Backhaus will Antibiotika-Einsatz in Mastbetrieben reduzieren

Foto: Maurizio Gambarini dpa/lmv
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06. Juli 2012, 05:08 Uhr

Landwirtschaftsminister Till Backhaus erhöht in der Diskussion um den Einsatz von Antibiotika bei der Geflügelmast den Druck auf die Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern.
Das Ministerium habe ein Konzept erarbeitet, nach dem in Zukunft weniger Medikamente verabreicht werden sollen. Die Betriebe müssten nun bis zum 1. Oktober darlegen, wie sie dieses umsetzen wollen, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Schwerin. Sonst drohten Sanktionen.
Das Konzept sieht beispielsweise vor, dass für eine bessere Gesundheit der Küken gesorgt werden muss. So müsse nicht nur in den Brütereien, sondern auch auf dem Transport und in den Mastbetrieben eine einheitliche Temperatur für die Jungtiere sichergestellt werden, um Krankheiten zu vermeiden, forderte Backhaus. Auch die Hygiene in den Stallungen und die Personalhygiene sollten verbessert werden. Backhaus kündigte zugleich an, die Kontrollen zu verschärfen.

Laut einer Studie, die der Minister vorstellte, kommt kaum ein Großmastbetrieb im Land ohne den Einsatz von Antibiotika aus. Nur zwei der 38 untersuchten konventionellen Betriebe verzichten demnach auf den Einsatz der starken Medikamente. Drei Viertel der Behandlungen in der konventionellen Geflügelmast dauerten zwei bis drei Tage. Auch von den neun untersuchten Biobetrieben nutzte mehr als die Hälfte Antibiotika. Für die Erhebung wurden 47 von 119 Betrieben mit mehr als 500 Masthühnern untersucht. Häufig setzen Betreiber die Medikamente zur Sicherheit ein, wenn nur wenige Tiere in einem Stall erkrankt sind. Ziel ist damit, eine Ausbreitung zu verhindern. Ähnliche Studien sollen nun auch für Puten- und Schweinemastbetriebe durchgeführt werden.

Verbände und Linkspartei begrüßen Initiative

Backhaus betonte allerdings, dass Mecklenburg-Vorpommern bundesweit bei der Kontrolle des Antibiotika-Einsatzes an der Spitze liege. Seit 2006 habe es in Fleischproben keine Überschreitung von Höchstmengen mehr gegeben. „Trotzdem ist der Einsatz in Medikamenten auch in Mecklenburg-Vorpommern noch zu hoch“, sagte Backhaus. Er forderte die Bundesregierung auf, das erarbeitete Konzept für ganz Deutschland zu übernehmen. Zudem müsse das Arzneimittelgesetz schnell geändert werden, damit die Länder „direkten Zugriff auf die Tierärzte bekommen“. Jede Arzneimittellieferung müsse dem entsprechenden Arzt zugeordnet werden können, forderte der Minister.
Der Geflügelwirtschaftsverband und der Bauernverband begrüßten den „gesamtheitlichen Ansatz“ der Initiative. Nur durch ein „Tierhaltungsmanagement vom Elterntierbetrieb, über die Brüterei bis zum Hähnchenhalter lässt sich der Antibiotika-Einsatz nachhaltig minimieren“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der Verbände.
Auch von der Linkspartei erhielt Backhaus Zustimmung. Die Studie zeige, dass „vor allem das Management entscheidend für die Tiergesundheit ist und nicht die Stallgröße und die Zahl der Tiere“, sagte der agrarpolitische Sprecher der Fraktion, Fritz Tack. Die Kükengesundheit sei ein wichtiger Ansatzpunkt. „Hier liegen die Grundlagen für den Einsatz von Medikamenten“, sagte er.


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