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Bericht zur Kriminalitätslage : Auswertung nur im Nebenamt

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Aus der Onlineredaktion

Bericht zur Kriminalitätslage in MV immer noch nicht erschienen. Mitarbeiter können tausende Fragebögen nur nebenbei bearbeiten

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Der Abschlussbericht der groß angelegten Bürgerbefragung zur Kriminalität in MV sollte eigentlich längst vorliegen. Doch die Veröffentlichung der Gesamtergebnisse verzögert sich erneut. Die bereits Anfang 2015 in Angriff genommene wissenschaftliche Untersuchung, bei der tausende Einwohner durch das Landeskriminalamt zu ihrem persönlichen Sicherheitsempfinden befragt wurden, sollte ursprünglich bereits Mitte 2016 abgeschlossen werden. Das klappte aber nicht. Und auch der neue Termin, Ende Juni dieses Jahres war zu optimistisch gewählt. Eine abschließende Auswertung liegt immer noch nicht vor.

Den Landesvorsitzenden vom Bund der Deutschen Kriminalbeamten (BDK), Ronald Buck, überrascht die erneute Verzögerung nicht. Für die Auswertung der mehr als 3000 Fragebögen gibt es offenbar zu wenig Personal in der zuständigen Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow. „Die sind viel zu dünn besetzt“, weiß BDK-Mann Buck .

Die Auswertung der von Innenminister Caffier mit hohen Erwartungen verknüpften Studie scheint aber auch nicht gerade oberste Priorität zu haben. Das wiederum geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Die mit der Analyse der Fragebögen befassten Mitarbeiter erledigten die Arbeit im Nebenamt, teilte das Ministerium mit. Im Zuge der Datenanalyse hätten sich außerdem zuvor nicht erkennbare Fragestellungen und Diskussionsansätze ergeben. Viel gravierender als die im Schneckentempo verlaufende Auswertung findet der BDK-Landeschef jedoch, dass bereits „bekannte Erkenntnisse der Studie noch zu keinen spürbaren Veränderungen bei der Polizeiarbeit geführt haben.“

Die Kriminalisten wollten mit der sogenannten Dunkelfeldstudie unter anderem herausfinden, welche Straftaten angezeigt werden und welche nicht und wie groß die Angst der Bevölkerung ist, Opfer von Straftaten zu werden. Innenministerium und Landeskriminalamt erhofften sich davon, aussagekräftige Informationen für eine effektive Kriminalitätsbekämpfung. „Wo muss man Personal verstärken, wo umschichten? - das seien Fragen, die mit Hilfe der Studie besser beantwortet werden sollen, hatte Innenminister Caffier seinerzeit erklärt.

Die ersten Ergebnisse wurden bereits im Dezember 2015 vorgestellt. Und die waren aus Sicht von Buck eindeutig: „Um Straftaten effektiver bekämpfen und aufklären zu können, brauchen wir mehr Ermittler bei der Kriminalpolizei.“ Rund 400 Kriminalisten würden derzeit in MV fehlen. Großen Nachholbedarf hat die Polizei laut BDK-Chef vor allem im Bereich der Computer- und Internetkriminalität .„Eines der wichtigsten Delikte. Die Zahl dieser Straftaten steigt enorm“, erklärt Buck. Es gebe im Land aber viel zu wenige Spezialisten zur Aufklärung dieser Delikte, kritisiert er. Es seien lediglich ein paar Seiteneinsteiger eingestellt worden.

Auch um die Dauer der Ermittlungsverfahren bei Massendelikten wie Raub und Diebstahl zu verkürzen und die Aufklärungsquote zu verbessern, braucht es nach Einschätzung von Buck mehr Ermittler. Und sie müssten besser ausgebildet werden. Laut Umfrage zweifelte immerhin jeder achte Befragte an der Kompetenz der Polizei. Ein möglicher Grund für die Zweifel: „Der kriminalistischen Ausbildung wird zu wenig Beachtung geschenkt“, erläutert Buck. Vernehmungstechniken und Kriminalpsychologie würden in der Polizeiausbildung nur noch angerissen. Der Schwerpunkt liege auf dem Schutzdienst. „Und für uns Kriminalisten bleiben dann nicht mehr viele Stunden übrig“, bemängelt Buck .

Nach zwei geplatzten Terminen hat das Innenministerium den Abschlussbericht zur Dunkelfeldstudie nun für das dritte Quartal 2017 angekündigt. Wenn die Mitarbeiter nicht wieder andere Aufgaben erledigen müssen.

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