebot des medical wellness etablieren", sagt der Arzt. So gebe es im Warnemünder Neptun-Hotel seit Jahren eine Badeärztin. "Gesundheitsbewusste Urlauber wollen mittlerweile mehr als eine 0815-Therapie mit sechs Massagen und sechs Moorpackungen", sagt der Mediziner. Um den Beruf aber attraktiver zu machen, müsse nicht nur über eine einfachere Zulassung, sondern auch eine bessere Bezahlung durch die Kassen nachgedacht werden.

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