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Tierkrankheit Botulismus: Antwort mit falscher Quelle : Backhaus erzürnt Abgeordnete

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Vorwürfe richtet Birgit Schwebs, Linken-Landtagsabgeordnete, an den Agrarminister: Till Backhaus (SPD) habe dem Landtag zur (Tier)Krankheit chronischer Botulismus nicht wahrheitsgemäß geantwortet.

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erstellt am 15.Apr.2011 | 10:06 Uhr

Sternberg/Schwerin | Vorwürfe richtet Birgit Schwebs, Linken-Landtagsabgeordnete, an den Agrarminister: Till Backhaus (SPD) habe dem Landtag zur (Tier)Krankheit chronischer Botulismus nicht wahrheitsgemäß geantwortet. Schwebs: "Ich bin entsetzt." Das Ministerium spricht von einem Missverständnis in einer Fußnote. Dabei geht es um erhebliche Widersprüche in der Fallzahl.

In der Antwort auf die Linken-Anfrage benennt das Ministerium 30 Betriebe, die zwischen 1995 und 2010 mit Botulismus betroffen waren. Es seien "in der Regel Einzeltiererkrankungen". Die Daten zum Nachweis des Botulinumtoxins sollen "ausschließlich" vom Institut für Tropentierhygiene der Uni Göttingen stammen. Das bestreitet Prof. Helge Böhnel: "Die Zahlen, die von der MV-Landesregierung angegeben werden, stammen nicht von uns." Experten gehen von deutlich mehr Fällen als die vom Land angegebenen 30 aus. Nach Recherchen dieser Zeitung haben allein die Göttinger bundesweit in mehr als 1000 Betrieben Botulismus nachgewiesen.

"Lügt Dr. Backhaus?", fragt Klaus Wohldmann, Landwirt aus Demen bei Sternberg, der vor Gericht klagt, weil das Land die Ursache für Erkrankung und Tod von mehr als 100 Rindern nicht anerkennt. Wohldmann fordert die Einstufung des Botulismus als Tierseuche, was Zahlungen zur Folge hätte. Er hat eine "Interessengemeinschaft Botulismus" gegründet. Bundesweit meldeten sich Bauern, die ähnliche Krankheitssymptome bei ihren Tieren hätten - aktuell massiv in Sachsen.

Niels Bratrschovsky aus Groß Stieten verlor rund 850 Rinder. Er glaubt, die Krankheit komme aus dem verseuchten Boden. Ein Labor bestätigte Botulismus; Symptome: Lähmung, Abmagerung, muskuläre Störungen, Missbildungen. Das Land erkannte die Krankheit nicht an. Jetzt hat Bratrschovsky seine vom Bund gepachteten 313 Hektar verloren. "Jeder Bauer, der die Krankheit zugibt, wird als dumm abgestempelt", sagt er.

Bauern fordern Taten der Politik. Wohldmann: "Immer heißt es: Wir müssen weiter forschen, aber nichts geschieht." Sein Anwalt fordert Schutz vor Infektionsgefahr: "Das Land verharrt in Untätigkeit, wo staatliches Tätigwerden geboten ist."

Botulismus-Symptome seien seit dem Jahre 1921 beschrieben, so Böhnel. Zur Übertragbarbeit auf Menschen sagte er im Vorjahr: "Ich kenne mehrere Fälle, bei denen sehr viel für eine Erkrankung durch Botulinumtoxin beim Menschen spricht."

30 Betriebe in MV bis 2010 - diese Zahl sei korrekt, sagte gestern Ministeriumssprecherin Marion Zinke. Zugearbeitet vom Rindergesundheitsdienst. Bei der Quellenangabe müsse "ein Missverständnis" vorliegen. Richtig sei: Labore aus drei Städten hätten Ergebnisse geliefert. Birgit Schwebs ist erzürnt: Zum zweiten Mal erhalte sie vom Minister falsche Auskunft, zuvor zur Anzahl der Rabenvögel. "Botulismus ist zu brisant, um Fehler zu machen."

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