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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 00:47 Uhr

Axo-Prozess: Ex-Firmenchef verurteilt

vom

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2012 | 06:33 Uhr

Neuruppin/Wittenberge | Der Fall: Heiko M. und seine Mutter Brigitte wurden Freitag vor dem Landgericht Neuruppin zu Bewährungs- beziehungsweise Geldstrafen verurteilt.

Heiko M. habe in "unternehmerischer Selbstüberschätzung" gehandelt, als er nach Süddeutschland expandierte. Das sagte gestern Richter Udo Lechtermann. Unter seinem Vorsitz verurteilte die dritte große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin den Wittenberger Heiko M. zu einer Strafe von anderthalb Jahren auf Bewährung. Wegen der langen Verfahrensdauer gelten vier Monate davon als vollstreckt. Zudem muss er noch 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Seine Mutter Brigitte M. kam mit einer Geldstrafe von 250 Tagessätzen zu je 20 Euro davon. Davon gelten 60 Tagessätze als bereits gezahlt.

Aus Sicht der Kammer hatte Heiko M. im Jahre 2002 mit der Firma Axo-Group in Wittenberge ein beachtliches Familienunternehmen aufgebaut, betätigte sich karitativ und stand in der Öffentlichkeit. "Er hat sich im unternehmerischen Glanz gesonnt", so Richter Lechtermann. 2002 entschloss sich der Angeklagte, einen im baden-württembergischen ansässigen Autozulieferbetrieb, die spätere Axo-Automotive, zu erwerben.

Er versprach sich davon Synergieeffekte, die auch nach Meinung des Gerichts der damals "auf tönernen Füßen" stehenden Axo-Group zu Gute kommen sollten. "Wir gehen nicht davon aus, dass der Angeklagte die Axo-Automotive von Anfang an aushöhlen wollte", sagte Lechtermann. Seine Mutter setzte M. als Geschäftsführerin ein. "Sie hatte eine Strohfrau-Funktion", so der Richter. Das bewahrte sie jedoch nicht vor Strafe. Sie war als Schreibkraft bei der Axo-Group in Wittenberge angestellt, hat für die Automotive Verträge unterschrieben und Schecks eingereicht. "Wir sind sicher, dass sie in die Geschäfte eingeweiht war und den Hintergrund der Transaktionen kannte", so Lechtermann.

Laute Unmutsäußerungen

Die brachten Mutter und Sohn letztendlich vor Gericht. Nach Überzeugung der Kammer entschloss sich Heiko M., als er sah, dass er die Automotive nicht mehr wirtschaftlich führen konnte, aus dieser Firma so viel Kapital wie möglich zu ziehen: für die Axo-Group und für sich selbst. So gebe es unter anderem für eine Prämie von 31 500 Euro für Heiko M. und eine Geschäftsführervergütung in Höhe von 15 000 Euro für Brigitte M. keinen nachvollziehbaren Rechtsgrund. Anschließend habe er den Betrieb dann an einen Firmenbestatter, die Salida, verkauft.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich die beiden Angeklagten der Untreue und des Bankrotts schuldig gemacht haben. Das sah Heiko M. ganz anders. Er äußerte seinen Unmut derart, dass ihn der Vorsitzende Richter mehrfach ermahnte, ihn ausreden zu lassen. Das fiel Heiko M. sichtlich schwer. "Bisher ist alles, was Sie sagen, falsch. Leider!" kommentierte er die Urteilsbegründung.

Die Angeklagten können gegen das Urteil in Revision vor den Bundesgerichtshof gehen. Dass sie das tun werden, haben sie bereits angekündigt.


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