zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 21:35 Uhr

Funkamateure in MV : Bad Doberan ruft Tibet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Noch 545 Funkamateure sind in Mecklenburg-Vorpommern aktiv / Weltentdecker und Bastler haben ein Ziel: Kontakt mit jedem Land

Internet und soziale Netzwerke, Handys, Smartphones und PCs haben den klassischen Amateurfunk nicht bei allen verdrängt. Noch gibt es Menschen, die sich Sender und Empfänger selbst bauen und hohe Antennen aufstellen, um damit rund um die Erde zu kommunizieren. Im Urlaub reisen sie nach Möglichkeit mit ihrer Technik und Gleichgesinnten in entlegenste Gegenden, wo kein Funkamateur zu Hause ist. Es existieren Listen von begehrten Regionen, aus denen Funkamateure Kontakte haben wollen, wie Mecklenburg-Vorpommerns Vorsitzender des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC), Franz Berndt, sagte. „Der Reiz für einen Funkamateur besteht darin, mindestens mit jedem Land auf der Welt, wo Amateurfunk zulässig ist, einen Kontakt zu haben.“

Gemeinsam mit elf Funkamateuren aus mehreren Bundesländern will Berndt jetzt auf den Marshallinseln im Pazifik auf allen zehn Frequenzbereichen, die Funkamateure weltweit nutzen dürfen, Verbindungen herstellen. Zur mobilen Ausrüstung im Gepäck des Bauingenieurs aus Bad Doberan und der anderen Männer gehörten Teile für mehrere 18 Meter hohe Antennenmasten, die sie auf dem Gelände eines Hotels aufbauen dürfen.

In MV hat der DARC nach Brandts Worten 545 Mitglieder in 27 Ortsverbänden, ein weiterer Verband hat ebenfalls zwei Ortsvereine. In den vergangenen fünf Jahren hat der Club etwa zehn Prozent Mitglieder verloren. „Ich sehe das nicht tragisch. Anderen Vereinen geht es nicht anders“, sagte Berndt. Bundesweit sind um die 75 000 Funkamateure aktiv.

Funken ist ein Sport der älteren Generation, sagte Stralsunds Ortsverbandschef Wolfgang Schikorr. Der Ortsverband Neubrandenburg hat 48 Mitglieder, darunter eine Frau. Das Durchschnittsalter liegt dem Vorsitzenden Jürgen Endler zufolge bei 60 Jahren. Er selbst ist Jungrentner und seit 1997 Funkamateur. Als Schüler habe er das Funken in einer Arbeitsgemeinschaft gelernt.  „Wenn man das HF-Virus einmal drin hat, wird man es nicht mehr los.“ HF steht für Hochfrequenz.

Endler und Schikorr, Dekan am Fachbereich Maschinenbau der Hochschule Stralsund, teilen die Funkamateure in zwei Gruppen: Einmal jene, denen vor allem an der Kommunikation über Funkwellen gelegen ist, zum anderen die Bastler, die selbst Funkgeräte und Antennen bauen.

Endler vergleicht das Funken mit dem Angeln: „Man wirft die Angel aus, und weiß nicht, ob ein Fisch da ist.“ Der Funkamateur schickt seinen Ruf hinaus – und vielleicht antwortet jemand aus Tibet oder von den Falklandinseln. Man verständigt sich in der Morsetelegraphie über ein Funk-Englisch, das mit der wirklichen Sprache nicht viel zu tun hat. „Das Wichtigste ist das Kontaktherstellen“, so Endler. Jede Funkverbindung wird in einem Logbuch elektronisch oder auf Papier dokumentiert. Häufig wird auch eine Karte als Bestätigung über die Verbindung verschickt.  

Vor dem Funken steht jedoch eine Ausbildung und eine Prüfung. Die Bundesnetzagentur weist jedem Amateur ein Rufzeichen zu, mit dem er international identifizierbar ist, wie Schikorr sagte. Im Amateurfunk gelten strenge Regeln. So darf über politische Tagesereignisse nicht geredet werden. „Man will nicht die offiziellen Kommunikationskanäle unterlaufen.“ Das Interessante am Amateurfunk ist für ihn, dass noch längst nicht alle Ausbreitungsbedingungen für Funkwellen erforscht sind. Die Funker experimentieren und nutzen den Mond, Meteoriten oder das Nordlicht zur Reflexion der Funkwellen.

An der Fachhochschule Stralsund hat der DARC unter seinen Mitgliedern sowohl Studenten als auch mit Alfred Triemer (80) ein Urgestein des Amateurfunks. In der DDR war das Funken in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) möglich, berichtete der einstige Ausbilder. Als er mit den Kindern einmal Funkkontakte ins „kapitalistische Ausland“ herstellte, hatte er am nächsten Tag „Besuch“. Triemer funkt noch immer mindestens einmal täglich. „Und das seit 1955.“ 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen