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Mecklenburg-Vorpommern

17. November 2017 | 19:02 Uhr

Azubi in MV: Weite Wege, hohe Kosten

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erstellt am 27.Feb.2013 | 07:20 Uhr

Schwerin/Rostock | Unmotiviert, faul und unfähig: Oft genannte Gründe, warum Lehrlinge hinschmeißen. Fast ein Drittel der Azubis im Land brach die Ausbildung 2010 ab. Dabei waren die Chancen selten so gut, den Wunschberuf zu erlernen. Ende August standen 1800 Suchenden noch mehr als 3200 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. Aber ein Problem wird außer Acht gelassen: Viele Lehrlinge sind klamm. Sie ringen mit hohen Kosten für die Berufsausbildung.

Toni und Michael, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, sind angehende Mechatroniker für Kältetechnik. Ihr Ausbildungsbetrieb befindet sich in MV. Zur Berufsschule aber müssen sie mal für eine, mal für zwei oder drei Wochen nach Reichenbach im Vogtland pendeln.

Für ihren Beruf gibt es keine Schule in Mecklenburg-Vorpommern. Sie gehören zu den sechs Prozent aller Azubis im Bereich der Handwerkskammer Schwerin, die außerhalb des Landes schulisch ausgebildet werden. Sie sind kein Einzelfall: Schneider, Hörgeräteakustiker, Brunnenbauer, Orthopädiemechaniker, oder auch Steinmetze, für 39 Berufe gebe es keine Landesklassen, sagt Karin Klehr von der Handwerkskammer Schwerin. Aber auch für Lehrlinge, die eine Schule im Land besuchen, werden die Wege länger. Sie sind gezwungen sich am Schulort eine Unterkunft zu suchen. 142 Ausbildungsberufe werden noch im Land unterrichtet, aber mehr als 50 Prozent davon in Landesfachklassen. Dies sei notwendig, weil die Schülerzahlen seit 2000/2001 von fast 70 000 auf 31 670 in diesem Schuljahr gesunken sind, teilte das Bildungsministerium mit.

In Reichenbach wohnen Toni und Michael im Internat. 9,20 Euro müssen sie dort für jeden Tag berappen. Hinzu kommen Verpflegung und Fahrtkosten. Ab und zu bekommen sie für die Strecke einen Firmenwagen, oft aber bilden sie Fahrgemeinschaften. Für die Berufsschule gehe ein großer Teil des Lohnes drauf. Aber der Unterricht sei top. Die Schule in Reichenbach ist die renommierteste. Die Lehrer seien nicht bloß Theoretiker. Viele waren früher selbst im Außendienst. Sie sind sich einig: Wenn man den Beruf erlernen will, nimmt man die Kosten in Kauf. Aber, dass die Kosten so hoch sein würden, war ihnen am Anfang der Ausbildung nicht bewusst, obwohl ihnen gesagt wurde, dass die Berufsschule im Vogtland ist. "Ohne meine Eltern könnte ich es nicht bezahlen", sagt Toni. Karin Klehr von der Handwerkskammer kann sich vorstellen, dass Azubis aus Geldsorgen die Lehre nicht anfangen oder gar abbrechen. Aber statistisch wird Geldmangel als Grund nicht erfasst. Das Bildungsministerium reagierte kürzlich mit einem Topf von 100 000 Euro. Mit dem Geld will das Ministerium sozial schwache Schüler, wenn die Berufsschule weit entfernt ist, unterstützen. Die Kosten teilen sich Land, Betrieb und Azubi jeweils zu einem Drittel.

Die Handwerkskammer und die IHK Schwerin begrüßen diesen Schritt. Für sie ist es ein guter Ansatz, aber zugleich bemängeln sie, dass diese Richtlinie nicht für alle Auszubildenden gelte. "Der Aufwand ist für alle gleich, also muss auch für alle eine Unterstützung zugänglich sein", sagt Peter Todt von der IHK Schwerin.

Aus dem Bildungsministerium hingegen heißt es, eine Ausweitung auf alle Berufsschüler sei nicht geplant. Schließlich sollte die Ausbildungsvergütung so hoch sein, dass die Lehrlinge auch die Berufsschule besuchen können. Sagt Sprecher Henning Lipski.

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