Vorsorge : Baby-Screening wird ausgeweitet

An der Universitätsklinik in Greifswald wird am Fuß eines Babys Blut für ein Neugeborenen-Screening abgenommen.
An der Universitätsklinik in Greifswald wird am Fuß eines Babys Blut für ein Neugeborenen-Screening abgenommen.

45 000 Neugeborene profitieren. Bei den Kleinsten liegt der Standard über dem bundesweiten Level

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30. November 2017, 05:00 Uhr

Neugeborene in Mecklenburg-Vorpommern, im polnischen Westpommern und im nördlichen Brandenburg werden künftig im Rahmen der Früherkennung auf zusätzliche Erkrankungen untersucht. Die Universitätsmedizin Greifswald hat gestern zusammen mit Partnern in Stettin und der Charité Berlin, die als neuer Partner zum Projekt dazukommt, ein erweitertes Neugeborenen-Screening gestartet. Statt auf bislang 15 Erkrankungen werde das Blut der dort geborenen Babys auf drei weitere Erkrankungen untersucht. Insgesamt 45 000 Neugeborene in Mecklenburg-Vorpommern, Westpommern und Brandenburg sollen pro Jahr von dem Screening profitieren, wie Gesamt-Projektleiterin Theresa Winter von der Universitätsmedizin Greifswald sagte.

In dem Projekt „PomSreen“ zum ersten grenzüberschreitenden Neugeborenen-Screening war zwischen 2012 und 2015 pro Jahr das Blut von
30 000 Neugeborenen in Mecklenburg-Vorpommern und Westpommern auf seltene Erkrankungen untersucht worden. Zusätzlich zur bundesweit üblichen Untersuchung wurde bei den Laboruntersuchungen geprüft, ob die Babys auch an der angeborenen Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose erkrankt sind.

In Mecklenburg-Vorpommern seien so allein sechs Kinder frühzeitig identifiziert worden, bei denen nach der frühen Diagnose einer chronischen Erkrankung der Lunge vorgebeugt werden konnte, sagte Winter. 2016 wurde das Mukoviszidose-Screening aufgrund der Erfahrungen in dem deutsch-polnischen Projekt bundesweit eingeführt.

Das Neugeborenen-Screening in Deutschland begann 1969 mit der Untersuchung auf Phenylketonurie, die als eine der häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen gilt. Mit dem Fortschritt der Analysemethoden wurde die Screening-Liste seitdem auf 15 Erkrankungen erweitert. In MV, Westpommern und dem nördlichen Brandenburg kommt nun die frühzeitige Erkennung von angeborenen Erkrankungen des Immunsystems, des Fettstoffwechsels und von Hämoglobinkrankheiten hinzu.

Die Screening-Labors werden sich dabei auf jeweils eine Krankheit für alle Neugeborene des Einzugsgebietes spezialisieren. Erkrankungen des Immunsystems würden in Stettin, des Fettstoffwechsels in Greifswald und der Hämoglobinkrankheiten an der Charité untersucht.

Das jetzt gestartete und auf drei Jahre angelegte EU-Projekt „RareScreen“ wird mit 3,4 Millionen Euro aus dem Interreg V A-Programm gefördert. In diesem Projekt sollen neue Untersuchungsmethoden etabliert werden – als Grundlage für ein möglicherweise flächendeckendes Screening aller Neugeborenen in Deutschland. Mit dem erweiterten Screening nehme die Universitätsmedizin Greifswald deutschlandweit eine Vorreiterrolle im Bereich der Prävention und Gesundheit von Neugeborenen ein, sagte der Vorstandsvorsitzende, Professor Max P. Baur. Das Neugeborenen-Screening gelte als eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen zur Früherkennung angeborener Stoffwechselstörungen und Hormonstörungen, die durch fehlende Symptome in den ersten Lebenstagen ohne Laboruntersuchungen nicht zu erkennen sind.

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