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Mecklenburg-Vorpommern

26. September 2017 | 00:31 Uhr

Azubi-Programm des Landes floppt

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2013 | 05:34 Uhr

Schwerin | Die vom Land bereitgestellte Finanzhilfe für Lehrlinge greift bisher ins Leere: Seit Jahresbeginn wurden lediglich neun Anträge auf Zuschüsse für die Hin- und Rückfahrt zur Berufsschule und zur Unterkunft gestellt - und vom Land kein einziger Antrag bewilligt, geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage an die Landesregierung des Linken-Abgeordneten Helmut Holter hervor.

Seit Jahresbeginn können Auszubildende Zuschüsse für Ausbildungskosten beantragen. Damit sollen Härtefälle abgemildert und Berufsschülern aus sozial schwachen Familien geholfen werden. Insgesamt 100 000 Euro stellt das Land in diesem Jahr dafür zur Verfügung. Das Land trägt ein Drittel der Kosten für Unterkunft und Fahrkosten. Ein Drittel steuern die Ausbildungsunternehmen bei, den Rest die Familien selbst. Zunächst sollten davon bis zu 1000 Lehrlinge profitieren können.

Das Förderprogramm wird allerdings noch kaum genutzt. "Die entsprechende Richtlinie ist wenig wirksam, offensichtlich gehen die formulierten Anforderungen an der Realität vorbei", erklärte Holter gestern. So helfe es nicht weiter, dass lediglich soziale Härtefälle mit einer Wegedauer von drei Stunden täglich antragsberechtigt sind und diese mit Beträgen von 3,33 Euro pro Unterkunftstag und fünf Cent je Kilometer abgespeist werden. "Die großspurig angekündigte Entlastung darf kein Scheinangebot bleiben oder eine Beruhigungspille für Wirtschaftsverbände und Betroffene", meinte Holter. Die Kritik lässt das Land nicht gelten: "Diese Richtlinie trat im Januar 2013 in Kraft, sodass eine Einschätzung der Wirksamkeit der Zuschüsse des Landes für Berufsschülerinnen und Berufsschüler bei notwendiger auswärtiger Unterkunft erst nach Ablauf des Schuljahres 2012/2013 möglich ist", heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Anträge könnten bis zum 15. September des Jahres, in welchem das Schuljahr endet, gestellt werden.

Holter fordert indes von der Landesregierung, das Hilfsangebot zu erweitern. Durch die Konzentration der beruflichen Ausbildung würden die Wege immer weiter. Auszubildende, die zuhause wohnen, ihren Betrieb in der Nähe haben, aber weit weg zur Berufsschule müssen, schultern die Kosten für Fahrten und Übernachtung allein. "Das können sich viele junge Menschen mit nicht gerade üppigen Azubi-Entgelten schlichtweg nicht leisten", meinte Holter. Auch sie bräuchten Unterstützung wie diejenigen, die das Land oder ihre Region für eine Ausbildung verlassen und damit Ausbildungsbeihilfe von der Bundesagentur bekommen.

Der Bedarf ist groß: Nach den Plänen des Landes sollen sich nach den stark sinkenden Schülerzahlen die bislang 28 eigenständigen beruflichen Schulen in MV bis 2017/18 zu 13 Regionalen Beruflichen Bildungs zentren mit Außenstellen weiterentwickeln. Der Antwort zufolge werde derzeit in MV in 136 Berufen in Landesklassen und Fachklassen mit überregionalem Einzugsbereich ausgebildet. Hinzu kommen Auszubildende, die in 189 Berufen in länderübergreifenden Fachklassen in anderen Bundesländern in die Lehre gehen. "Alle diese Azubis haben hohe Aufwendungen und sollten entlastet werden, dem Land sollte die Sicherung von Fachkräften schon ein Millionenbetrag wert sein", meinte Holter.

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