Fischerei in MV : Backhaus lehnt Fangstopp für Heringe ab

Die Fischer fürchten um ihre Erträge.
Die Fischer fürchten um ihre Erträge.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kritisiert die Empfehlung für einen Heringsfang-Stopp in der Ostsee.

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01. Juni 2018, 20:45 Uhr

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hat die Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) für einen Heringsfang-Stopp in der westlichen Ostsee kritisiert. Er erteile dieser Empfehlung eine deutliche Absage, sagte Backhaus. „Für die wenigen verbliebenen Fischereibetriebe in Mecklenburg-Vorpommern wäre ein Fangverbot ihres Brotfisches das Aus“, sagte er. „Ich setze mich dafür ein, endlich verlässliche Rahmenbedingungen für die Fischereibetriebe zu schaffen.

Dazu bedarf es weiterer Maßnahmen, zum Beispiel der Reduktion der Kormorane und auch der Umsetzung der mehrjährigen Bewirtschaftungspläne.“ Der Rat hatte am Vortag empfohlen, die Heringsfischerei in der westlichen Ostsee vorerst auszusetzen. Grund sei unter anderem, dass die Fische seit Jahren zu wenig Nachwuchs bekämen. Die Empfehlung des ICES, die auch eine deutliche Erhöhung der Dorsch-Quote beinhaltet, ist nicht bindend. Letztlich legt der EU-Ministerrat die Fangquoten im Oktober fest. Die ICES-Analyse dient dafür jedoch als wissenschaftliche Grundlage.

„Jetzt ist die Kacke am Dampfen“, sagte ein Fischer aus Vorpommern. Die Aussetzung des Heringsfangs für ein Jahr würde für die Kutter- und Küstenfischerei das Aus bedeuten. Rund 70 Prozent der Erlöse würden mit dem Hering erwirtschaftet.

Auch die Fischverarbeitung in MV wäre massiv betroffen. Im EuroBaltic-Fischwerk in Sassnitz werden 83 Prozent der deutschen Ostsee-Heringsquote verarbeitet, wie Geschäftsführer Uwe Richter am Freitag sagte. Das seien pro Jahr zwischen 8500 und 10 000 Tonnen Hering.

Zur ICES-Empfehlung wollte sich Richter zunächst nicht äußern. Er zeigte sich überzeugt, dass der fischereiliche Druck nicht die Ursache sei. Wenn tatsächlich die Umweltbedingungen in der Ostsee ungünstiger für den Hering geworden seien, dann müsse man perspektivisch darüber sprechen, wie man die Bestandsentwicklung bewertet. Richter, zugleich Chef des Verbands der deutschen Hochseefischer, will zunächst das Gespräch im Verband, mit der Politik und Wissenschaft suchen.

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