Güstrow : Ausreißerinnen bewusst versteckt

Nach SVZ-Informationen sollen die beiden 13 und 15 Jahre alten Mädchen, die seit dem 23. Juli aus dem Kinder- und Jugendwohnhaus des DRK verschwunden waren, bewusst versteckt worden sein.

svz.de von
31. Juli 2012, 06:59 Uhr

Güstrow | Nach SVZ-Informationen sollen die beiden 13 und 15 Jahre alten Mädchen, die seit dem 23. Juli aus dem Kinder- und Jugendwohnhaus des DRK in der Güstrower Prahmstraße verschwunden waren (SVZ berichtete gestern), bewusst versteckt worden sein. Die zwei Minderjährigen hatten bei einem Bekannten Unterschlupf gefunden, der auch auf Nachfrage vorgegeben habe, nicht zu wissen, wo sich die beiden befänden - wahrscheinlich auf Wunsch der Mädchen. Erst als die Öffentlichkeitsfahndung am Montagnachmittag ausgelöst wurde (auch über die Facebook-Seite der SVZ), bekamen die Mädchen offenbar ein schlechtes Gewissen und meldeten sich. Sie hatten sich gut versteckt, wussten, dass sie gesucht wurden und führten die Polizei eine Woche an der Nase herum.

Eines der beiden Mädchen war bereits öfter aus dem Kinder- und Jugendwohnhaus ausgerissen. Als Grund für ihr jüngstes Verschwinden gaben die beiden an, dass sie sich in dem Wohnhaus in der Prahmstraße nicht wohl fühlten. Das wertet Norbert Wernitz, Leiter der Einrichtung, als Ausrede. "Es kommt immer mal wieder vor, dass Jugendliche abhauen. Dabei handelt es sich oft um Kurzschlussreaktionen. Das hat aber nichts mit der Situation in unserem Haus zu tun", sagte er gestern auf SVZ-Nachfrage. Er und seine Mitarbeiter würden immer versuchen zu ergründen, warum Jugendliche aus dem Haus abhauen würden. "Vielen ist einfach nicht bewusst, welche Ausmaße solche Aktionen annehmen können, wenn Polizei, Jugendamt und Presse eingeschaltet werden", sagt Wernitz.

Lehrerin: Wohnheim leistet liebevolle Arbeit

Gestern meldete sich zudem Kerstin Hemp, Klassenleiterin eines der Mädchen in der Anne-Frank-Schule Güstrow, in unserer Redaktion. Sie bezweifelt, dass der Grund des Verschwindens der Mädchen darin gelegen haben soll, dass sie sich in der Wohngruppe nicht wohl fühlten. Aus einer schnell dahin gesagten Aussage pubertärer Jugendlicher entstehe so der Eindruck, dass es ihnen im Kinder- und Jugendwohnhaus nicht gut gehe. "Das speziell dieses Wohnheim aber eine aufopferungsvolle, liebe- und verständnisvolle Arbeit leistet, weiß ich aus sicherer Quelle, nämlich von meiner Schülerin selbst und aus einer jahrelangen positiven Zusammenarbeit unsere Schule mit den Betreuern", sagt Kerstin Hemp. "Denke nicht so oft an das, was dir fehlt, sondern an das, was du hast - diesen Tipp werde ich als Klassenleiterin der wieder ,heimgekehrten’ Schülerin aus der DRK-Wohngruppe geben, wenn sie am kommenden Montag wieder zur Schule kommt. Für heute bin ich erstmal froh, dass sie wieder dort ist, wo sie hingehört", so die Lehrerin weiter.

Im DRK-Kinder- und Jugendwohnhaus Güstrow leben zurzeit 14 Kinder im Alter von eineinhalb bis 17 Jahren in zwei kleinen familienorientierten Wohngruppen mit je sieben Plätzen. Beide Gruppen leben autonom voneinander. Neben den sehr individuell gestalteten zwei Einzel- und sechs Doppelzimmern verfügen beide Gruppen jeweils über einen modernen Wohn-Küchenraum, eigene Toiletten und Bäder. Im Kellergeschoss gibt es u.a. einen Gemeinschafts- und Sportraum. Unabhängig vom Heimbereich ist im Dachgeschoss eine Trainingswohngruppe mit vier Plätzen etabliert. Entsprechend ihrer Selbstständigkeit werden hier Jugendliche etwa ab dem 16. Lebensjahr untergebracht und bis zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit begleitet.

Das Kinder- und Jugendwohnhaus ist eine integrative Einrichtung. Auch Kinder und Jugendliche mit physischen und psychischen Behinderungen finden hier ein zu Hause. Morgen will das Haus in der Prahmstraße sein 20-jähriges Bestehen feiern.

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