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Hitzige Debatte im Netz : Autobahn-Rehe bald Hundefutter?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sechs Rehe sorgen derzeit bei unseren Lesern für Diskussionsstoff. Die Ricken fühlen sich seit einem Jahr auf der A20 heimisch. Damit sie nicht zur Gefahr werden, sollen sie nun geschossen werden

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erstellt am 27.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Hitzige Debatte im Internet: Mehr als 110 Kommentare erreichten uns bis gestern zu dem Thema auf Facebook. Das Problem: Die Rehe haben sich ein eher ungünstiges Zuhause ausgesucht. Nämlich die Autobahn 20 zwischen Dummerstorf und Sanitz (Landkreis Rostock). Deshalb müssen die Tiere nun sterben.

Am Samstag soll es so weit sein. Zwischen 11 und 14 Uhr wird der Autobahnabschnitt gesperrt. Dann sollen zwei Jäger auf einem Räumfahrzeug des Straßenwinterdienstes die Strecke abfahren. Von dem rollenden Hochsitz aus wollen sie Jagd auf die sechs Rehe machen. Als Grund gab das Landesamt für Straßenbau und Verkehr am Dienstag eine Verkehrsgefährdung durch die Tiere an. Die zuständige Jagdbehörde hat für diesen Termin das Jagdverbot auf dem Abschnitt aufgehoben.

„Es ist nicht so, dass die Tiere erst seit kurzem da sind“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Etwa seit einem Jahr lebe die Gruppe zwischen dem Wildschutzzaun und der Fahrbahn. Das saftige Gras im Sommer und das Streusalz im Winter habe die Tiere vermutlich angezogen. Und nun wollen sie anscheinend gar nicht mehr weg. Mehrmals hätte man die Rehe durch Not-Tore wieder in die Freiheit entlassen. „Das war immer nur eine Lösung von ein paar Stunden. Am nächsten Tag waren sie wieder da“, so der Sprecher.

Letzter Ausweg: Abschuss? Etwa zwölf Mal musste im vergangenen Jahr über den Verkehrsfunk vor den Tieren gewarnt werden. „Ein Menschenleben geht vor“, meint Henning Voigt, stellvertretender Geschäftsführer des Landesjagdverbands. Dabei betont er, dass es sich nicht um eine Jagddurchführung, sondern um eine Gefahrenabwehr handle. Eigentlich sei dafür die Polizei zuständig. Die verfüge jedoch nicht über die entsprechenden Waffen, um die Tiere „sauber erlegen zu können.“

Doch warum die Rehe nicht einfach betäuben und umsiedeln? „Das halte ich für sehr schwierig“, meint Voigt. Betäubungspfeile müssten aus kurzer Distanz abgeschossen werden. Das sei auf der Autobahn kaum möglich. „Die Entscheidung haben die zuständigen Behörden geprüft“, sagt er.

Nicht jeder teilt die Auffassung: „Nur damit wir schneller an einem Ort sind, zerstören wir den Lebensraum so vieler Tiere“, beklagt Viola auf Facebook. Johann stimmt ihr zu und sagt: „Was ist, wenn die Sechs weg sind und neue Rehe kommen? Es gibt doch viele Möglichkeiten, um Wild von der Autobahn fern zuhalten.“ Andere befürworten jedoch die Entscheidung. So auch Mirko: „Wenn die Tiere eine Gefahr darstellen, müssen sie geschossen werden.“

Um Wildwechsel auf Bundes- und Landstraßen zu verhindern, werden durch Jäger regelmäßig Tiere erlegt, heißt es aus dem Ministerium. Auch auf den Flughäfen in Parchim und Laage müssten Tiere aus Sicherheitsgründen öfter geschossen werden, informiert der Jagdverband. Dass eine Autobahn abgeriegelt werden muss, sei eine Ausnahme. Insgesamt werden etwa 56    000 Rehe in MV jährlich erlegt.

Gibt es am Sonntag also Rehbraten? Vermutlich nicht, schätzt Voigt. „Die Tiere werden ja unter Stress geschossen. Ob das Fleisch für den Menschen taugt, weiß ich nicht. Vielleicht für Hundefutter. Oder die Tiere werden einfach entsorgt.“

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