Unesco-Welterbe : Ausgezeichnetes Stralsund

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Stralsund darf sich ab sofort „staatlich anerkannter Erholungsort“ nennen. Der Hauptbahnhof bekam den Preis als Bahnhof des Jahres 2016.

svz.de von
23. August 2016, 05:00 Uhr

Die Unesco-Weltkulturerbestadt Stralsund ist um zwei Titel reicher: Sie darf sich ab sofort „staatlich anerkannter Erholungsort“ nennen. Am Freitag wird die Auszeichnung offiziell überreicht. Stralsunds Hauptbahnhof bekam den Preis als Bahnhof des Jahres 2016.

„Was sind wir? Bahnhof des Jahres? Das ist ja kaum zu glauben“, antwortet der Sicherheits-Mitarbeiter auf dem Bahnsteig des Stralsunder Hauptbahnhofs. Dass der Bahnlobby-Verein Allianz pro Schiene die Entscheidung gestern Nachmittag in Berlin bekanntgegeben hatte, war noch gar nicht bis zu ihm und seinem Kollegen durchgedrungen. Entsprechend verblüfft ist der Mann dann auch zu erfahren, dass er und seine Kollegen wohl einen gewissen Anteil daran haben, dass die Auszeichnung als kundenfreundlichster Bahnhof nach Stralsund ging.

Das freundliche Sicherheitspersonal hat die Jury nämlich in ihrer Begründung ausdrücklich hervorgehoben. „Donnerwetter“, sagt der Mann da bloß. Ob er ein Erfolgsrezept habe? „Nein. Wir versuchen doch bloß, das, was wir wissen, an die Kunden weiterzugeben.“ Service eben. Der werde in Stralsund groß geschrieben, sagt Bahnhofsmanager Ingo Mau, der sich das alles zumindest ein bisschen besser erklären kann: Für die Bahn sei die Station zwar ein eher kleiner Bahnhof. Gemessen an seiner relativ geringen Größe habe er aber ein äußerst breites Portfolio, dazu gehören freies Wlan, ein großes gastronomisches Angebot und Car-Sharing. So sieht es auch die Allianz Pro Schiene: Der Bahnhof überzeuge mit „typisch norddeutscher Lebensart, für die das Solide mehr zählt als Prunk und Protz.“ Nach dem Rostocker Hauptbahnhof ist er nach Verkehrsfläche der zweitgrößte Bahnhof in Mecklenburg-Vorpommern. Und so wird er auch in der Kategorie „großer Bahnhof“ geehrt. In der Kategorie „kleiner Bahnhof“ siegt die S-Bahn-Station Steinheim in Nordrhein-Westfalen.

Hübsch anzusehen ist der Stralsunder Bahnhof obendrein. Um die Jahrtausendwende erhielten die Bahnsteige ein neues, großes Glasdach. Hinzu kommt das hi-storische Bahnhofsgebäude, 1905 errichtet und innen ausgekleidet mit Wandmalereien des Malers Erich Kliefert. 1935 malte er die Bilder „Stralsund“ und „Rügen“ an die Seiten der Halle. Heute sind die Gemälde allerdings kein Blickfang, eher das Gegenteil: Sie sind stark verwittert, mit Vogelkot und Wasserflecken übersät.

Neben dem freundlichen Personal hat die Jury noch besonders das „hervorragende Bistro“ im Bahnhof hervorgehoben. Das muss man allerdings erstmal finden: Es liegt in einem Nebengebäude. Als „BioInsel“ sind dort ein täglich geöffneter Bio-Supermarkt und ein Bio-Bistro miteinander verbunden. Zu Mittag gibt es an diesem Tag übrigens gebratenen Kürbis an Rahmwirsing oder Süßkartoffelsuppe mit Chiasamen – das ist auch nicht gerade die übliche Bahnhofs-Küche.

Gabriel Kords

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