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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 23:37 Uhr

Prozess : Autobahn-Entführer freigesprochen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

36 Jahre alter Pole war zum Tatzeitpunkt seelisch gestört

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2016 | 20:55 Uhr

Das Landgericht Schwerin hat den Autobahn-Entführer von der A 24 freigesprochen. Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem 36 Jahre alten Polen attestiert, dass ihm zur Tatzeit im vergangenen Sommer wegen einer krankhaften seelischen Störung und sich zusammenbrauender Wahnvorstellungen die Einsichtfähigkeit für sein Verhalten fehlte. Die Richter urteilten deshalb, dass der Mann nicht schuldfähig ist. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Allerdings bekommt er für die sieben Monate, die er in Untersuchungshaft war, keine Haftentschädigung.

Der Mann stand wegen eines räuberischen Angriffs auf eine Kraftfahrerin vor Gericht. Er hatte am Morgen des 1. Juli 2015 auf der Autobahn zwischen Bandenitz und Wittenburg eine 44-jährige Frau aus Karstädt angehalten, ihr einen Elektroschocker an den Kopf gehalten und sie zu einer rasenden Fahrt bis zur nächsten Abfahrt gezwungen. Dort ließ er die verängstigte Frau aussteigen und fuhr mit ihrem Wagen weiter. Stunden später stellte die Polizei den Mann in der Nähe von Gadebusch.

Bereits vor der Entführung hatte der Angeklagte zusammen mit einem Bekannten während der Fahrt auf der Gegenfahrbahn aus ihrem Auto heraus Kleidung, Papier, ein Navigationsgerät und ein Radio aus dem Fenster geworfen. Bei einem hinterherfahrenden Wagen wurde dadurch ein Reifen aufgeschlitzt. Für sein absonderliches Verhalten präsentierte der Angeklagte am ersten Prozesstag dem Gericht eine abenteuerlich erscheinende Erklärung. Bereits seit dem Tag zuvor, als er in Bremen ein Auto kaufen wollte und deshalb 28 000 Euro in bar bei sich hatte, habe er sich über viele Stunden von immer wieder wechselnden Autos verfolgt gefühlt.

Das Entführungsopfer hatte vor Gericht als Zeugin noch einmal die Panik der schlimmsten fünf Minuten ihres Autofahrerdaseins durchlebt. Jedoch schilderte auch sie den Polen als fahrig und gehetzt. „Ich hatte den Eindruck, er fühlte sich verfolgt.“ Der Angeklagte entschuldigte sich während des Prozesses bei ihr.

Die Frau kann als Nebenklägerin Revision gegen den Freispruch einlegen. Allerdings hatte nicht nur das Gericht, sondern auch die Staatsanwaltschaft den Angeklagten als schuldunfähig eingestuft. Der Karstädterin steht möglicherweise auch Schadensersatz zu. Der Pole ist nach Angaben des Gerichts dazu bereit. Er wurde aus der Haft entlassen und kann nach Hause zurückkehren. Das Gericht konnte ihm keinen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik auferlegen. Dafür hätte laut Gesetz von ihm eine akute Gefahr ausgehen müssen.

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