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Prozess in Schwerin : Baby in die Wanne „zurückgelegt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Prozess um ertrunkenes Neugeborenes: Urteil kommende Woche erwartet

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 07:45 Uhr

Die Angeklagte soll ihr Neugeborenes getötet haben. Seit Ende Juni versuchen die Richter im Prozess am Schweriner Landgericht, sich ein Bild zu machen, was sich im April 2013 in der Wohnung der 28-Jährigen in Grevesmühlen abgespielt hat. Die Frau hat den Jungen allein in der mit Wasser gefüllten Badewanne zur Welt gebracht. Das steht fest. Zum Ablauf danach hat sie ihre Angaben mehrfach geändert. „Salamitaktik“, nannte das der Rostocker Psychiater Professor Frank Häßler. Er setzte gestern sein Gutachten fort. Verdrängt habe sie die Schwangerschaft nicht, sagt er. Im Gegensatz zu den meisten anderen Müttern, die ihre Babys töten. Sie habe sich den Geburtstermin in etwa ausgerechnet, doch dann nichts weiter unternommen. „Die Natur wird’s schon richten“, wird sie sich gedacht haben, glaubt der Gutachter.

Sechsmal war die junge Frau schon schwanger, von verschiedenen Männern. Die erste Schwangerschaft endet abrupt mit einer Fehlgeburt. In den Jahren danach bringt sie drei Kinder zur Welt. Keines davon lebt bei ihr – eines bei ihrer Mutter, eines beim leiblichen Vater, ein Sohn soll bei Pflegeeltern untergekommen sein. Eine Schwangerschaft lässt sie abbrechen. Und will gewarnt worden sein, ein erneuter Abbruch sei frühestens nach einem halben Jahr möglich. Schon vorher wird sie erneut schwanger. Mit dem Kind, das am Tag seiner Geburt in der Badewanne ertrinkt. Die Todesursache steht zweifelsfrei fest. Ihre erste Version, sie sei unter der Geburt bewusstlos geworden, hat sie vor Gericht den Angaben nach inzwischen revidiert. Sie habe das Baby, das laut Gutachten gesund zur Welt kam, auf den Arm genommen und dann „zurückgelegt“ in die Wanne, soll sie inzwischen gesagt haben. „Das ist aktives Handeln“, sagt Professor Häßler. Er habe nichts gefunden, was auf verminderte Steuerungsfähigkeit schließen ließe. Das Gericht will in der kommenden Woche das Urteil verkünden.


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